Ust 2 | Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG)

Was versteht man unter der Kleinunternehmerregelung?

Sofern deine Umsatzerlöse einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer im Kalenderjahr 22.000 € und im Folgejahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen, musst du dir um die Umsatzsteuer keine Gedanken machen. Du weist in deinen Rechnungen oder deinen Verträgen lediglich das Honorar ohne Umsatzsteuer aus.

Wichtiger Hinweis! Auf der Rechnung muss immer ein Hinweis zur Umsatzsteuer stehen. Deshalb musst du auf der Rechnung den Vermerk platzieren: Ich bin Kleinunternehmer gem. § 19 UStG ist.

Wichtig: den Umsatz des Vorjahres immer gleich im Januar berechnen, vor der ersten Rechnungsstellung!

Sofern dein Umsatz in einem Jahr 22.000 € übersteigt, kommt die Kleinunternehmerregelung für das Folgejahr nicht mehr zur Anwendung. Aus diesem Grunde rate ich Dir,  zu Anfang eines Jahres immer zu prüfen, ob im Vorjahr die Umsatzgrenze von 22.000 € überschritten war. Ist dies der Fall, wenn auch nur in ganz geringem Umfang, bist du verpflichtet, im laufenden Jahr mit Umsatzsteuer zu fakturieren. Also berechne deinen Vorjahresumsatz immer bevor du die erste Rechnung im neuen Jahr schreibst.

Aber Achtung: Umsätze, die gem. § 4 Nr. 20 oder § 4 Nr. 21 UStG steuerfrei sind, werden für die Berechnung der Kleinunternehmerregelung nicht in den Gesamtumsatz einbezogen. Das bedeutet, du kannst beispielsweise 20.000 € an Umsätzen vereinnahmen, die gem. § 4 Nr. 20 UStG steuerfrei sind und daneben noch Einnahmen in Höhe von 22.000 € erzielen, auf die du die Kleinunternehmerregelung anwenden kannst. Das ist ein echter Steuervorteil, den du bei deiner Gesamtsteuergestaltung im Auge behalten solltest.

Achtung Fallstrick: Was ist bei unterjähriger Aufnahme deiner Tätigkeit?

Hast du deine berufliche Tätigkeit nur während eines Teils des Kalenderjahres ausgeübt, weil du deine berufliche Tätigkeit erst begonnen hast, so ist die Kleinunternehmergrenze für dieses Jahr monatsweise auf Basis des diesjährigen Umsatzes zu ermitteln. Hast du deine Tätigkeit am 1. Juli begonnen, dann darfst du in diesem „Anfangsjahr“ nur 11.000 € einnehmen, damit du im Folgejahr noch immer Kleinunternehmer bleibst. Überschreitest du diese Grenze, so bist du im Folgejahr umsatzsteuerpflichtig.

Einzelheiten beim Wechsel von der Kleinunternehmerregelung zur Steuerpflicht

Im Umbruchjahr zwischen Anwendung der Kleinunternehmerregelung und der Umsatzsteuerpflicht kann der Fall eintreten, dass du unter Anwendung der Kleinunternehmerregelung noch eine Rechnung ohne Umsatzsteuer gestellt hast, die aber erst im Folgejahr bezahlt wird, in dem du schon umsatzsteuerpflichtig bist. Gem. Verwaltungsansicht unterliegen solche Umsätze, die vor Eintritt der Steuerpflicht ausgeführt wurden, noch der Kleinunternehmerregelung. Sollte das Finanzamt anderer Ansicht sein, so kannst du auf Abschn. 19.5. Abs. 1 UStAE verweisen.

Folgen der Anwendung der Kleinunternehmerregelung auf den Vorsteuerabzug

Die Anwendung der Kleinunternehmerregelung hat zur Folge, dass du zum einen zwar keine Umsatzsteuer auf deine Honorare erheben musst. Andererseits bist du aber auch nicht berechtigt, die Umsatzsteuer, die dir in Rechnung gestellt wurde (sog. Vorsteuer) vom Finanzamt zurückzufordern. Dies kann insbesondere in der Gründungsphase nachteilig sein. Häufig wird in dieser Zeit viel Material eingekauft, z.B. ein neues Instrument, Einrichtungsgegenstände bei Gründung einer Musikschule oder eines Tonstudios, etc.  Die auf diesen Materialrechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer (Vorsteuer) kannst du als Kleinunternehmer nicht vom Finanzamt zurückfordern. Sie wird für dich zum Aufwand.

Steuergestaltung: Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

Aus diesem Grunde kann es gerade in der Gründungsphase interessant sein, auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung zu verzichten. Dies ist vom Gesetz her möglich. Bei einem Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung musst du in den Rechnungen sofort die gesetzliche Umsatzsteuer ausweisen. Im Gegenzug kannst du die Umsatzsteuer, die dir von Lieferanten in Rechnung gestellt wurde, vom Finanzamt im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung oder Umsatzsteuerjahreserklärung zurückfordern.

Erklärst du den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung gegenüber dem Finanzamt, so bist du für mindestens 5 Jahre an diesen Verzicht gebunden. Dies bedeutet, auch wenn in den Folgejahren keine großen Vorsteuerbeträge vom Finanzamt zurückgefordert werden können, musst du auf deine Honorare die gesetzliche Umsatzsteuer erheben. Das kann insgesamt sehr nachteilig sein. Wenn du einen Verzicht ins Auge fasst, solltest du deshalb immer sehr weitreichend planen. Du kannst den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung auch noch in der Umsatzsteuerjahreserklärung aussprechen. Das würde ich dir empfehlen, denn dann kannst du dir das ganze Jahr noch überlegen, ob ein Verzicht auf diese Steuerbefreiung sinnvoll ist oder nicht.

Der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung stellt eine steuerliche Gestaltungsmöglichkeit dar, die genau durchkalkuliert werden muss, um wirklich zu einer Steuerersparnis über den Gesamtzeitraum zu gelangen.

Wie zeige ich den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung dem Finanzamt an?

Der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung kann dem Finanzamt formlos durch einen Brief mitgeteilt werden. Aber auch die Erklärung der Umsätze als steuerpflichtige Umsätze im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung oder der Umsatzsteuerjahreserklärung wird als entsprechende Verzichtserklärung gewertet.