Wie und wann musst du die Umsatzsteuer beim Finanzamt anmelden?

Sofern du dich entschlossen hast, keine Landesbescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG zu beantragen, erzielst du umsatzsteuerpflichtige Umsätze. Dann ist umsatzsteuerlich einiges zu machen. Das Verwaltungsverfahren der Umsatzsteuer ist streng und wird von der Finanzverwaltung auch dauernd überprüft.

Ein großer Vorteil der Umsatzsteuerfreiheit!

Du wirst feststellen: Die Umsatzsteuerbefreiung hat vor allem einen entscheidenden Vorteil:

  • Sie macht das Leben sehr viel einfacher!  – 

Wenn du nur umsatzsteuerfreie Umsätze erzielst, musst du eine Umsatzsteuerjahreserklärung einreichen. Daraus wird sich zwar keine Zahlung ergeben, das Finanzamt möchte aber wissen, was du an Einnahmen im Rahmen der Kleinunternehmerregelung erzielt hast und welche steuerfreien Umsätze du vereinnahmt hast. Die Umsatzsteuerjahreserklärung muss bis zum 31.7. des Folgejahres beim Finanzamt vorliegen.

Die Umsatzsteuer ist eine Anmeldesteuer

Die Umsatzsteuer ist eine Anmeldesteuer. Du musst als Steuerpflichtiger die Umsatzsteuerschuld selbst ermitteln. Dazu errechnest du die umsatzsteuerpflichten Erlöse und die darauf entfallende Umsatzsteuer. Andererseits musst du die an andere Unternehmer gezahlte Vorsteuer aus den Belegen ermitteln.

Wer muss wann und wie oft Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben?

Der ermittelte Umsatz, die Umsatzsteuer sowie die Vorsteuerbeträge sind dann in der sogenannten Umsatzsteuervoranmeldung anzugeben. Die Differenz aus der erhaltenen Umsatzsteuer und der bezahlten Vorsteuer ist die Umsatzsteuerzahllast, welche fristgerecht an das Finanzamt bezahlt werden muss.

Als umsatzsteuerpflichtiger Musiker bist du verpflichtet, die an das Finanzamt abzuführende Umsatzsteuer in vorgeschriebenen Zeitabschnitten an das Finanzamt zu melden und  abzuführen:

  • pro Monat, wenn die zu zahlende Umsatzsteuer im Vorjahr mehr als 7.500€ betragen hat.
  • pro Quartal, wenn die zu zahlende Umsatzsteuer im Vorjahr mehr als 1.000 €, aber weniger als 7.500 € betragen hat.
  • pro Jahr, wenn die im Vorjahr zu zahlende Umsatzsteuer weniger als 1.000 € betragen hat. In diesem Fall ist nur eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben.

Die Umsatzsteuervoranmeldung muss grundsätzlich bis zum 10. Tag des auf den Voranmeldungszeitraum folgenden Monats beim Finanzamt eingehen (also die Voranmeldung Januar muss bis zum 10. Februar eingereicht werden). Die Voranmeldung ist nach amtlich vorgeschriebener Datenstruktur elektronisch beim Finanzamt einzureichen. Dazu kannst du das Elsterprogramm der Finanzbehörden nutzen. Vor erstmaliger Anwendung des Programmes bedarf es einer Registrierung. Da diese Registrierung in der Regel einige Tage dauert, empfehle ich dir, die Registrierung frühzeitig durchzuführen, damit keine Verspätung der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung droht.

Wie funktioniert eine Dauerfristverlängerung?

Da diese gesetzliche Frist zur Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldung relativ kurz ist, besteht die Möglichkeit, eine sog. Dauerfristverlängerung zu beantragen. Dann verlängert sich die Frist zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung um einen Monat (also die Voranmeldung Januar muss dann bis zum 10. März abgegeben werden). Um diese Verlängerung zu erhalten, hast du eine sog. Sondervorauszahlung zu leisten. Die Sondervorauszahlung beträgt 1/11 der gesamten Vorauszahlungen des Vorjahres. Hast du deine Tätigkeit erst im laufenden Jahr aufgenommen, so errechnet sich die Sondervorauszahlung auf der Grundlage der zu erwartenden Vorauszahlungen dieses Jahres. Die Dauerfristverlängerung wird ebenfalls durch elektronische Übermittlung eines amtlich vorgeschriebenen Datensatzes an das Finanzamt beantragt. Die Beantragung muss im Vorhinein erfolgen.

Sofern du nur quartalsweise die Voranmeldungen einreichen musst, kannst du ebenfalls eine Dauerfristverlängerung von einem Monat beantragen. Eine Sondervorauszahlung wird dann aber nicht verlangt.

Das Finanzamt ist bei der Einhaltung dieser Einreichungsfirst in der Regel sehr strikt. Bei verspäteter Abgabe wird relativ schnell ein Verspätungszuschlag festgesetzt. Dieser beträgt 10% der festgesetzten Steuer, höchstens jedoch 25.000 €.

Ich empfehle dir, das Lastschrifteinzugsverfahren anzuwenden!

Die Zahlung der so ermittelten Umsatzsteuerzahllast ist ebenfalls am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraumes fällig. Der Steuerpflichtige muss die Steuer entweder unaufgefordert auf Basis seiner eigenen Ermittlung an das Finanzamt abführen oder eine Lastschrifteinzugsermächtigung an das Finanzamt erteilen. Die Wahl des Lastschrifteinzugsverfahrens hat den Vorteil, dass die Zahlung nicht gesondert veranlasst und überwacht werden muss. Sehr leicht kannst du im Überweisungsverfahren, die Zahlfrist überschreiten, mit der Folge der Festsetzung von Säumniszuschlägen. Der Säumniszuschlag beträgt kurz gesagt 1% der Steuerschuld je angegangenem Monat der Säumnis. Das ist relativ teuer. Um diese zu sparen empfiehlt sich die Erteilung einer Lastschrifteinzugsermächtigung.

Zahlung per Überweisung und Schonfrist

Sofern du die Zahlung selbst durch Überweisung ausführst, greift eine sog. Schonfrist von 3 Tagen (§ 240 Abs. 3 AO). Dadurch wird ermöglicht, dass die Voranmeldung am 10. des maßgeblichen Monates an das zuständige Finanzamt übermittelt und am selben Tag die Zahlung noch per Überweisung veranlasst wird. In der Regel ist die Zahlung dann 3 Tage später beim Finanzamt. Für Bar- oder Scheckzahlungen greifen diese Schonfristen nicht (§ 224 Abs. 2 Nr. 1 AO). Das macht heutzutage aber eh kaum noch jemand.

Die Umsatzsteuerjahreserklärung

Auch in den Fällen, in denen du zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet bist, musst du am Jahresende eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben. Wenn du keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben musst, dann ist die Umsatzsteuerjahreserklärung ohnehin obligatorisch. Die Umsatzsteuerjahreserklärung ist bis zum 31.7. des Folgejahres beim Finanzamt einzureichen.

Ergibt sich aus der Umsatzsteuerjahreserklärung eine Umsatzsteuerschuld, so ist diese einen Monat nach Abgabe der Steuererklärung fällig. Da Musiker aus den oben genannten Gründen häufig keine umsatzsteuerpflichtigen Umsätze erzielen, sind sie in der Regel nicht zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet. Es besteht aber dennoch die Verpflichtung, eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben. In dieser sind auch die steuerfreien Umsätze anzugeben.