2.2 Stipendien und Preisgelder

Stipendien und Preisgelder –
Wie sind sie bei der Einkommensteuer zu betrachten – und in welchem Umfang unterliegen sie der Umsatzsteuer?

Stipendien und Preisgelder sind steuerfrei, wenn sie für die künstlerische Tätigkeit als solche gewährt werden, oder für das Lebenswerk, die Persönlichkeit, die Grundhaltung oder Vorbildfunktion des Musikers. Nur sofern zwischen dem Preisgeld und einer Leistung des Künstlers ein direkter Zusammenhang hergestellt werden kann, liegt ein einkommensteuerlich relevanter Sachverhalt vor. Umsatzsteuerlich kann sich etwas Anderes ergeben. Wenn ein Preisgeld nicht einkommensteuerpflichtig ist, kann davon ausgegangen werden, dass es auch nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Liegt aber Einkommensteuerpflicht vor, ist meistens keine Umsatzsteuerpflicht gegeben, da es am erforderlichen Leistungsaustausch in der Regel fehlt.

Beispiele für die Beurteilung von Preisgeldern

Ein einkommensteuerpflichtiges Preisgeld ist beispielsweise grundsätzlich bei einem Kompositionsauftrag gegeben, der mit einem Preisgeld prämiert wird. Diese direkte Kopplung von Leistung (Komposition) und Gegenleistung (Preisgeld/Stipendium) führt zur Einkommensteuerpflicht, selbst wenn die Rechte an der Komposition beim Komponisten bleiben. Umsatzsteuerlich ist dieses Preisgeld nur dann zu besteuern, wenn zwischen dem Preisgeldzahler und dem Komponisten ein Leistungsaustausch stattfindet, d. h. der „Preisgeber“ eine konkrete Gegenleistung erhält, zum Beispiel die ausschließlichen Rechte an der Komposition.

Preisgelder, die in einem Wettbewerb erzielt werden, in dem das allgemeine Können unter Beweis gestellt wird, sind in der Regel selbst dann steuerfrei, wenn der Gewinner am Ende ein Konzert spielen muss. Durch den Gewinn eines Wettbewerbs wird regelmäßig das Gesamtkönnen des Gewinners ausgezeichnet/geehrt und damit seine Persönlichkeit und sein Lebenswerk.

Umgang mit steuerfreien Stipendien und Preisgeldern

Steuerfreie Preisgelder müssen nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Ich empfehle dir aber trotzdem, dem Finanzamt in einer Anlage zur Einkommensteuererklärung mitzuteilen, dass du ein Preisgeld oder ein Stipendium erhalten hast. Erkläre den Finanzbehörden, dass du das Stipendium/Preisgeld für dein Lebenswerk, deine Persönlichkeit, deine Grundhaltung oder deine Vorbildfunktion erhalten hast, wann immer es dafür Argumente gibt. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass das Finanzamt die Steuerpflicht sofort im Veranlagungsjahr prüfen kann. Das vermeidet böse Überraschungen in späteren Jahren. Auch wird es schwer, dir eine Steuerhinterziehung vorzuwerfen, falls das Preisgeld doch steuerpflichtig sein sollte – denn du hast es ja erklärt.


Tipp:

Falls du unsicher bist, ob das Preisgeld steuerfrei ist oder nicht, kannst du bei der auszahlenden Stelle nachfragen. Die weiß in der Regel darüber Bescheid und hilft ihren Gewinnern in diesem Punkt meistens gerne.