Steuererklaerung_ausgaben_instrumente

Musikinstrumente und das Thema des Anlagevermögens

Alle Musiker besitzen ein oder mehrere Musikinstrumente. Dies gilt häufig selbst für Gesangssolisten, die zum Üben beispielsweise ein Klavier benötigen. Entsprechend können die Kosten für ein Instrument auch im Rahmen der Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Da ein Instrument in der Regel über mehrere Jahre genutzt werden kann, sind die Kosten der Anschaffung des Instrumentes über diese Jahre der Nutzung zu verteilen: Sie werden abgeschrieben.

Die Anschaffungskosten eines Instruments umfassen alles, was du aufwendest, um das Instrument zu erwerben und in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Dies sind insbesondere die Kosten für den Erwerb des Instruments, aber zum Beispiel auch die Transportkosten eines Flügels oder Schlagzeugs im Zusammenhang mit der Anschaffung.

Methoden der Abschreibung von Musikinstrumenten

Die Anschaffungskosten für Musikinstrumente kannst du dann sofort als Betriebsausgabe geltend machen, wenn die Anschaffungskosten unter 250 € (netto) pro selbständig nutzungsfähigem Musikinstrument betragen.

Sofern die Anschaffungskosten zwischen 250 € (netto) und 800 € (netto) betragen, musst du die Musikinstrumente zwar als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) in einem Anlageverzeichnis erfassen, sie können aber sofort vollständig abgeschrieben werden. Das heißt, die gesamten Anschaffungskosten werden direkt als Betriebsausgaben erfasst. Diese Wertgrenzen verstehen sich grundsätzlich netto, das heißt ohne Umsatzsteuer. Wenn die Gitarre also netto unter 800 € und brutto unter 952 € kostet, muss sie in einem Anlageverzeichnis nachgewiesen werden. Die Kosten können aber gleich voll die steuerliche Bemessungsgrundlage mindern. Sofern du nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt bist, setzt du die Bruttokosten als Betriebsausgabe ab, also die 952 €.

Alternativ zur oben beschriebenen sogenannten Sofortabschreibung von GWG kannst du selbständig nutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens jährlich zu einem Sammelposten (Pool) zusammenfassen, wenn ihre Anschaffungskosten 250 € (netto), nicht aber 1.000 € (netto) übersteigen. Dieser Sammelposten wird jährlich mit 20 % abgeschrieben, unabhängig davon, wann im Wirtschaftsjahr die Wirtschaftsgüter angeschafft wurden. Der Sammelposten ist jedoch für alle Wirtschaftsgüter eines Jahres zu bilden, welche die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Ein Nebeneinander der Abschreibung von GWG und Sammelposten kann es für die angeschafften Wirtschaftsgüter eines Jahres nicht geben. Das Wahlrecht zur Bildung eines Sammelpostens kann jedes Jahr neu ausgeübt werden.

Die Bildung eines Sammelpostens ist dann steuerlich günstig, wenn du in einem Jahr verschiedene Wirtschaftsgüter angeschafft hast, deren Anschaffungskosten über 800 € (netto) lagen, aber unter 1.000 € (netto), und wenn deren Nutzungsdauer normalerweise mehr als fünf Jahre beträgt. Für einen Laptop lohnt sich die Bildung eines Sammelpostens also nicht, da dieser normalerweise über drei Jahre abgeschrieben wird. Auch solltest du keinen Sammelposten bilden, wenn du viele Wirtschaftsgüter gekauft hast, die weniger als 800 € (netto) gekostet haben und nur ein Wirtschaftsgut, das etwas über diesem Preis lag. Die Entscheidung, welche Vorgehensweise am günstigsten ist, muss immer unter Berücksichtigung der Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls getroffen werden.

Betragen die Anschaffungskosten über 800 € (netto) beziehungsweise über 1.000 € (sofern du das Wahlrecht, einen Sammelposten zu bilden, wahrnimmst), musst du die Anschaffungskosten über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilen.

Über welchen Zeitraum musst du die Kosten verteilen?

Da grundsätzlich nie im Vorhinein gesagt werden kann, wie lange ein Musikinstrument tatsächlich genutzt wird, sind die Kosten der Anschaffung über die sogenannte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zu verteilen. Diese wird im Wesentlichen in amtlichen Tabellen festgelegt. Aber auch der Bundesfinanzhof (BFH) hat in verschiedenen Urteilen Nutzungsdauern vorgegeben. Daraus ergeben sich beispielsweise folgende Abschreibungsdauern:

Flügel (hochwertig): 30 Jahre
Flügel (Standard):   15 Jahre
Klavier (Standard): 10 Jahre
Elektroorgel:   10 Jahre
Schlaginstrumente:  10 Jahre
Streichinstrumente: 10 Jahre
Gitarre:  10 Jahre
Blasinstrumente:   8 Jahre

Besondere Umstände des Einzelfalls können dazu berechtigen, die Abschreibungsdauern zu verkürzen. Diese besonderen Umstände können verschiedener Natur sein. Zum einen kann das Instrument gebraucht erworben worden sein oder es ist besonders hochwertig. Es kann sein, dass es im allgemeinen Spielbetrieb, zum Beispiel bei Neuer Musik/Rock oder Jazz, besonders beansprucht wird. Diese besonderen Umstände rechtfertigen ein Abweichen von den amtlichen Abschreibungssätzen. Es empfiehlt sich jedoch, dass du die Gründe für die verkürzte Abschreibungsdauer dem Finanzamt gegenüber erläuterst, um so die erhöhten Betriebsausgaben durchzusetzen. Verkürzte Abschreibungsdauern führen zu höheren Betriebsausgaben im jeweiligen Jahr.

Erstaunlicherweise können auch sogenannte Meistergeigen oder Musikinstrumente, die aufgrund ihres Alters und ihrer Qualität eher im Wert steigen, für steuerliche Zwecke abgeschrieben werden. In einem Urteil hat der BFH diese Frage für eine 300 Jahre alte Meistergeige entschieden. Sofern diese Geige im Konzertalltag regelmäßig bespielt wird, unterliegt sie einem technischen Verschleiß, der eine Abschreibung der Anschaffungskosten auch dann rechtfertigt, wenn es wirtschaftlich zu einem Wertzuwachs kommt. Als Abschreibungsdauer hat hier der BFH jedoch einen Zeitraum von 100 Jahren zugrunde gelegt. Das heißt, in jedem Jahr kann der 100. Teil der Anschaffungskosten als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Dies ist unter Umständen auch bei einer Meistergeige nicht allzu viel. Das Gericht hat in dem maßgeblichen Urteil jedoch auch die Möglichkeit eröffnet, eine kürzere Nutzungsdauer nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.

Wenn du ein Instrument während des Jahres anschaffst und du die Anschaffungskosten über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilen musst, dann ist für das Jahr der Anschaffung noch zu beachten, dass du nur für die Monate eine Abschreibung vornehmen darfst, in denen du das Wirtschaftsgut schon angeschafft hattest. Schaffst du das Instrument also im April an, so darfst du die Jahresabschreibung im ersten Jahr nur für neun Monate vornehmen.

Sofern du umsatzsteuerbefreit oder nicht umsatzsteuerpflichtig bist, verteilst du die Bruttoanschaffungskosten eines Instrumentes. Wenn du umsatzsteuerpflichtige Umsätze tätigst, kannst du die gezahlte Umsatzsteuer erstattet erhalten. Dann verteilst du nur die Nettokosten auf die Jahre der Nutzung.

Ein Beispiel: Herr Meistermusiker kauft am 5. September 2021 einen Flügel (Standard) für 18.000 € und lässt diesen durch einen Spediteur in sein Atelier transportieren. Die Transportkosten betragen 850 €. Wie hoch ist der Abschreibungsbetrag im Jahre 2021?

Eigentliche Anschaffungskosten 18.000 €
Kosten des Transportes: 850 €
Steuerliche Anschaffungskosten:    18.850 €
Nutzungsdauer 15 Jahre, jährliche Abschreibung (gerundet):    1.257 €
Für das Jahr 2021 4 Monate:   419 €

Sind Instrumente, die schon vor Beginn der Einkünfteerzielung im Besitz des Musikers waren, steuerlich nutzbar?

Häufig werden Musikinstrumente erworben, bevor mit diesen tatsächlich Einnahmen erzielt werden, zum Beispiel während des Studiums. Dann ist für viele Steuerpflichtige unklar, wie mit diesen Instrumenten zu verfahren ist.

Musikinstrumente, die vor Beginn der tatsächlichen Einkünfteerzielung schon in deinem Besitz waren, kannst du im Zeitpunkt der erstmaligen beruflichen Nutzung in das Betriebsvermögen einlegen. Die Bewertung des Wirtschaftsguts hat dann mit dem Teilwert zu erfolgen. Dieser ist nach oben durch die ursprünglichen Anschaffungskosten begrenzt, wenn die Instrumente innerhalb der letzten drei Jahre vor der erstmaligen Nutzung zu beruflichen Zwecken angeschafft worden sind. Im Übrigen spiegelt der Teilwert – vereinfacht gesagt – den momentanen Marktwert wider. Die Abschreibung ist dann von diesem ermittelten Wert vorzunehmen.

Lass dir hier am besten eine Bewertung von einer Instrumentenversicherung geben oder greife auf eine Bewertung durch einen Instrumentenbauer zurück, um den Teilwert zu dokumentieren. Diesen geschätzten Einlagewert kannst du dann, wie oben dargelegt, nach den Grundsätzen über das Anlagevermögen abschreiben.

Kosten der Generalsanierung eines Instruments

Reparatur- und Wartungskosten für ein Instrument sind grundsätzlich zum Zeitpunkt ihrer Bezahlung als Betriebsausgaben abzusetzen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn du eine grundlegende Instandsetzung oder Überholung zum Zeitpunkt der Anschaffung des Instruments vornehmen lässt. Dann handelt es sich bei den Kosten der Generalsanierung um Teile der Anschaffungskosten, die abgeschrieben werden müssen. Sofern du umsatzsteuerpflichtig bist, setzt du die Nettokosten an, andernfalls die Bruttokosten inklusive Umsatzsteuer. Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:

Eigentliche Anschaffungskosten: 10.000,00 €
Kosten der Generalsanierung: 3.000,00 €
Steuerliche Anschaffungskosten:         13.000,00 €

Diese steuerlichen Anschaffungskosten musst du dann über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilen (siehe Beispiel oben).

Ist es immer sinnvoll, ein Instrument in das Betriebsvermögen aufzunehmen?

Wenn du ein Musikinstrument betrieblich nutzt und in deiner Steuererklärung die Abschreibung eines Musikinstruments geltend machst, dann ist ein Veräußerungsgewinn, der eventuell bei einem späteren Verkauf entsteht, steuerpflichtig. Ein Veräußerungsgewinn ergibt sich aus dem Veräußerungspreis unter Abzug des aus dem Anlageverzeichnis zu entnehmenden Restbuchwerts des Instruments. Also insbesondere bei Instrumenten, die du günstig gekauft hast und nicht sehr häufig betrieblich nutzt, solltest du überlegen, ob du sie wirklich in der Steuererklärung angeben willst (sprich, in das Betriebsvermögen der freiberuflichen Tätigkeit aufnehmen willst) oder ob du sie im Privatvermögen belässt. Bleibt das Instrument Privatvermögen, wird ein später entstehender Veräußerungsgewinn nicht steuerpflichtig, sofern der Verkauf außerhalb der Spekulationsfrist von zwölf Monaten (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 Einkommensteuergesetz (EStG)) erfolgt. Ein Verlust aus dem Verkauf wirkt sich dann steuerlich allerdings auch nicht aus.

Die Entscheidung, ein teilweise betrieblich genutztes Instrument nicht dem Betriebsvermögen zuzuordnen, besteht nur dann, wenn du das Instrument zu weniger als 50 % betrieblich nutzt. Bei einer 10%igen bis 50%igen betrieblichen Nutzung kann ein Anlagegut ein sogenanntes gewillkürtes Betriebsvermögen sein. Es wird dann zu Betriebsvermögen, wenn du eine Einlagehandlung vornimmst. Dies kann zum Beispiel die Aufnahme des Instruments in die Anlagenkartei sein.

Bei einer über 50%igen betrieblichen Nutzung ist das Instrument zwangsläufig Betriebsvermögen (notwendiges Betriebsvermögen). Hier muss auch besonders darauf hingewiesen werden, dass es durch eine Nutzungsänderung zu einer Zwangseinlage kommen kann. Wird eine wertvolle Geige beispielsweise auf einmal überwiegend im Konzertbetrieb gespielt, dann liegt die betriebliche Nutzung wahrscheinlich über 50 %. Dann ist diese Geige auf jeden Fall mit dem Teilwert im Zeitpunkt der Nutzungsänderung im Betriebsvermögen zu erfassen.

Entnahmen aus dem Betriebsvermögen erfolgen ebenfalls mit dem Teilwert. Wird also eine wertvolle Geige bewusst aus dem Betriebsvermögen entnommen (zum Beispiel durch Löschung aus der Anlagenkartei), dann entsteht in Höhe der Differenz zwischen dem Teilwert (vereinfacht: dem Marktwert) und dem Buchwert ein Gewinn (oder Verlust), der die steuerliche Bemessungsgrundlage erhöht oder vermindert. Entsteht im Wege einer Entnahme ein Gewinn, dann kann das besonders problematisch sein, weil eine Steuerbelastung ausgelöst wird, der gar keine liquiditätsmäßige Einnahme gegenübersteht. Hier also bitte immer aufpassen und gegebenenfalls einen Steuerberater fragen. Auf der anderen Seite kannst du natürlich in diesem Wege über den gegebenenfalls eintretenden Verlust Steuern sparen.

Noch ein Wort zum Anlageverzeichnis

Wirtschaftsgüter, die über 250 € (netto) kosten und mehrere Jahre genutzt werden, müssen in einem Anlageverzeichnis erfasst werden. Es gibt keine allgemeinverbindliche Form eines solchen Verzeichnisses. Die Finanzverwaltung stellt aber im Formularmanagementcenter ein Musterbeispiel bereit. Dieses erscheint mir für Laien ehrlich gesagt etwas schwer verständlich. Einfacher erscheint mir eine Exceltabelle, in der du die folgenden Daten festhalten musst:

  • ursprüngliche Anschaffungskosten (in der Steuersprache: historische Anschaffungskosten),
  • Anschaffungstag,
  • Nutzungsdauer,
  • Abschreibung des Geschäftsjahres,
  • Restbuchwert zum 31. Dezember des Jahres (im Folgejahr fährst du dann mit dem Restbuchwert zum 31. Dezember des Vorjahres als Buchwert zu Beginn des Wirtschaftsjahres fort und ziehst die Abschreibung wieder ab),
  • Vermerk über sogenannte 7g-EStG-Abschreibungen,
  • Vermerk über den Abgang.

Wo eintragen in der Anlage EÜR?

Die Abschreibungen oder – wie sie auch heißen – Absetzungen für Abnutzung werden in den Zeilen 29 bis 45 der Anlage EÜR eingetragen. Versuch da möglichst die richtige Zeile zu erwischen. Geringwertige Wirtschaftsgüter werden beispielsweise in der Zeile 43 erfasst.

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