Fortbildungskosten oder Ausbildungskosten?

Fortbildungskosten liegen dann vor, wenn sich ein Steuerpflichtiger im Rahmen seines ausgeübten Berufs zusätzliche Kenntnisse aneignet oder mindestens anzueignen versucht. Ein Geiger zum Beispiel, der sich im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit zu einem Meisterkurs oder einer fachdidaktischen Fortbildung anmeldet, kann diese Kosten steuermindernd geltend machen. Fortbildungskosten können unbestritten von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abgezogen werden, sofern der Musiker bereits eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, Einkünfte aus einem ausgeübten Beruf erzielt und versucht, sich durch die Fortbildungsmaßnahme höher zu qualifizieren.

Welche Kosten kannst du ansetzen?

Als anzusetzende Kosten kommen insbesondere die folgenden in Betracht:

  • Lehrgangs-, Schul- oder Studiengebühren,
  • Arbeitsmittel, Fachliteratur,
  • Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsort,
  • Mehraufwendungen für Verpflegung,
  • Mehraufwendungen für auswärtige Unterbringung,
  • Zinsen für Bildungsdarlehen wie BAföG oder KfW-Studienkredit (nicht jedoch die Tilgungsraten),
  • Hin- und Rückfahrten zu privaten Lerngemeinschaften,
  • Studienreisen,
  • Bewerbungskosten für Pflichtpraktika,
  • häusliche Arbeitszimmer und
  • eventuell ein Computer, sofern du diesen brauchst.

Eigentlich könnte es so schön einfach sein, wenn im Steuerrecht nicht immer alles so kompliziert gemacht würde. Na ja – das liegt eben daran, dass es immer um viel Geld geht. Sowohl für den Staat als auch für den Steuerpflichtigen.

Was ist kompliziert an den Fortbildungskosten? Die Abgrenzung zu den sogenannten Ausbildungskosten! Das beschäftigt die Rechtsprechung nun schon seit Jahrzehnten.

Wo liegen genau die Unterschiede?

Sie liegen nicht im Bereich der anzusetzenden Kosten, sondern in der Qualifizierung der Fortbildungskosten als Betriebsausgabe und der Ausbildungskosten als Sonderausgabe.

Sonderausgaben können nur im Jahr ihrer Bezahlung steuerlich geltend gemacht werden und auch nur bis zu einem Maximalbetrag in Höhe von 6.000 € pro Jahr. Sie wirken sich nur dann steuermindernd aus, wenn der Steuerpflichtige selbst ein zu versteuerndes Einkommen über dem gesetzlichen Grundfreibetrag erzielt. Dies ist gerade bei Personen, die sich in der Ausbildung befinden, sehr häufig nicht der Fall. Bei Sonderausgaben gibt es keinen Vortrag in spätere Jahre. Wirken sich die Ausgaben im Jahr der Bezahlung mangels Einkommen nicht aus, gehen sie insgesamt verloren.

Bei Betriebsausgaben ist dies anders. Sofern die Kosten als Fortbildungskosten für einen Beruf qualifiziert werden, können sie das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahrs mindern, sofern entsprechende Einnahmen vorliegen. Entsteht durch die Fortbildungskosten insgesamt ein negativer Gesamtbetrag der Einkünfte, kann dieser in das vorangegangene Jahr zurückgetragen oder mit dem Ergebnis der folgenden Jahre verrechnet werden und so die Steuer mindern. Dies ist gerade bei Aus- und Fortbildungskosten in den Anfangsjahren einer beruflichen Tätigkeit ein entscheidender Vorteil.

Das verlockt natürlich zu Gestaltungen. Viele Steuerpflichtige sind versucht, eine möglichst kurze erste Ausbildung zu absolvieren, bevor sie dann eine zweite Ausbildung beginnen, die sie steuerlich besser berücksichtigen können. Denke beispielsweise an einen Piloten: Die Ausbildung zum Piloten ist unglaublich teuer. Da macht es natürlich einen gewaltigen Unterschied, ob du diese Kosten in den Jahren nach der Ausbildung voll steuermindernd berücksichtigen kannst, wenn das Pilotengehalt fließt, oder ob diese Aufwendungen steuerlich mehr oder weniger ins Leere laufen.

Wann also liegen Ausbildungskosten vor und wann Fortbildungskosten?

Fortbildungskosten liegen immer dann vor, wenn du bereits eine Ausbildung (Lehre, Studium, Ausbildung) abgeschlossen hast. Hast du zum Beispiel schon eine Lehre als Geigenbauer absolviert und beginnst anschließend noch ein Geigenstudium an der Hochschule für Musik, dann ist die Lehre eine erste Ausbildung; beim Studium handelt es sich grundsätzlich um Fortbildungskosten. Ein Masterstudium nach einem abgeschlossenen Bachelor-Studiengang ist ebenfalls immer eine Fortbildungsmaßnahme.

Die Finanzverwaltung war in jüngster Zeit wieder einmal gehalten, Grenzen zu ziehen. Derzeit muss eine Erstausbildung mindestens zwölf Monate laufen und mit einem Abschluss enden. Des Weiteren muss die zweite Ausbildung mit Einkünften aus dem derzeitigen oder einem künftigen Beruf im Zusammenhang stehen. Wenn du mit der zweiten Ausbildung voraussichtlich weder heute noch in Zukunft deine Einkünfte steigern kannst, dann ist die Aus- beziehungsweise Fortbildung ein Privatvergnügen. Ein steuerlicher Abzug kommt dann nicht in Betracht.

Klarstellung durch das Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat am 19.11.2019 entschieden, dass die Regelungen zur steuerlichen Behandlung von Erstausbildungskosten als Sonderausgaben verfassungskonform ist. Insofern besteht hier also nun Rechtssicherheit. Die maßgeblichen Aktenzeichen dafür sind: 2 BvL 22/14, 2 BvL 27/14, 2 BvL 26/14, 2 BvL 25/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 23/14.

Nach diesen Entscheidungen des BVerfG musst du nun wie folgt vorgehen:

  • Sofern es sich nach deiner Auffassung um eine Erstausbildung handelt, setzt du die Ausgaben dafür als Sonderausgaben in deiner Steuererklärung an. Dies lohnt sich aber nur dann, wenn du in dem Jahr, in dem du die Kosten der Erstausbildung getragen hast auch Einkünfte über dem Grundfreibetrag (ab 2020: 9.408 €, ab 2021: 9.744 €) erzielt hast. Das kann beispielsweise im Jahr des Abschlusses deiner ersten Berufsausbildung sein, wenn du erstmals Geld verdienst.
  • Wenn du als Erstausbildung eine Lehre oder ein duales Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolvierst, sind deine Ausbildungskosten, die damit im Zusammenhang stehen Werbungskosten. Du setzt sie also in der Anlage N als Fortbildungskosten ab.
  • Sofern es nach deiner Auffassung Fortbildungskosten sind, da du schon eine Erstausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen hast, setzt du die Ausgaben als Betriebsausgaben im Rahmen deiner selbständigen Tätigkeit (Anlage S) oder als Werbungskosten bei nichtselbständiger Tätigkeit (Anlage N) ab. Folgt das Finanzamt dieser Auffassung nicht, so musst du im Wege eines Einspruchs gegen den Steuerbescheid durchsetzen, dass es sich tatsächlich um Fortbildungskosten handelt.

Feststellung des steuerlichen Verlustes für die Vergangenheit

Interessant ist auch, dass ein steuerlicher Verlust bis zu sieben Jahre in die Vergangenheit festgestellt werden kann, wenn im Jahr der Verlustentstehung keine Einkommensteuer festgesetzt wurde, das heißt, wenn im Jahr der Verlustentstehung kein Einkommensteuerbescheid ergangen ist (BFH AZ IX R 22/14). Wenn du also zum ersten Mal so richtig Geld verdienst und über die hohe zu erwartende Steuerzahlung erschreckst, dann kannst du dir immer noch überlegen, ob du nicht einen Verlust für Studienkosten aus der Vergangenheit feststellen lassen kannst. Sofern du ein Zweitstudium oder eine Zweitausbildung absolviert hast und keine Einnahmen hattest, entstanden unzweifelhaft Fortbildungskosten, das heißt Betriebsausgaben und damit ein entsprechender Verlust, der festgestellt werden kann. Diesen Verlust kannst du dann mit dem Einkünften des ersten Jahres verrechnen, in dem du ein positives Einkommen erzielst.

Wo eintragen in der Steuererklärung?

Fortbildungskosten werden in der Zeile 51 der Anlage EÜR eingetragen. Ausbildungskosten werden in den Zeilen 13 bis 14 der Anlage Sonderausgaben eingetragen.

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