Krankheitskosten

Voller Abzug von Krankheitskosten als Betriebsausgabe?

Krankheitskosten können grundsätzlich nur in engem Rahmen steuerlich geltend gemacht werden. Vorgesehen ist allgemein nur die Berücksichtigung als außergewöhnliche Belastung. Dies hat den Nachteil, dass die Aufwendungen nur dann steuerlich zum Tragen kommen, wenn ein sogenannter Selbstbehalt überschritten wird. Dieser ergibt sich in Abhängigkeit der Einkommenshöhe. Wurden nur relativ geringe Krankheitskosten in einem Jahr aufgewendet, dann können diese in der Regel nicht steuerlich berücksichtigt werden. Aus steuerlicher Sicht ist es deshalb ganz allgemein sinnvoll, Krankheitskosten in einem Jahr zusammenzuballen. Dann ist die Chance einer steuerlichen Berücksichtigung zumindest eines Teils der Kosten höher. Es empfiehlt sich also zum Beispiel: Wenn in einem Jahr Zahnersatzkosten anfallen, solltest du darüber nachdenken, auch gleich noch eine neue Brille zu kaufen.

Typische Berufskrankheit

Dagegen sind Kosten, die im Zusammenhang mit einer typischen Berufskrankheit stehen, in vollem Umfang als Betriebsausgabe abziehbar. Das Gleiche gilt, wenn der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht, es sich aber nicht (noch nicht) um eine allgemein anerkannte typische Berufskrankheit handelt. Dies wird vom obersten Finanzgericht beispielsweise bei einem Sportunfall eines Profifußballers als gegeben angesehen. Auch stimmtherapeutische Übungen einer Lehrerin werden als Kosten zur Minderung einer Berufskrankheit anerkannt.

Für Musiker gibt es spezielle Urteile betreffend die Abziehbarkeit von Krankheitskosten. In einem Urteil aus dem Jahre 2010 hat das Finanzgericht Sachsen einer Geigerin ermöglicht, die Kosten für die Behandlung ihrer Verspannungen und ihrer schmerzbedingten Fehlhaltung der Wirbelsäule als Betriebsausgabe abzusetzen – dies sogar, obwohl die behandelte Krankheit nach dem Sozialgesetzbuch nicht als Berufskrankheit eingestuft wird. Die Klägerin hatte zur Linderung des bei Geigern häufig auftretenden Impingement-Syndroms eine speziell auf ihre Beschwerden abgestellte therapeutische Behandlung nach der Mensendieck-Methode angewandt. Die entsprechenden, unstrittig entstandenen Kosten versuchte sie, steuerlich als Betriebsausgaben geltend zu machen. Mit Erfolg: Das Finanzgericht erkannte diese Behandlungskosten als Fortbildungskosten an und ließ sie vollumfänglich zum Abzug zu. Nach Ansicht des Gerichts konnte die Musikerin ihre Geigenspieltätigkeit verbessern und erhalten.

Was tust du, wenn du Krankheitskosten hast?

Falls du ähnliche Krankheitskosten hast, berufe dich auf dieses Urteil mit folgendem Satz in einem Anschreiben an dein Finanzamt: Die Kosten der Behandlung meiner berufsbedingten Krankheitskosten (zum Beispiel Verspannungsprobleme in der Schulter/ Rücken/ sonst wo) habe ich gemäß Urteil vom Finanzgericht Sachsen, AZ 5 K 435/06, als Fortbildungskosten angesetzt.

Fast im selben Tenor erging auch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) über die Anerkennung von Kosten für eine Dispokinese und Kosten für Krankengymnastik zur Beseitigung berufsbedingter Verspannungen einer Geigerin. Auch hier wurde der Abzug zugelassen, sofern ein direkter Zusammenhang zwischen dem Beruf und der Erkrankung festgestellt werden kann. Das maßgebliche Urteil kannst du ebenfalls in einem Schreiben ans Finanzamt anführen. Hier ist auf das BFH-Urteil vom 11.7.2013, IV R 37/12, BStBl. II 2013, S. 815 hinzuweisen.

Etwas weniger eindeutig, aber dennoch hilfreich hat der BFH in einem weiteren Urteil diese Auffassung bestätigt (BFH-Urteil vom 9.11.2015, VI R 36/13, BFH/NV 2016, S. 194). Im Leitsatz aus diesem Urteil ist zu lesen:

„Aufwendungen, die ein berufstätiger Steuerpflichtiger für seine Gesundheit macht, können nur dann als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit berücksichtigt werden, wenn die Entstehung der Krankheit, wie etwa bei sogenannten typischen Berufskrankheiten, wesentlich durch den Beruf mitbedingt ist oder wenn im Einzelfall der Zusammenhang zwischen dem Beruf und der Entstehung der Erkrankung offenkundig ist.“

Insgesamt ist also festzuhalten, dass es gesicherte laufende Rechtsprechung ist, dass Krankheitskosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden können. Dafür musst du nachweisen, dass es sich entweder um eine Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen Beruf und Entstehung der Erkrankung offenkundig ist. Es ist also wichtig, diese Zusammenhänge zu dokumentieren und zu deinen Steuerunterlagen zu nehmen.

Tipp

Sprich mit deinem Arzt oder deiner Krankenkasse und recherchiere im Internet, um diesen Kausalzusammenhang zwischen der Erkrankung, deren Heilungskosten du selbst getragen hast, und deinem Beruf zu dokumentieren. Nimm entsprechende Dokumente zu deinen Steuerunterlagen, um das Finanzamt zu überzeugen. Setze diese selbstgetragenen Kosten als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten insgesamt steuermindernd an und begründe diese Vorgehensweise in einem Anschreiben an das Finanzamt mit Hinweis auf die oben genannten Urteile. Dem Schreiben fügst du die Dokumente bei, die den Zusammenhang aufzeigen.

Sollte es dir nicht gelingen, diesen Zusammenhang nachzuweisen, kommt ein Abzug der selbstgetragenen Krankheitskosten als Betriebsausgaben/Werbungskosten nicht in Betracht. In diesem Fall erfasst du die gesamten Kosten im Bereich der außergewöhnlichen Belastungen. Hier kommen allerdings nur die Kosten letztlich steuermindernd zum Ansatz, welche die sogenannte zumutbare Belastung übersteigen. Das ist aber noch immer besser als nichts.

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