3.3 | Der Einkommensteuerbescheid

Die Festsetzung der Steuer

Einige Zeit nach Einreichung der Einkommensteuererklärung ergeht ein Einkommensteuerbescheid. Die Bescheide sehen je nach Finanzamt etwas unterschiedlich aus. In der Regel findest du jedoch direkt vorne auf der ersten Seite die festgesetzte Steuer mit den Beträgen die du zu bezahlen hast oder die dir erstattet werden. Dort steht auch, bis wann du eine eventuelle Steuernachzahlung bezahlt haben musst.

Festgesetzte Vorauszahlungen

Im Anschluss daran findest du die festgesetzten Vorauszahlungen für nachfolgende Jahre. Hier musst du genau schauen, wie sich diese Zahlungen zusammensetzen, denn manchmal versteckt sich eine Zahl etwas in der Ecke, wo man sie gerne übersieht. Die Vorauszahlungsfristen für die Einkommensteuer findest du unter Fristen. Bitte beachte, dass in anderen Bescheiden festgesetzte Einkommensteuervorauszahlungen so lange gelten, bis sie in einem neuen Bescheid aufgehoben oder geändert werden.

Steuerberechnung

Diesen ganzen Steuerfestsetzungen folgt die Berechnung der Einkommensteuer. Es empfiehlt sich diese anzuschauen und mit deiner Steuererklärung abzustimmen, sofern die Steuerschuld nicht mit der von dir berechneten übereinstimmt. Falls es aber eine Abweichung in der Steuerschuld gibt, wird diese auch im Anschluss an die Steuerberechnung erläutert. Da steht dann beispielsweise: Die Handwerkerleistungen wurden auf die gesetzlich zulässige Höhe begrenzt. Das Arbeitszimmer wurde nicht anerkannt, weil keine Belege eingereicht wurden, und Ähnliches. Dann weist du schon mal, was nicht akzeptiert wurde. Es empfiehlt sich aber dennoch die Steuerberechnung anzuschauen, damit du alle Differenzen findest.

Berechnung der Steuervorauszahlungen

Ganz am Schluss des Bescheides werden die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer berechnet, sofern in dem Bescheid Vorauszahlungen festgesetzt werden. Das muss nicht immer sein. Wenn keine oder nur eine sehr geringfügige Steuerschuld entstand, werden keine Steuervorauszahlungen festgesetzt. Auch kann es sein, dass die Vorauszahlungen in einem gesonderten Bescheid bereits festgesetzt wurden.

Vorläufigkeitsvermerke

Auf der ersten Seite des Steuerbescheides wird unter dem Begriff Festsetzung die Art der Festsetzung angegeben. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, wird aber vom Steuerpflichtigen häufig übersehen. Die meisten Bescheide sind vorläufig im Hinblick auf bestimmte Sachverhalte, die beim Bundesverfassungsgericht auf die Verfassungsmäßigkeit überprüft werden, beispielsweise:

  • Der Höhe der kindbezogenen Freibeträge gem. § 32 Abs. 6 Satz 1 und 2 EStG
  • Des Abzugs einer zumutbaren Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG) bei der außergewöhnlichen Belastung.
  • Der Abziehbarkeit der Aufwendungen für eine Berufsausbildung oder ein Studium als Werbungskosten oder Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 9, § 9 Abs. 6 EStG)

Das ist in Ordnung. Hier musst du nichts unternehmen. Diese Punkte werden nach Ergehen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts später automatisch geändert.

Es kann aber auch sein, dass der Bescheid hinsichtlich der Festsetzung des Verlustes aus deiner selbständigen Tätigkeit vorläufig festgesetzt wird. Dies insbesondere dann, wenn du deine selbständige Tätigkeit nebenberuflich ausübst. Das ist nicht so gut, denn das Finanzamt hat dann die Möglichkeit, den Bescheid später noch einmal zu ändern. Problem ist der Verdacht der Liebhaberei. Dazu habe ich ausführlich im Beitrag: Nebenberufliche Einkünfte Stellung genommen. Dort findest du auch Empfehlungen, wie du gegen eine solche Vorläufigkeit vorgehen kannst. 

Vorbehalt der Nachprüfung

Neben der Vorläufigkeit ist der Vorbehalt der Nachprüfung die zweite Art der Feststellung, die dieser Rubrik angetroffen werden kann. Der Vorbehalt der Nachprüfung besagt, dass der Steuerbescheid zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal überprüft werden kann. Diese Berechtigung besteht bei einer Festsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung für vier Jahre nach Abgabe der Steuererklärung. Wenn du also die Steuererklärung 2021 im Jahre 2022 abgibst,  läuft die Berechtigung den Bescheid zu ändern am 31.12.2026 ab. Danach wird dieser Hinweis hinfällig, es darf nicht mehr geprüft werden.

Wenn dein Bescheid unter dem Vorhalt der Nachprüfung ergeht und du nicht weißt warum, frag einfach mal nach. Kontaktdaten des zuständigen Finanzbeamten stehen immer auf dem Bescheid. Entweder bist du einfach per Zufall ausgewählt worden oder es liegt ein bestimmter Grund vor, zum Beispiel: das Finanzamt will eine bestimmte Entwicklung bei dir verfolgen. Es muss  nicht immer zu einer Steuerprüfung kommen, wenn diese Art der Festsetzung bescheidet wurde. Manchmal wird der Vorbehalt später auch einfach wieder aufgehoben.

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