Können Honorare begleitender Künstler als Betriebsausgaben abgezogen werden?

Honorare, die du an begleitende Künstler bezahlst, stellen zum Teil eine ganz beträchtliche Ausgabe dar. Wenn du persönlich zum Beispiel beauftragt wirst, einen Liederabend in Begleitung eines Pianisten durchzuführen, dann erhältst du vom Veranstalter ein Gesamthonorar, das du als Einnahme erfassen musst. Im Gegenzug zahlst du ein Honorar an den Pianisten. Dieses Honorar kannst du als Betriebsausgabe von deiner steuerlichen Bemessungsgrundlage abziehen. Diese steuerliche Handhabung ergibt sich dann, wenn du mit diesem Pianisten nur gelegentlich spielst, hin und wieder aber auch mit einem anderen Pianisten. Sofern du aber dauerhaft mit einem Pianisten als Duo auftrittst, bildest du mit diesem Pianisten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und in diesem Fall ergeben sich ganz andere steuerliche Folgen. Diese kannst du im Blogbeitrag „Musikgruppen und Co.“ nachlesen.

Die grundsätzliche Abzugsfähigkeit dieser Honorarzahlungen steht außer Frage. Problematisch ist hier vor allem die konkrete wirtschaftliche/ finanzielle Abwicklung. Die Gestaltung dieser Abwicklung kann zur Versagung des Betriebsausgabenabzugs führen.

Was wird häufig falsch gemacht?

Sehr oft wird der Honorarbetrag einfach bar über den Tisch geschoben, ohne über einen Nachweis der Bezahlung nachzudenken. Für die steuerliche Abzugsfähigkeit ist es jedoch entscheidend, dass du eine Rechnung oder Quittung bekommst. Rechnungen müssen bestimmte Inhalte haben. Bitte lies dazu im Blogbeitrag „Rechnungsinhalte“ nach. Sofern der Honorarbetrag unter 250 € liegt, reicht eine Quittung. Diese muss weniger Inhaltsangaben aufweisen als eine Rechnung. Es muss nur

  • der Leistende mit Namen und Anschrift erkennbar sein, nicht jedoch der Leistungsempfänger,
  • das Ausstellungsdatum enthalten sein,
  • die Art und Menge der gelieferten Produkte und Dienstleistungen erkennbar sein und
  • der Bruttopreis sowie der Steuersatz angegeben sein. Ein getrennter Ausweis der Umsatzsteuer ist nicht notwendig.

Sehr hilfreich ist es auch, wenn du Honorare nicht bar bezahlst, sondern über dein Bankkonto. Da ein Vorsteuerabzug für dich als Künstler i.d.R. nicht von entscheidender Bedeutung ist (vergleiche dazu den Blogbeitrag „Umsatzsteuerfreiheit für Musiker“), kann ein Nachweis der Honorarzahlung über das Bankkonto häufig den Abzug noch retten, wenn keine Quittung vorliegt.

Honorare begleitender Künstler trägst du in Zeile 27 der Anlage EÜR als Fremdleistungen ein.

Fragen zur Künstlersozialabgabe auf die Honorare begleitender Künstler

Ein sehr wichtiger Punkt, der sehr häufig übersehen (oder ignoriert) wird, ist die Künstlersozialabgabe, die auf Honorarzahlungen an selbstständige Künstler fällig wird. Es gibt drei Gründe dafür, wann du die Künstlersozialabgabe auf die Honorare abführen musst:

  1. Du bist ein sogenannter typischer Verwerter. Das sind Theater, Orchester, Verlage, etc., also Auftraggeber, die regelmäßig selbstständige Künstler beauftragen. Diese müssen von Anfang an auf alle Honorare die Künstlersozialabgabe bezahlen.
  2. Dann gibt es die sogenannten Eigenwerber. Wenn du für dich selbst Werbung machst und dafür Künstler beauftragst (zum Beispiel Grafikdesigner), dann wird schon ab einem Honorar an einen Künstler, die Künstlersozialabgabe fällig, wenn dieses Honorar 450 € übersteigt.
  3. In allen anderen Fällen gelegentlicher Auftragserteilung greift die sogenannte Generalklausel. Diese Auftraggeber müssen die Künstlersozialabgabe abführen, wenn sie mehr als drei Aufträge vergeben haben und das Gesamtvolumen der Aufträge 450 € übersteigt.

Wenn du also aus der Künstlersozialabgabe rauskommen willst, weil du nur sehr selten Aufträge an begleitende Künstler bezahlst, dann kommt nur Fall drei in Betracht. In allen anderen Fällen musst du die Künstlersozialabgabe abführen. Die Künstlersozialabgabe beträgt seit 2018 4,2 % auf die bezahlten Honorare (auch in 2022 weiterhin). Die Abgabe muss spätestens am 31.3. des Folgejahres an die Künstlersozialkasse gemeldet werden. Alle nötigen Informationen dazu findest du auf der Homepage der Künstlersozialkasse, auch das Meldeformular  (https://www.kuenstlersozialkasse.de/fileadmin/Dokumente/Mediencenter_Unternehmer_Verwerter/Anmeldeunterlagen_und_Meldebogen/Meldebogen_zur_Angabe_abgabepfl._Entgelte_2019.pdf).

An mich wird häufig die Frage herangetragen: Muss ich denn Künstlersozialabgabe für Honorare an Künstler bezahlen, die mich begleiten?

Mein Auftraggeber hat doch diese Abgabe schon auf mein Honorar bezahlt! Das ist leider der Fall und ist bei der Künstlersozialabgabe als Kaskadeneffekt bekannt. Wenn ein Auftraggeber an dich als freischaffenden Künstler einen Auftrag erteilt, muss er 4,2 % Künstlersozialabgabe bezahlen. Wenn du für die Erbringung dieses Auftrags wiederum Künstler beauftragst, dann musst auch du auf die Honorare an diese Künstler Künstlersozialabgabe bezahlen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die künstlerische Leistung nicht transformiert wird – wenn du also die Leistung deines Unterauftraggebers nicht umwandelst. In der Regel wird es allerdings so sein, dass der dich begleitende Künstler Klavier spielt und dich begleitet. Du erbringst aber eine Leistung als Duo. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Leistungen, für die zweimal Künstlersozialabgabe anfällt. Das ist sehr ärgerlich. Sie lässt sich durch die Ausgestaltung einer GbR vermeiden. Bitte lies dazu den Blogbeitrag „Musikgruppen und Co.“.

Eine Befreiung wie bei hintereinandergeschalteten Auftraggebern beim Steuerabzug gemäß § 50a Einkommensteuergesetz (EStG) gibt es nicht.

Auch die Abzugsteuer für ausländische Künstler darfst du nicht vergessen!

Zusätzlich zur Künstlersozialabgabe kommt für die Honorarzahlungen an ausländische Künstler noch der Einbehalt und die Abführung der sogenannten Abzugsteuer gemäß § 50a EStG zur Anwendung. Du bist verpflichtet, auf Vergütungen, die im Ausland wohnhafte Künstler für im Inland ausgeübte künstlerische, artistische, unterhaltende und ähnliche Darbietungen erhalten, die Abzugsteuer in Höhe von 15% zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag einzubehalten und an das Bundeszentralamt für Steuern abzuführen. Nach derzeitigem Stand ist auch ab 2021 der Solidaritätszuschlag auf die Abzugsteuer weiter zu erheben. Ersetzte oder übernommene Reisekosten gehören dann nicht zu den Vergütungen, wenn es sich um

  • Fahrt- und Übernachtungskosten handelt und nur die tatsächlich angefallenen Kosten bezahlt werden, oder
  • wenn es sich um Verpflegungspauschalen handelt und die gesetzlichen Pauschbeträge nicht überschritten werden.

Von der Verpflichtung zur Einbehaltung der Abzugsteuern gibt es vier Ausnahmen:

  1. Es handelt sich um Bagatellfälle, bei denen ein Honorar in Höhe von 250 € je Darbietung nicht überschritten wurde.
  2. Es handelt sich um eine Vergütung auf der zweiten Stufe, das heißt, der Gläubiger der Vergütung hat seinerseits Steuern für Rechnung eines anderen beschränkt steuerpflichtigen Gläubigers einzubehalten. Dann kann er vom Steuerabzug absehen, wenn seine Einnahmen bereits dem Steuerabzug unterlegen haben. Das bedeutet, dass ein Kaskadeneffekt wie bei der Künstlersozialabgabe nicht eintreten kann.
  3. Die Einnahmen sind gemäß Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) von der Abzugsteuer befreit. Allerdings sehen praktisch alle deutschen DBA in der Regel in Art. 17 vor, dass der Staat, in dem die Darbietung stattfindet, die Quellensteuer einbehalten darf. Das DBA sieht also eben keine Befreiung vor.
  4. Es greift die Befreiung nach dem Kulturorchestererlass. Danach werden ausländische Kultureinrichtungen dann vom Steuerabzug freigestellt, wenn ihr Auftritt im Inland im Wesentlichen aus inländischen oder ausländischen öffentlichen Mitteln gefördert wird.
    1. Kulturvereinigungen sind alle Gruppen, die eine künstlerische Gemeinschaftsleitung darbieten und keine Solisten oder solistisch besetzten Ensembles (Duo, Trio, Quartett) darstellen.
    2. Eine wesentliche Förderung aus öffentlichen Mitteln, in- oder ausländisch, liegt dann vor, wenn diese Förderung ein Drittel der Kosten des Auftritts im Inland deckt.

      Angestellte Mitglieder von Kulturorchestern sind grundsätzlich vom Steuerabzug befreit.

Zuständig für diese Freistellung ist das Finanzamt des Bezirks, in dem die Kulturvereinigung zu Beginn der Gastspielreise zuerst auftritt.

Sofern der Schuldner der Vergütungen Aufwendungen abziehen möchte, die in unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang mit den Einnahmen stehen, kommt auf den Nettobetrag für natürliche Personen ein Einkommensteuersatz von 30 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag zur Anwendung. Für Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen verbleibt es bei den 15 % Einkommensteuer zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag. Dies kann häufig eine hilfreiche Methode zur Vermeidung der Abzugsteuer sein, wenn die Honorarzahlung insbesondere in einer Aufwandsentschädigung für die Veranstaltungskosten besteht.

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