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Raumkosten: Tonstudio, Lager, Probenraum, Arbeitszimmer

Jeder Musiker braucht zum Proben, Komponieren und Arbeiten einen Raum. Sofern dieser Raum außerhalb des häuslichen Umfelds angemietet wird, steht die steuerliche Absetzbarkeit außer Frage. Mietest du beispielsweise einen Probenraum in einem von deiner Wohnung getrennten Gebäude an und nutzt du diesen Raum nur zum Üben, kannst du sämtliche Kosten für diesen Raum steuermindernd berücksichtigen.

Ist der Überaum in deine private Wohnung integriert, so ist die tatsächliche Absetzbarkeit näher zu prüfen. Die umfassende Rechtsprechung zum häuslichen Arbeitszimmer betrifft grundsätzlich nur solche Räume, die als sogenannte häusliche Büros anzusehen sind, d. h. Arbeitsräume, die ihrer Lage, Funktion und Ausstattung nach vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dienen und mit Büromöbeln, insbesondere einem Schreibtisch, ausgestattet sind.

Die Finanzverwaltung hat ein häusliches, ausschließlich beruflich genutztes Musikzimmer einer freiberuflich tätigen Konzertpianistin, in dem sie Musikunterricht erteilt, einem häuslichen Arbeitszimmer gleichgestellt (BMF-Schreiben vom 2. März 2011, BStBl I S. 195, Tz. 5). Für ein Musikzimmer oder einen Überaum sind also die gleichen Regeln anzuwenden wie für ein häusliches Arbeitszimmer beziehungsweise Büro.

Wann ist ein häusliches Arbeitszimmer abzugsbeschränkt und wann nicht?

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer kannst du nur dann in vollem Umfang abziehen, wenn das Zimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.

Den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet ein Raum beispielsweise dann, wenn ein hauptberuflich tätiger Musiklehrer nur in diesem Musikzimmer unterrichtet. Für reine Überäume von Konzertsolisten und Orchestermusiker wird die Argumentation hier schwierig, weil natürlich immer auch ein wesentlicher Teil der beruflichen Tätigkeit außerhalb des Übungszimmers ausgeführt wird. Bei unklaren Verhältnissen stellt die Finanzverwaltung darauf ab, wo der qualitative Schwerpunkt der Arbeit erbracht wird. Dies dürfte bei auftretenden Musikern in der Regel auf der Bühne sein.

Sofern du in dem Arbeitszimmer nicht die gesamte betriebliche/berufliche Tätigkeit ausübst, können die Kosten nur bis zur Höhe von 1.250 € abgezogen werden, wenn dir für einen bestimmten Teil deiner beruflichen Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Davon ist beispielsweise bei einem Musikzimmer für nebenberuflich tätige Musiklehrer auszugehen oder bei Übezimmern von Musikern. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, dass du dir von deinem Arbeitgeber bescheinigen lässt, dass dir für eine bestimmte Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Steht dir ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung und du übst deine Tätigkeit nur aus persönlicher Vorliebe im häuslichen Arbeitszimmer aus, so sind die Kosten gar nicht abzugsfähig.

Lagerräume, Werkstätten, Tonstudios

Die Kosten für andere Räumlichkeiten, die nicht diesem Bürocharakter entsprechen, sind auch dann in vollem Umfang steuermindern absetzbar, wenn sie in die Wohnräume des Steuerpflichtigen integriert sind. Höchstrichterlich entschieden sind hier beispielsweise

  • Lagerräume,
  • Werkstätten,
  • Arztpraxen,
  • Tonstudios,
  • der Praxisraum einer Sprachpädagogin und
  • Ausstellungsräume,

die nicht als Arbeitszimmer qualifiziert wurden. Die Kosten dafür waren entsprechend voll abzugsfähig. Auch andere Büros, zum Beispiel von Steuerberatern, die einem weitreichenden Publikumsverkehr geöffnet werden, gelten nicht als häusliches Arbeitszimmer.

Entsprechend empfehle ich dir, sofern bei deinem Musikzimmer die private Mitbenutzung aus bestimmten Gründen so gut wie ausgeschlossen ist, diese Kosten voll anzusetzen und die Vorgehensweise und Gründe für den Ansatz der Kosten in einem besonderen Schreiben zu erläutern. So hat das Finanzamt die Möglichkeit, über die Anerkennung der Kosten zu entscheiden. Sofern das zuständige Finanzamt den Ansatz ablehnt, steht dir immer noch der Klageweg offen.

Welche Kosten kannst du ansetzen?

Zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer beziehungsweise Übezimmer gehören insbesondere

  • Miete,
  • Gebäudeabschreibung (2 % der ursprünglichen Anschaffungskosten für das Gebäude, ohne den Grund und Boden; gegebenenfalls müssen die Anschaffungskosten aufgeteilt werden nach dem tatsächlichen Kaufpreis oder einem Schlüssel. Das Finanzamt erkennt hier regelmäßig einen Schlüssel von 80 (Gebäudeanteil) zu 20 (Anteil Grund und Boden) an.),
  • Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet wurden,
  • Wasser- und Energiekosten,
  • Reinigungskosten,
  • Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen,
  • Renovierungskosten,
  • Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie zum Beispiel Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen.

Kosten für Arbeitsmittel (Noten, Notenständer, Computer etc.) zählen nicht zu den Aufwendungen des häuslichen Arbeitszimmers. Du kannst sie in vollem Umfang als Arbeitsmittel abziehen.

Auch Aufwendungen für Luxusgegenstände zählen nicht zu den Kosten des Arbeitszimmers. Sie stellen Kosten der privaten Lebensführung dar, die gemäß § 12 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) gänzlich vom Abzug ausgeschlossen sind.

Aufteilungsmaßstab der Kosten

Bei der Berechnung der anzusetzenden Kosten für das Arbeitszimmer ermittelst du zunächst die Gesamtkosten für das Haus. Diese teilst du entsprechend dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers in Quadratmetern zu den Quadratmetern des Gesamtwohnraums auf. Den auf das Arbeitszimmer entfallenden Anteil setzt du steuerlich ab. Dazu kommen dann die Einzelkosten des Arbeitszimmers, die diesem direkt zugerechnet werden können. Erhält beispielsweise nur das Arbeitszimmer einen Neuanstrich, so kannst du diese Kosten in vollem Umfang absetzen.

Bei der Berechnung der Flächenverhältnisse wird aktuell die Wohnfläche als Verhältnismaßstab herangezogen. Sonstige Flächen, wie beispielsweise Kellerräume, werden nicht in die Verhältnisrechnung einbezogen. Dies ist in der Regel für den Steuerpflichtigen vorteilhaft. Ein Raum ist dann ein Wohnraum nach Ansicht des Bundesfinanzhofs  (BFH vom 11.11.2014, VIII R 3/12, BStBl II 2015 S. 382), wenn der Raum unmittelbar seiner Funktion nach dem Wohnen und nach seiner Beschaffenheit, Lage und Ausstattung dem Standard eines Wohnraums vergleichbar und zum dauernden Aufenthalt von Menschen tatsächlich geeignet und bestimmt ist.

Zusammengefasst bedeutet dies:

  • Probenräume/ Unterrichtsräume:
    • Extern angemietet: Du kannst alle Kosten ansetzen.
    • Häusliches Umfeld: Es ist ein voller Abzug möglich, wenn eine private Mitbenutzung durch die Einrichtung der Räume praktisch ausgeschlossen ist (zum Beispiel Schallschutzzelle für Probenzwecke im Keller).
  • Lagerräume:
    • Extern angemietet: Du kannst alle Kosten voll ansetzen.
    • Häusliches Umfeld: Es ist ein voller Abzug möglich, wenn das Lager keine private Mitbenutzung zulässt (zum Beispiel ein Raum, der ausschließlich mit betrieblich genutzten Gegenständen oder Akten vollgestellt ist).
  • Klassisches Arbeitszimmer, Übezimmer und Kombizimmer zum Arbeiten und Üben:
    • Extern angemietet, getrennt vom häuslichen Umfeld: Du kannst alle Kosten voll ansetzen.
    • Häusliches Umfeld: Ein voller Abzug kommt nur in Betracht, wenn dieser Raum das Zentrum für die gesamte berufliche und betriebliche Tätigkeit bildet. Sofern dies nicht der Fall ist, du aber keinen anderen Raum hast, in dem du üben oder wie in einem Arbeitszimmer arbeiten kannst, so kannst du die Kosten bis zu einer Höhe von 1.250 € ansetzen. Unbestritten ist dies für Lehrer und Außendienstmitarbeiter der Fall.

Arbeitsecken, Durchgangszimmer und Co.

Der BFH hat in einer Entscheidung des Großen Senats der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kosten derartiger Räumlichkeiten eine Absage erteilt. Zimmer, die zwar büromäßig eingerichtet sind, aber entweder nicht abgeschlossen sind, Durchgangszimmer sind oder in erheblichem Umfang neben der Verrichtung von Büroarbeiten auch anderen Zwecken dienen, etwa als Spiel-, Gäste- oder Bügelzimmer, können insgesamt nicht als häusliche Arbeitszimmer steuermindernd berücksichtigt werden.

Wo in der Anlage EÜR?

Raumkosten (externe Räume oder Räume bei denen eine private Mitbenutzung praktisch ausgeschlossen ist) sind in die Zeilen 46 bis 48 der Anlage EÜR einzutragen. Kosten für Arbeitszimmer werden dagegen in der Zeile 70 angegeben.