2.3 Übungsleiterpauschbetrag

„Einnahmen aus der nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher […] oder […] aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten“ sind gemäß § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) bis zu einer Höhe von insgesamt 2.400 € im Jahr steuerfrei. Ab dem Veranlagungsjahr 2021 erhöht sich der Übungsleiterpauschbetrag auf 3.000 € jährlich. Der Übungsleiterpauschbetrag ist auch nicht sozialversicherungspflichtig.

Allerdings kann er der Umsatzsteuer unterliegen. Davon ist er nicht grundsätzlich befreit! Hier gelten die allgemeinen umsatzsteuerlichen Folgen. Vergleiche dazu das Kapitel Umsatzsteuer.

Voraussetzung für die (Einkommen-) Steuerfreiheit ist, dass die Tätigkeit

  • für eine juristische Person des öffentlichen Rechts erbracht wird, die in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder der Schweiz ansässig ist,
  • oder aber für eine Gesellschaft erbracht wird, die gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke im Sinne der §§ 52 bis 54 der Abgabenordnung (AO) erfüllt.

Begünstigt ist jede nebenberufliche künstlerische Tätigkeit, die an einen entsprechenden Auftraggeber erbracht wird, unabhängig davon, ob sie in einem Angestelltenverhältnis erbracht wird oder auf Honorarbasis. Dies ist interessant, da die Tätigkeit eines Musikers aus vielen unterschiedlichen Tätigkeiten besteht oder bestehen kann.

Beispiel:

Peter Tastenblitz ist grundsätzlich in einer Musikschule als Musiklehrer angestellt. Daneben leitet er an einem Abend pro Woche einen Chor der Kirchengemeinde seines Ortes, wofür er pro Monat einen Pauschalbetrag von 250 € erhält.

Peter kann für diese Chorleitertätigkeit den Übungsleiterpauschbetrag geltend machen. Die Tätigkeit als Chorleiter ist klar abgegrenzt von seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Musiklehrer. Das ist wichtig.

Führt er nahezu identische Tätigkeiten aus, zum Beispiel als Musiklehrer an verschiedenen Musikschulen, so kommt der Übungsleiterpauschbetrag in der Regel nicht zur Anwendung, da sich diese Tätigkeiten nach der Verkehrsauffassung als Ausübung eines einheitlichen Hauptberufs darstellen. Dies ist gängige Verwaltungsauffassung.

Kombinationen, bei denen für den Nebenberuf klar der Übungsleiterpauschbetrag in Betracht kommt:

  • Musikunterricht (Hauptberuf) und Chor-, Ensemble- oder Orchesterleitung (Nebenberuf)
  • Musikunterricht (Hauptberuf) und Aushilfe in einem Orchester (Nebenberuf)
  • Angestellte Tätigkeit als Orchestermusiker (Hauptberuf) und unterrichtende Tätigkeit (Nebenberuf)
  • Solistische Tätigkeit als Konzertpianist (Hauptberuf) und Korrepetition an einer Hochschule (Nebenberuf)
  • etc.

Voraussetzung ist natürlich immer, dass der Nebenberuf im Dienst oder Auftrag einer öffentlichen oder gemeinnützigen Einrichtung im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG erfolgt.

Urteil des Bundesfinanzhofes, um das Finanzamt zu überzeugen

Das oberste Gericht in Steuerfragen, der Bundesfinanzhof (BFH), hat am 29. Januar 1987 (IV R 189/85, BStBl. 1987 II S. 783) ein wichtiges Urteil hinsichtlich der Anwendung des Übungsleiterpauschbetrags gefällt. Danach konnte ein Steuerpflichtiger, der im Hauptberuf Hochschullehrer der Rechtswissenschaft ist, für seine nebenamtliche Prüfungstätigkeit den Übungsleiterpauschbetrag geltend machen. Die Prüfungstätigkeit bestand in der Abnahme von Prüfungen für die erste juristische Staatsprüfung von Jurastudenten. Das ist schon ein sehr weitreichendes Urteil. Insofern kannst du es immer bei kritischen Verhandlungen mit dem Finanzamt in die Argumentation einfließen lassen.

Umfang einer nebenberuflichen Tätigkeit

Eine nebenberufliche Tätigkeit darf in zeitlicher Hinsicht nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit einer vergleichbaren Vollzeitbeschäftigung umfassen.

Die Einkünfte aus nebenberuflicher Tätigkeit müssen nicht unter 2.400 € (beziehungsweise ab 1.1.2021 3.000 €) liegen. Überschreiten sie diesen Betrag, so ist der übersteigende Teil steuerpflichtig.

Aufwendungen im Zusammenhang mit nebenberuflichen Einkünften können nur geltend gemacht werden, wenn sie den Übungsleiterpauschbetrag übersteigen.

Der Übungsleiterpauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Er wird nur einmal gewährt, auch wenn verschiedene begünstigte Tätigkeiten ausgeübt werden. Dafür muss er nicht zeitanteilig aufgeteilt werden, wenn die begünstigte Tätigkeit nicht während des ganzen Jahres ausgeübt wurde.

Wie sieht es mit Aufwendungen aus, die mit der Übungsleitertätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang stehen

Aufwendungen, die mit der Übungsleitertätigkeit in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, dürfen nicht vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden, es sei denn, sie übersteigen den Übungsleiterpauschbetrag in Höhe von 2.400 € (beziehungsweise 3.000 € ab dem 1.1.2021). Aufwendungen stehen dann in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Einnahmen, wenn sie durch diese Einnahmen veranlasst sind.

Nach allgemeiner Anschauung des BFH sind solche Aufwendungen vom Abzug ausgeschlossen, die nach ihrer Entstehung und Zweckbestimmung mit den steuerfreien Einnahmen in einem unlösbaren Zusammenhang stehen, d. h. ohne diese nicht angefallen wären. Die Aufwendungen müssen eine eindeutig und klar abgrenzbare Beziehung zu den steuerfreien Einnahmen haben. Dies ist beispielsweise eindeutig bei den Fahrtkosten der Fall.

Am obigen praktischen Beispiel erklärt:

Der Geigenlehrer erzielte im Jahre 2020 folgende Einnahmen:

Einkünfte aus unterrichtender Tätigkeit: 30.000 €
Einkünfte als Chorleiter gem. § 3 Nr. 26 EStG:3.000 €

Damit verbunden hatte der Musiklehrer folgende Ausgaben:

Abschreibung auf die Geige2.000 €
Reparatur der Geige1.000 €
Fahrtkosten für die Chorleitertätigkeit300 €
Fahrtkosten für die unterrichtende Tätigkeit800 €
Gesamt:4.100 €

Die Einnahmenüberschussrechnung sieht wie folgt aus:

Einkünfte aus unterrichtender Tätigkeit 30.000 €
Einkünfte als Chorleiter gemäß § 3 Nr. 26 EStG
3.000 € abzüglich Übungsleiterpauschbetrag in
Höhe von 2.400 €  (2020)
600 €
Steuerpflichtige Einnahmen gesamt:             30.600 €
Ausgaben:
Abschreibung auf die Geige  2.000 €
Reparatur der Geige    1.000 €
Fahrtkosten für die unterrichtende Tätigkeit      800 €
Abziehbare Ausgaben gesamt:   3.800 €
Die Fahrtkosten für die Übungsleitertätigkeit
können nicht abgezogen werden.
Steuerpflichtiger Einnahmenüberschuss:   26.800 €

Bei einem geschätzten (Grenz-)Steuersatz in Höhe von 26 % spart der Ansatz des Übungsleiterpauschbetrags rund 550 € an Steuern. Das lohnt sich schon.

Welche Aufwendungen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Übungsleitertätigkeit?

In einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen vor allem die Reisekosten, die durch die Erzielung der Einkünfte aus Übungsleitertätigkeit verursacht worden sind. Auch Noten können natürlich direkt zugeordnet werden. Bei den nicht direkt zuordenbaren Aufwendungen, wie beispielsweise den Anschaffungskosten des Instruments, würde ich zunächst argumentieren, dass diese auch ohne die nebenberufliche Tätigkeit angefallen wären. Das Finanzamt folgt dieser Auffassung nicht immer. Dann stellt sich die Frage, wie du reagierst. Zunächst solltest du auf jeden Fall Einspruch einlegen und deine Auffassung vertreten. Sollte das Finanzamt nicht zustimmen, gibt es zwei Möglichkeiten: Kompromiss schließen oder klagen.

Der Übungsleiterpauschbetrag in der Anlage EÜR

Die Honorare rechnest du in der Anlage EÜR ganz normal als Einnahmen hinzu und trägst sie in den Zeilen 14 bis 16 der Anlage EÜR ein. Ausgaben fließen ebenfalls zunächst in die entsprechenden Kategorien der Anlage EÜR. Dann ziehst du in Zeile 91 der Anlage EÜR die Einnahmen aus Übungsleitertätigkeit wieder ab. Direkt zuordenbare Betriebsausgaben zu den Einkünften aus Übungsleitertätigkeit sind nicht abzugsfähig. Diese erfasst du in Zeile 94 der Anlage EÜR.

Du kannst die Einkünfte aus Übungsleitertätigkeit also nicht einfach weglassen!