Gemischt veranlasste Reisen – 50 % gehen immer? Leider nein, aber ein bisschen was geht schon!

Gemischt veranlasste Reisen liegen vor, wenn die Reise sowohl betrieblich als auch privat veranlasst ist. Sofern du beispielsweise für eine fünftägige Konzertreise (oder zu einem Seminar) in die USA (Los Angeles) fliegst und anschließend noch vier Tage am Pazifik Urlaub machst, stellt sich die Frage: Kannst du die Reisekosten in deiner Steuererklärung geltend machen und wenn ja, in welchem Maße?

Die direkten Kosten des betrieblichen Reiseanteils kannst du voll als Betriebsausgabe abziehen. Dazu zählen vor allem die Übernachtungskosten am Konzertort oder am Seminarort, Verpflegungsmehraufwendungen für die Zeit der Konzertreise und die Kosten der direkten Reisen zwischen den Veranstaltungsorten.

Die Flugkosten müssen aufgeteilt werden. Im oben genannten Beispiel könntest du beispielsweise 5/9 der Flugkosten nach Los Angeles und zurück nach Deutschland abziehen. 4/9 der Kosten sind privat veranlasst und dürfen nicht als Betriebsausgabe berücksichtigt werden. Manchmal kann die eindeutige Aufteilung der Anteile in privat und betriebliche nicht möglich sein. Dann kannst du die Aufteilung nach dem Maßstab 50:50 schätzen.

Eine Aufteilung der Anreise- und Abreisekosten bei gemischt veranlassten Reisen kommt nur in Betracht, wenn die betrieblich veranlassten Anteile grundsätzlich feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind. Von einer untergeordneten Bedeutung wird ausgegangen, wenn sie weniger als 10 % der gesamten Zeitanteile ausmachen (Großer Senat des BFH vom 21.9.09, GrS 1/06, BStBl II 10 S. 672, BMF vom 6.7.10, IV C 3 -S 2227/07/10003, BStBl I 10 S. 614). Um diese nachzuweisen, solltest du, die berufliche Veranlassung möglichst genau dokumentieren. Nimm Vertragsunterlagen, E-Mail-Verkehr, Pressemitteilungen, Eintrittskarten für dein Konzert, Plakate, Werbemittel für deine Veranstaltung, Seminaranmeldungen etc. zu deinen Steuerunterlagen. Dann dürfte es in der Regel leicht sein, die betriebliche Veranlassung nachzuweisen.

Manchmal wird in der Literatur die Auffassung vertreten, dass du die Flugkosten bei einer anteiligen betrieblichen Veranlassung zu 100% als Betriebsausgabe abziehen kannst. Begründet wird das mit dem „eh-da“ Grundsatz. Die Flugkosten fallen eh an, weil du für das Konzert sowieso an den Konzertort fliegen musst. Das kannst du versuchen und schriftlich dem Finanzamt gegenüber begründen. Ob der volle Abzug der Flugkosten letztlich gelingt, hängt aber in beträchtlichem Maße vom jeweiligen Einzelfall ab.

Steuertipp: gemischte Reisen

Gemischte Reisen sind Steuergestaltung, keine Steuerhinterziehung. Es steht dir also frei, ein Auslandsengagement dort zu suchen, wo du schon immer mal hinreisen wolltest, und so zumindest einen Teil der Reisekosten in dein Traumland steuerlich berücksichtigen zu können.

Wenn du schon immer mal nach Japan reisen wolltest und dort auch noch eine ganz tolle Fortbildungsveranstaltung oder einen Meisterkurs findest oder wenn dir ein Konzert beziehungsweise eine Konzertreise angeboten wird, dann kann dir niemand verwehren, dorthin zu gehen und noch ein paar Tage Urlaub zu machen. Die Kosten sind dann nach den vorstehenden Grundsätzen zu behandeln. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Japan sieht die Anrechnungsmethode zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung vor, deshalb würden sich diese Aufwendungen auswirken (vergleiche dazu den Blogartikel: Ausländische Einkünfte).

Eine Steuerhinterziehung liegt dann vor, wenn du vortäuschst, du hättest im Ausland ein Seminar besucht – in Wahrheit warst du aber nur privat auf Reisen. Wenn dein Vergehen auffliegt, wirst du von den Finanzbehörden mit hohen Geldstrafen, bis hin zu Haftstrafen, bestraft.

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