Onlineeinkünfte aus Blogs, Youtube, Streamingplattformen und Co.

Die Coronapandemie hat viele Musiker dazu veranlasst, ihr Leistungsangebot zu erweitern. Zu den üblichen Konzerthonoraren und Unterrichtsentgelten, kamen Einkünfte aus Internetdienstleistungen hinzu, die sie nun anzubieten begannen. Was aber ist hinsichtlich dieser Einnahmen bei der Einkommensteuer und vor allem der Umsatzsteuer zu beachten. Im nachfolgenden Artikel konzentriere ich mich auf die Einnahmen aus folgenden Tätigkeiten:

  • Onlineunterricht über einen eigenen Blog
  • Musikstreaming oder Onlineunterricht über eine internationale Streamingplattform
  • Werbeeinnahmen

Einkommensteuer

Steuerpflicht in Deutschland

Wenn du bereits aufgrund deiner bisherigen Einkünfte ganz oder teilweise selbständig tätig warst, dann zählen die Einkünfte aus dem Angebot von Onlinekursen, live oder aus der Konserve, Streaminghonorare und Werbegebühren aus Plattformen wie youtube oder spotify zu deinen steuerpflichtigen Einkünften aus selbständiger Tätigkeit. Und zwar alle Einnahmen, die du erzielst.

Ich gehe in diesem Blog davon aus, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist und auch hier uneingeschränkt dein Unternehmen betreibst. Davon ist auszugehen, wenn du in keinem anderen Land eine Betriebsstätte hast, das heißt eine gewisse feste Verbindung, in der Form eines Raumes, beispielsweise. Als unbeschränkt Steuerpflichtiger in Deutschland, ohne Betriebsstätte im Ausland, musst du alle Einnahmen aus deinem Unternehmen in Deutschland erfassen, egal woher sie kommen.

Einkünfte aus künstlerischer Tätigkeit

So lange du künstlerische Leistungen anbietest, wie beispielsweise Unterricht, Konzertmitschnitte oder Musik im Internet, sind diese Einkünfte auch weiterhin Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, die du einfach als weitere Einkommenskategorie bei deinen selbständigen Einkünften erfasst.

Einkünfte aus Werbeleistungen

Aus dieser Tätigkeit erzielte Werbeeinnahmen, stammen grundsätzlich nicht aus freiberuflicher Tätigkeit. Es handelt sich um gewerbliche Einkünfte. Ich würde dir empfehlen, für diese Einkünfte eine gesonderte Einnahmenüberschussrechnung zu erstellen, um die gewerblichen Einkünfte getrennt von den freiberuflichen Einkünften zu erfassen.

Anders als freiberufliche Einkünfte, unterliegen gewerbliche der Gewerbesteuer. Das ist so lange unproblematisch, als dein Gewinn unter dem Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von 24.500 € liegt. Deshalb ist es wichtig, den gewerblichen Einnahmenüberschuss getrennt zu ermitteln.


Aufwendungen

Aufwendungen, die mit der Erzielung dieser Einnahmen in Zusammenhang stehen, kannst du als Betriebsausgaben abziehen. Hier kommen weitere Ausgabenkategorien wie Website- und Domainkosten, Bildbearbeitungsprogramme oder Fotoequipment verstärkt hinzu. Möglicherweise auch Lizenzgebühren für verschiedene Streaminganbieter.

Umsatzsteuer

Die Musik in der Besteuerung derartiger Onlineeinkünfte spielt in der Umsatzsteuer.

Der bislang umsatzsteuerlich sorgenfreie Musiker

Hinsichtlich der Umsatzsteuer bist du als Musiker in der Regel verwöhnt. Du erzielst deine Konzerthonorare gem. § 4 Nr. 20a UStG in der Regel umsatzsteuerfrei und deine Unterrichtshonorare über § 4 Nr.21 UStG ebenfalls. Weitere Einkünfte vereinnahmst du unter der Kleinunternehmerregelung – ebenfalls ohne dir über Umsatzsteuer Gedanken machen zu müssen. Einen Vorsteuerabzug hast du im Gegenzug nicht. Das heißt, im Rahmen deiner normalen Tätigkeit musst du dich eigentlich um Umsatzsteuer nicht groß kümmern. Das ist bei Onlineeinkünften schnell anders.

Umsatzbesteuerung der Leistungserbringung

Inländische Leistungsempfänger

Solang du Onlinedienstleistungen an inländische Leistungsempfänger erbringst, ist die Umsatzsteuer weiter unproblematisch.
Erbringst du Musikkurse online an inländische Empfänger, ist dieser Musikkurs unter den Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 UStG ebenfalls von der Umsatzsteuer befreit. Sofern du Konzertmitschnitte oder Musik an inländische Abnehmer streamst, gilt ebenfalls die Befreiung gem. § 4 Nr. 20 UStG. Werbeeinnahmen von inländischen Streamingdiensten kannst du unter der Kleinunternehmerregelung bis zu einer Grenze in Höhe von 22.000 € umsatzsteuersorglos vereinnahmen.

Ausländische Streamingdienste als Leistungsempfänger

Aber vor allem Streamingdienstleistungen erbringst du oft an ausländische Streamingplattformen, die dann per Gutschrift abrechnen. Gem. Umsatzsteuergesetz, werden sonstige Leistungen eines Unternehmers (du als Musiker) an einen anderen Unternehmer (ausländischer Streamingdienst) dort erbracht, wo der ausländische Leistungsempfänger sitzt (Streamingdienst). Sofern dieser in Irland, USA, Schweiz oder Abu Dhabi sitzt, erbringst du eine Leistung in diesem Land. Das ist problematisch. Woher sollst du wissen, was du dort umsatzsteuerlich tun musst?

Reverse charge Verfahren in der EU und einigen anderen Ländern

Die Finanzbehörden haben dieses Problem international auch erkannt und in vielen Ländern das sogenannte reverse charge Verfahren eingeführt. Bei Anwendung dieses Verfahrens führt der Leistungsempfänger (ausländischer Streamingdienst) die Umsatzsteuer für dich ab. Du weist in deiner Rechnung keine Umsatzsteuer aus. Auf deine Rechnung schreibst du: Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Sofern der Streamingdienst per Gutschrift abrechnet, brauchst du nicht mal eine Rechnung schreiben. Soweit so gut. Das ist weiterhin ohne Schwierigkeiten regelbar.

Das reverse charge Verfahren wird zwar durchgängig von allen Staaten der EU angewandt und von einigen anderen wichtigen Industriepartnern. Aber es wenden nicht alle Staaten weltweit dieses Verfahren an. Beispielsweise kennt die USA dieses Verfahren nicht. Ob ein Land das reverse charge Verfahren anwendet, musst du im jeweiligen Einzelfall ermitteln. Helfen können hier die Handelskammern oder die Außenhandelskammern in Deutschland oder dem jeweiligen Land.

Registrierungspflicht im Ausland, das kein reverse charge Verfahren kennt

Wenn der andere Staat kein reverse charge Verfahren kennt, musst du dich dort umsatzsteuerlich registrieren lassen und die Umsatzsteuer im entsprechenden Ausland nach den dort geltenden Regelungen abführen! Es kann nicht empfohlen werden, diese Umsatzsteuerpflicht im Ausland zu ignorieren, weil du dann einen großen Berg an Steuerschulden und gegebenenfalls strafrechtlichen Folgen vor dir herschiebst. Du musst dir im Ausland einen Fiskalvertreter suchen, der die Aufgaben für dich erledigt.

Die Umsatzsteuer ID-Nummer wird jetzt wirklich wichtig!

Damit bei der Besteuerung von sonstigen Leistungen an ausländische Dienstleister alles richtig läuft, musst du eine Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen und verwenden. Diese erhältst du über die Homepage des BZSt.

Mit der Umsatzsteuer ID-Nummer kannst du dich gegenüber den ausländischen Streamingdiensten als Unternehmer zu erkennen geben, so dass diese alles umsatzsteuerlich Erforderliche veranlassen.
Wenn du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast, musst du diese auch in deinen Rechnungen verwenden. Nicht vergessen!

Umsatzsteuerpflichten bei Leistungen an Privatpersonen

Sonstige Leistungen, die auf elektronischem Wege an Privatpersonen erbracht werden, sind gemäß § 3a Abs. 5 Umsatzsteuergesetz dort erbracht, wo die Privatperson ihren Wohnsitz hat. Wenn du also vor allem Onlinekurse auch an ausländische Schüler erbringst, sind diese Leistungsvergütungen im Wohnsitzstaat des Schülers umsatzsteuerpflichtig!

Das ist sehr nervig, da ausländische Privatpersonen nicht verpflichtet sind, das reverse charge Verfahren anzuwenden. Das wiederum heißt, du musst dich um die umsatzsteuerliche Behandlung deiner Kurshonorare im entsprechenden Ausland selbst kümmern. Das bringt ebenfalls eine Registrierungspflicht im Ausland mit sich. Ob dort auch eine Kleinunternehmerregelung oder Umsatzsteuerbefreiungen für deine Leistungen bekannt sind, musst du im jeweiligen Land herausfinden.

Die Gute Botschaft: Du kannst auf die Anwendung des § 3a Abs.5 UStG verzichten!

Auf die Anwendung dieser sehr lästigen Vorschrift kannst du verzichten, wenn du nur in einem EU-Land ansässig bist und nicht mehr als 10.000 € an Leistungen in ein anderes EU-Land erbringst! Dann gibst du in der Steuererklärung an, du verzichtest. Die Umsätze mit Privatschülern unterliegen dann der deutschen Umsatzsteuer gem. § 3a Abs. 1 UStG. Gegebenenfalls kommt dann die Umsatzsteuerbefreiung gem.§ 4 Nr. 20 oder § 4 Nr. 21 UStG zur Anwendung.


Sonstige Lösungsmöglichkeit: Einschaltung eines Dienstleisters

Eine Lösung könnte hier sein, auch für den Unterricht einen unternehmerischen Streamingdienst einzuschalten und dann mit einem Unternehmer den Leistungsverkehr abzuwickeln. Bei dieser Gestaltung könnte der ausländische Unternehmer sofern in dem Staat bekannt das reverse charge Verfahren anwenden.

Für welche Leistungen gilt § 3a Abs. 5 UStG

Unter Leistungen, die auf elektronischem Wege erbracht werden, versteht die Finanzverwaltung im hier interessierenden Zusammenhang vor allem folgende Leistungen:

  • Die Bereitstellung von E-Books
  • Die Bereitstellung von Musik
  • Die Bereitstellung von Veranstaltungen im Kultur- und Musikbereich
  • Und eben der Fernunterricht.

Achtung aufgepasst!!
Meldepflichten für dich auch als leistender Kleinunternehmer

Auch wenn du sonstige Leistungen an einen ausländischen Empfänger erbringst und dieser im Ausland das reverse charge Verfahren anwendet, musst du trotzdem in Deutschland Meldepflichten erfüllen. Zum einen musst du die im Ausland erbrachten Leistungen gem. 13b UStG in der Umsatzsteuererklärung angeben und du musst auch eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Meldepflichten auch als Kleinunternehmer, der nur ausländische Leistungen empfängt

Selbst wenn du keine Leistungen an ausländische Abnehmer erbringst, bleibst du von umsatzsteuerlichen Aufgaben nicht einmal als Kleinunternehmer mit ansonsten nur steuerfreien Einnahmen verschont.

Auch als Kleinunternehmer bist du umsatzsteuerlicher Unternehmer. Wenn du sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens beziehst, unterliegen diese Leistungen in Deutschland dem reverse charge Verfahren. Der ausländische Leistende ist Unternehmer, du bist (Klein-) Unternehmer. Damit kommt dieses Verfahren zur Anwendung.

Und du musst tätig werden!

Du musst für den ausländischen Unternehmer die Umsatzsteuer abführen. Das wird für dich zu einer kostenmäßigen Belastung, weil du als Kleinunternehmer und Bezieher von nur umsatzsteuerfreien Umsätzen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt bist.

Alleine zum Beispiel Facebook oder Google sitzen im EU – Ausland und du musst das reverse charge Verfahren für diese Leistungen anwenden. Damit alles richtig läuft, ist es auch hier wichtig, dass du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast.

Du übermittelst bei der Bestellung deine Umsatzsteuer ID-Nummer an den Lieferanten (beispielsweise Google). Danach bekommst du eine Rechnung von Google ohne Umsatzsteuer mit dem Vermerk, dass das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt. Damit meint der Lieferant, dass du das anwenden musst!

Das reverse charge Verfahren muss also hier von dir durchgeführt werden. Wenn du Leistungen an einen ausländischen Streamingdienst erbringst, kümmert er sich ja um die Umsatzsteuer. Das ist beim Einkauf von Leistungen nicht so. Du musst handeln!

Wie?

In der Umsatzsteuervoranmeldung oder spätestens der Umsatzsteuerjahresmeldung. Hier verweise ich auf die Regelungen zur Umsatzsteuer. Voranmeldungen müssen unter den allgemein gültigen Regelungen abgegeben werden, wenn die Umsatzsteuerschuld eine bestimmte Höhe erreicht. Wenn deine Umsatzsteuerzahllast aus dem reverse charge Verfahren diese Grenze überschreitet, musst du Voranmeldungen abgeben. Ansonsten kannst du dich auf die Jahreserklärung beschränken.

So!

Dieser Artikel ist etwas länger geworden und nicht ganz einfach. Entschuldigt bitte. Aber ich wollte alle Belange zu diesem Thema in einem Artikel zusammenfassen.