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Spenden in der Form von Twitch, Patreon, Crowdfunding und co.

In der Coronazeit wurden insbesondere viele Musiker durch Spenden unterstützt. Zum einen haben beispielsweise Schüler oder Kursteilnehmer angeboten, die Kursgebühren weiter zu bezahlen, auch wenn sie keinen Unterricht erhalten. Andererseits haben Freunde, Bekannte oder so genannte Mäzene Künstler unterstützt, um die schwierige finanzielle Situation von Künstlern etwas abzumildern.

Wie sind diese Spenden zu behandeln?

Einkommensteuerlich sind alle Zuwendungen, die im Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit stehen einkommensteuerpflichtig. Das ist gerade bei diesen „Coronaspenden“ etwas schwierig. Solang diese rein aus dem Betrieb verursacht sind besteht Einkommensteuerpflicht. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Kursteilnehmer die Kursgebühr weiter bezahlt, um sich die Möglichkeit zu eröffnen, dass es die Musikschule in Zukunft auch noch gibt. Wenn die Kurse nur geschoben werden oder statt Präsenzunterricht ein Onlineangebot gegeben wird, besteht ohnehin Einkommensteuerpflicht für die Einnahmen.

Crowdfunding

Auch Einnahmen aus Crowdfunding stellen meines Erachtens Betriebseinnahmen dar, wenn die Spenden gewährt werden, um beispielsweise eine CD-Produktion zu finanzieren. Spenden sind generell nur für gemeinnützige Einrichtungen steuerfrei. Für alle anderen nicht.

Schenkungen

Abzugrenzen von Spenden sind Schenkungen im rein privaten Bereich. Wenn beispielsweise Künstlern in der Coronakrise Geldzuwendungen von Familienangehörigen und Freunden gewährt wurden, um sie vor dem Verhungern zu bewahren, dann ist das ein schenkungsteuerliches Thema. Hier ist eine Schenkung unter fremden Dritten bis zu einem Betrag von 20.000 € sowieso nicht einkommensteuerbar, aber auch nicht schenkungsteuerpflichtig.

Umsatzsteuer

Leistungen unterliegen nur dann der Umsatzsteuer, wenn sie im Rahmen eines Leistungsaustausches erzielt werden. Bei der Frage: ist diese Spende umsatzsteuerpflichtig ist also entscheidend, ob du eine Leistung erbracht hast, um diese Spende zu erhalten. Wenn du das verneinen kannst, dann liegt keine Umsatzsteuerpflicht vor.

Am obigen Beispiel mit den Kursgebühren bedeutet das: Wenn die Kursteilnehmer den Betrag spenden, damit du in Zukunft deine Musikschule noch weiter betreiben kannst, dafür über keinerlei Kursleistungen erhalten, dann ist dies Kursgebühr zwar einkommensteuerpflichtige, aber nicht umsatzsteuerbar.

Im anderen Fall, dass der Kurs geschoben wurde oder auf online umgestellt, dann sind diese Kursgebühren einkommensteuerpflichtig und auch umsatzsteuerbar. Sie können nach den für dich normalerweise anzuwendenden Vorschriften umsatzsteuerfrei sein.

Steuerpflicht von Coronahilfen

In den letzten beiden Jahren gab es unzählige Coronahilfen vom Bund und den Ländern, gerade für Künstler. Die steuerlichen Folgen der einzelnen Zuwendungen, können sich unterscheiden.

Soforthilfen des Bundes

Hier besteht Einigkeit, dass die Soforthilfen des Bundes einkommensteuerpflichtig sind, aber nicht umsatzsteuerbar. Diese Beträge musst du also als Betriebseinnahmen im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung erfassen.

Soforthilfen der Länder

Hinsichtlich dieser Hilfen, besteht eine gewisse Restunsicherheit, wie sie einkommensteuerlich zu behandeln sind. Grundsätzlich wird zwar die Ansicht vertreten, dass die Soforthilfen des Bundes und der Länder einkommensteuerpflichtig sind.

Es dürfte sich hier aber lohnen doch noch einmal beim zuständigen Ministerium nachzufragen, ob nicht ein andere Beurteilung möglich ist. In Teilen, wurde vertreten, dass diese Hilfen bis max. 3.000 € für die Finanzierung der Lebenshaltungskosten gezahlt wurden und damit weder umsatzsteuerbar noch einkommensteuerpflichtig sind. Aber wie gesagt, das ist kritisch zu beurteilen. Fragt da lieber mal nach.

Überbrückungsgelder

Sind alle insgesamt einkommensteuerpflichtig, aber nicht umsatzsteuerbar.

Novemberhilfe und Dezemberhilfe

Diese sind ebenfalls einkommensteuerpflichtig, aber nicht umsatzsteuerbar.

Neustarthilfen

Auch diese sind betriebliche Einnahmen, aber nicht umsatzsteuerbar.

Sonstige Förderzuschüsse diverser Art

Es ist hier im Prinzip nicht möglich, alle Coronahilfen im Einzelnen anzugeben, wie sie steuerlich zu behandeln sind. Am besten fragst du bei den entsprechenden Vergabestellen nach. Viele Einrichtungen, vor allem die Kultureinrichtungen haben Stipendien vergeben. Stipendien, die zur allgemeinen Finanzierung des Lebensunterhaltes dienen sind weder einkommensteuerpflichtig noch umsatzsteuerbar.

Förderbeträge, die im Zusammenhang mit der Durchführung eines Projektes gewährt wurden, stellen dagegen regelmäßig eine einkommensteuerpflichtige Betriebseinnahme dar. Umsatzsteuer entsteht jedoch auch in diesen Fällen nur dann, wenn der Fördergeber deine Leistung direkt erhält.

Es ist nicht davon auszugehen, dass das Finanzamt die richtige steuerliche Behandlung im Einzelnen überprüft. Du musst das schon von dir aus richtig recherchieren. Es wäre doch zu ärgerlich, wenn du eine Fördersumme als Betriebseinnahme angeben würdest, obwohl du das gar nicht musst.

Onlineeinkünfte aus Blogs, Youtube, Streamingplattformen und Co.

Die Coronapandemie hat viele Musiker dazu veranlasst, ihr Leistungsangebot zu erweitern. Zu den üblichen Konzerthonoraren und Unterrichtsentgelten, kamen Einkünfte aus Internetdienstleistungen hinzu, die sie nun anzubieten begannen. Was aber ist hinsichtlich dieser Einnahmen bei der Einkommensteuer und vor allem der Umsatzsteuer zu beachten. Im nachfolgenden Artikel konzentriere ich mich auf die Einnahmen aus folgenden Tätigkeiten:

  • Onlineunterricht über einen eigenen Blog
  • Musikstreaming oder Onlineunterricht über eine internationale Streamingplattform
  • Werbeeinnahmen

Einkommensteuer

Steuerpflicht in Deutschland

Wenn du bereits aufgrund deiner bisherigen Einkünfte ganz oder teilweise selbständig tätig warst, dann zählen die Einkünfte aus dem Angebot von Onlinekursen, live oder aus der Konserve, Streaminghonorare und Werbegebühren aus Plattformen wie youtube oder spotify zu deinen steuerpflichtigen Einkünften aus selbständiger Tätigkeit. Und zwar alle Einnahmen, die du erzielst.

Ich gehe in diesem Blog davon aus, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist und auch hier uneingeschränkt dein Unternehmen betreibst. Davon ist auszugehen, wenn du in keinem anderen Land eine Betriebsstätte hast, das heißt eine gewisse feste Verbindung, in der Form eines Raumes, beispielsweise. Als unbeschränkt Steuerpflichtiger in Deutschland, ohne Betriebsstätte im Ausland, musst du alle Einnahmen aus deinem Unternehmen in Deutschland erfassen, egal woher sie kommen.

Einkünfte aus künstlerischer Tätigkeit

So lange du künstlerische Leistungen anbietest, wie beispielsweise Unterricht, Konzertmitschnitte oder Musik im Internet, sind diese Einkünfte auch weiterhin Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, die du einfach als weitere Einkommenskategorie bei deinen selbständigen Einkünften erfasst.

Einkünfte aus Werbeleistungen

Aus dieser Tätigkeit erzielte Werbeeinnahmen, stammen grundsätzlich nicht aus freiberuflicher Tätigkeit. Es handelt sich um gewerbliche Einkünfte. Ich würde dir empfehlen, für diese Einkünfte eine gesonderte Einnahmenüberschussrechnung zu erstellen, um die gewerblichen Einkünfte getrennt von den freiberuflichen Einkünften zu erfassen.

Anders als freiberufliche Einkünfte, unterliegen gewerbliche der Gewerbesteuer. Das ist so lange unproblematisch, als dein Gewinn unter dem Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von 24.500 € liegt. Deshalb ist es wichtig, den gewerblichen Einnahmenüberschuss getrennt zu ermitteln.


Aufwendungen

Aufwendungen, die mit der Erzielung dieser Einnahmen in Zusammenhang stehen, kannst du als Betriebsausgaben abziehen. Hier kommen weitere Ausgabenkategorien wie Website- und Domainkosten, Bildbearbeitungsprogramme oder Fotoequipment verstärkt hinzu. Möglicherweise auch Lizenzgebühren für verschiedene Streaminganbieter.

Umsatzsteuer

Die Musik in der Besteuerung derartiger Onlineeinkünfte spielt in der Umsatzsteuer.

Der bislang umsatzsteuerlich sorgenfreie Musiker

Hinsichtlich der Umsatzsteuer bist du als Musiker in der Regel verwöhnt. Du erzielst deine Konzerthonorare gem. § 4 Nr. 20a UStG in der Regel umsatzsteuerfrei und deine Unterrichtshonorare über § 4 Nr.21 UStG ebenfalls. Weitere Einkünfte vereinnahmst du unter der Kleinunternehmerregelung – ebenfalls ohne dir über Umsatzsteuer Gedanken machen zu müssen. Einen Vorsteuerabzug hast du im Gegenzug nicht. Das heißt, im Rahmen deiner normalen Tätigkeit musst du dich eigentlich um Umsatzsteuer nicht groß kümmern. Das ist bei Onlineeinkünften schnell anders.

Umsatzbesteuerung der Leistungserbringung

Inländische Leistungsempfänger

Solang du Onlinedienstleistungen an inländische Leistungsempfänger erbringst, ist die Umsatzsteuer weiter unproblematisch.
Erbringst du Musikkurse online an inländische Empfänger, ist dieser Musikkurs unter den Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 UStG ebenfalls von der Umsatzsteuer befreit. Sofern du Konzertmitschnitte oder Musik an inländische Abnehmer streamst, gilt ebenfalls die Befreiung gem. § 4 Nr. 20 UStG. Werbeeinnahmen von inländischen Streamingdiensten kannst du unter der Kleinunternehmerregelung bis zu einer Grenze in Höhe von 22.000 € umsatzsteuersorglos vereinnahmen.

Ausländische Streamingdienste als Leistungsempfänger

Aber vor allem Streamingdienstleistungen erbringst du oft an ausländische Streamingplattformen, die dann per Gutschrift abrechnen. Gem. Umsatzsteuergesetz, werden sonstige Leistungen eines Unternehmers (du als Musiker) an einen anderen Unternehmer (ausländischer Streamingdienst) dort erbracht, wo der ausländische Leistungsempfänger sitzt (Streamingdienst). Sofern dieser in Irland, USA, Schweiz oder Abu Dhabi sitzt, erbringst du eine Leistung in diesem Land. Das ist problematisch. Woher sollst du wissen, was du dort umsatzsteuerlich tun musst?

Reverse charge Verfahren in der EU und einigen anderen Ländern

Die Finanzbehörden haben dieses Problem international auch erkannt und in vielen Ländern das sogenannte reverse charge Verfahren eingeführt. Bei Anwendung dieses Verfahrens führt der Leistungsempfänger (ausländischer Streamingdienst) die Umsatzsteuer für dich ab. Du weist in deiner Rechnung keine Umsatzsteuer aus. Auf deine Rechnung schreibst du: Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Sofern der Streamingdienst per Gutschrift abrechnet, brauchst du nicht mal eine Rechnung schreiben. Soweit so gut. Das ist weiterhin ohne Schwierigkeiten regelbar.

Das reverse charge Verfahren wird zwar durchgängig von allen Staaten der EU angewandt und von einigen anderen wichtigen Industriepartnern. Aber es wenden nicht alle Staaten weltweit dieses Verfahren an. Beispielsweise kennt die USA dieses Verfahren nicht. Ob ein Land das reverse charge Verfahren anwendet, musst du im jeweiligen Einzelfall ermitteln. Helfen können hier die Handelskammern oder die Außenhandelskammern in Deutschland oder dem jeweiligen Land.

Registrierungspflicht im Ausland, das kein reverse charge Verfahren kennt

Wenn der andere Staat kein reverse charge Verfahren kennt, musst du dich dort umsatzsteuerlich registrieren lassen und die Umsatzsteuer im entsprechenden Ausland nach den dort geltenden Regelungen abführen! Es kann nicht empfohlen werden, diese Umsatzsteuerpflicht im Ausland zu ignorieren, weil du dann einen großen Berg an Steuerschulden und gegebenenfalls strafrechtlichen Folgen vor dir herschiebst. Du musst dir im Ausland einen Fiskalvertreter suchen, der die Aufgaben für dich erledigt.

Die Umsatzsteuer ID-Nummer wird jetzt wirklich wichtig!

Damit bei der Besteuerung von sonstigen Leistungen an ausländische Dienstleister alles richtig läuft, musst du eine Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen und verwenden. Diese erhältst du über die Homepage des BZSt.

Mit der Umsatzsteuer ID-Nummer kannst du dich gegenüber den ausländischen Streamingdiensten als Unternehmer zu erkennen geben, so dass diese alles umsatzsteuerlich Erforderliche veranlassen.
Wenn du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast, musst du diese auch in deinen Rechnungen verwenden. Nicht vergessen!

Umsatzsteuerpflichten bei Leistungen an Privatpersonen

Sonstige Leistungen, die auf elektronischem Wege an Privatpersonen erbracht werden, sind gemäß § 3a Abs. 5 Umsatzsteuergesetz dort erbracht, wo die Privatperson ihren Wohnsitz hat. Wenn du also vor allem Onlinekurse auch an ausländische Schüler erbringst, sind diese Leistungsvergütungen im Wohnsitzstaat des Schülers umsatzsteuerpflichtig!

Das ist sehr nervig, da ausländische Privatpersonen nicht verpflichtet sind, das reverse charge Verfahren anzuwenden. Das wiederum heißt, du musst dich um die umsatzsteuerliche Behandlung deiner Kurshonorare im entsprechenden Ausland selbst kümmern. Das bringt ebenfalls eine Registrierungspflicht im Ausland mit sich. Ob dort auch eine Kleinunternehmerregelung oder Umsatzsteuerbefreiungen für deine Leistungen bekannt sind, musst du im jeweiligen Land herausfinden.

Die Gute Botschaft: Du kannst auf die Anwendung des § 3a Abs.5 UStG verzichten!

Auf die Anwendung dieser sehr lästigen Vorschrift kannst du verzichten, wenn du nur in einem EU-Land ansässig bist und nicht mehr als 10.000 € an Leistungen in ein anderes EU-Land erbringst! Dann gibst du in der Steuererklärung an, du verzichtest. Die Umsätze mit Privatschülern unterliegen dann der deutschen Umsatzsteuer gem. § 3a Abs. 1 UStG. Gegebenenfalls kommt dann die Umsatzsteuerbefreiung gem.§ 4 Nr. 20 oder § 4 Nr. 21 UStG zur Anwendung.


Sonstige Lösungsmöglichkeit: Einschaltung eines Dienstleisters

Eine Lösung könnte hier sein, auch für den Unterricht einen unternehmerischen Streamingdienst einzuschalten und dann mit einem Unternehmer den Leistungsverkehr abzuwickeln. Bei dieser Gestaltung könnte der ausländische Unternehmer sofern in dem Staat bekannt das reverse charge Verfahren anwenden.

Für welche Leistungen gilt § 3a Abs. 5 UStG

Unter Leistungen, die auf elektronischem Wege erbracht werden, versteht die Finanzverwaltung im hier interessierenden Zusammenhang vor allem folgende Leistungen:

  • Die Bereitstellung von E-Books
  • Die Bereitstellung von Musik
  • Die Bereitstellung von Veranstaltungen im Kultur- und Musikbereich
  • Und eben der Fernunterricht.

Achtung aufgepasst!!
Meldepflichten für dich auch als leistender Kleinunternehmer

Auch wenn du sonstige Leistungen an einen ausländischen Empfänger erbringst und dieser im Ausland das reverse charge Verfahren anwendet, musst du trotzdem in Deutschland Meldepflichten erfüllen. Zum einen musst du die im Ausland erbrachten Leistungen gem. 13b UStG in der Umsatzsteuererklärung angeben und du musst auch eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Meldepflichten auch als Kleinunternehmer, der nur ausländische Leistungen empfängt

Selbst wenn du keine Leistungen an ausländische Abnehmer erbringst, bleibst du von umsatzsteuerlichen Aufgaben nicht einmal als Kleinunternehmer mit ansonsten nur steuerfreien Einnahmen verschont.

Auch als Kleinunternehmer bist du umsatzsteuerlicher Unternehmer. Wenn du sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens beziehst, unterliegen diese Leistungen in Deutschland dem reverse charge Verfahren. Der ausländische Leistende ist Unternehmer, du bist (Klein-) Unternehmer. Damit kommt dieses Verfahren zur Anwendung.

Und du musst tätig werden!

Du musst für den ausländischen Unternehmer die Umsatzsteuer abführen. Das wird für dich zu einer kostenmäßigen Belastung, weil du als Kleinunternehmer und Bezieher von nur umsatzsteuerfreien Umsätzen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt bist.

Alleine zum Beispiel Facebook oder Google sitzen im EU – Ausland und du musst das reverse charge Verfahren für diese Leistungen anwenden. Damit alles richtig läuft, ist es auch hier wichtig, dass du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast.

Du übermittelst bei der Bestellung deine Umsatzsteuer ID-Nummer an den Lieferanten (beispielsweise Google). Danach bekommst du eine Rechnung von Google ohne Umsatzsteuer mit dem Vermerk, dass das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt. Damit meint der Lieferant, dass du das anwenden musst!

Das reverse charge Verfahren muss also hier von dir durchgeführt werden. Wenn du Leistungen an einen ausländischen Streamingdienst erbringst, kümmert er sich ja um die Umsatzsteuer. Das ist beim Einkauf von Leistungen nicht so. Du musst handeln!

Wie?

In der Umsatzsteuervoranmeldung oder spätestens der Umsatzsteuerjahresmeldung. Hier verweise ich auf die Regelungen zur Umsatzsteuer. Voranmeldungen müssen unter den allgemein gültigen Regelungen abgegeben werden, wenn die Umsatzsteuerschuld eine bestimmte Höhe erreicht. Wenn deine Umsatzsteuerzahllast aus dem reverse charge Verfahren diese Grenze überschreitet, musst du Voranmeldungen abgeben. Ansonsten kannst du dich auf die Jahreserklärung beschränken.

So!

Dieser Artikel ist etwas länger geworden und nicht ganz einfach. Entschuldigt bitte. Aber ich wollte alle Belange zu diesem Thema in einem Artikel zusammenfassen.

Quartett

2.5. Steuerfalle: Einkünfte aus einer Band

Viele Musiker, spielen in Bands, Ensembles, Quartetten, Orchestern und anderen Gruppen. Bei der steuerlichen Erfassung der Einkünfte aus diesen Bands bemerke ich oft eine große Unsicherheit. Welchen Betrag muss ich als Einnahme aus dieser Band in meiner Steuererklärung angeben und wo?

Welche Beträge du als Einnahme aus dieser Gruppe in deiner Einkommensteuererklärung angibst, hängt davon ab, ob diese Gruppe als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt ist und ob du ein Mitglied dieser GbR bist.

Du spielst als Aushilfe in dieser GbR

Sofern du kein Gesellschafer der GbR bist, sondern nur sporadisch als freier Musiker dort mitspielst, erhältst du einfach ein Honorar und dieses Honorar gibst du in deiner Einnahmenüberschussrechnung als Einnahme an. Die damit im Zusammenhang stehenden Ausgaben ziehst du als Ausgaben im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung ab.

Du bist dann nicht Gesellschafter der GbR, wenn du beispielsweise nur als Ergänzung in der Gruppe spielst, weil besondere Instrumente benötigt werden. Auch wenn du als Aushilfe für die Gruppe spielst, weil ein Musiker krank geworden ist, bist du in der Regel kein Mitglied und damit auch kein Gesellschafter der GbR. Sofern die GbR einen schriftlichen Vertrag geschlossen hat, bist du natürlich auch nur dann Gesellschafter der GbR, wenn du als Gesellschafter aufgenommen bist.

Du bist Gesellschafter der GbR

Bist du festes Mitglied der GbR und als solches Gesellschafter dieser Gruppe sieht die Besteuerung anders aus. Die Gruppe muss dann für die Gesellschaft selbst eine Einnahmenüberschussrechnung erstellen und eine Steuererklärung abgeben. Diese Steuererklärung nennt man: Gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung.

In der Einnahmenüberschussrechnung der GbR werden alle Einnahmen und Ausgaben der Gruppe erfasst.

Aufteilungsschlüssel

Nachdem der Einnahmenüberschuss feststeht, wird dieser auf die einzelnen Gesellschafter verteilt. Hier können die Gesellschafter selbst einen Schlüssel festlegen. Da gibt es die tollsten Rechenwerke, in Abhängigkeit der Mitwirkung, Bedeutung oder sonstiger Kriterien der einzelnen Musiker. Natürlich kann der Einnahmenüberschuss auch als fester Anteil oder nach Köpfen verteilt werden. Bei der Aufteilung des Gewinns (oder Verlustes) darf euch das Finanzamt nicht reinreden. Das ist allein eure Sache, einen Verteilungsschlüssel festzulegen.

Wenn ihr diesen Schlüssel ermittelt habt, tragt ihr ihn in der gesondert und einheitlichen Gewinnfeststellung ein und ermittelt den Gewinnanteil jedes einzelnen Gesellschafters. Dieser Gewinnanteil wird dem jeweiligen Gesellschafter mitgeteilt und diesen mitgeteilten Gewinnanteil musst du als Gesellschafter in deiner Steuererklärung angeben.

Grundlagenbescheid

Der Bescheid über die gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung ist ein sogenannter Grundlagenbescheid für deine persönliche Steuererklärung. Die Finanzämter in ganz Deutschland melden diese Gewinnanteile untereinander und legen sie deiner Besteuerung „von Amts wegen“ zugrunde. Auch dann, wenn dein Einkommensteuerbescheid schon bestandskräftig ist, kann das Finanzamt den Gewinnanteil noch einfügen und nachversteuern.

Verluste der GbR

Die GbR kann natürlich auch einen Verlust erzielen. Dieser wird dir dann auch über die gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung zugewiesen. Wichtig: Generelle Abzugsbeschränkungen für diesen Verlust gibt es nicht. Das heißt er mindert grundsätzlich dein zu versteuerndes Einkommen. Sollte das Finanzamt dies nicht gemacht haben, so musst du sofort Einspruch gegen den Bescheid einlagen und Protest erheben.

Häufigster Fehler

Meistens wird schon unterjährig ein Gewinnanteil an die Gesellschafter ausbezahlt. Sehr häufig sehe ich, dass die Gesellschafter einfach diese überwiesenen Beträge als Einnahme ansetzen und versteuern. Dieser Betrag kann jedoch vollständig vom richtigen Gewinnanteil abweichen. Schlimmstenfalls kann es sogar zu schweren Doppelbesteuerungen kommen, wenn du einmal die Einnahmen aus der Band im Rahmen deiner eigenen Einnahmenüberschussrechnung erfasst, zum anderen das Finanzamt dir den entsprechenden Gewinnanteil auch noch zurechnet.

Ausgaben

Ausgaben, die du selbst getragen hast, aber durch deine Tätigkeit für die GbR veranlasst waren, sind sogenannte Sonderbetriebsausgaben. Diese meldest du als entsprechende Ausgaben demjenigen, der die Einnahmenüberschussrechnung für die Band/ Gruppe erstellt. Sie werden auf der Ebene der Band als Ausgaben von deinem Gewinnanteil abgezogen und mindern deinen Gewinnanteil.

GEFAHR! Gewerbliche Abfärbetheorie bei einer freiberuflichen GbR

Wenn eine grundsätzlich freiberuflich tätige Musiker-GbR gewerbliche Tätigkeiten ausübt, wird beim Überschreiten einer kleinen Bagatellgrenze die gesamte Tätigkeit der Gruppe als gewerblich behandelt. Damit erzielt ihr dann Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die auch der Gewerbesteuer unterliegen. Das ist schlecht. Deshalb solltet ihr beispielsweise niemals einen CD Verkauf über eine freiberuflich tätige Personengesellschaft aufnehmen. Besser gründet ihr dann eine zweite GbR, die dann von vorneherein gewerblich tätig ist.

Wo gibst du den Gewinnanteil an?

In der Zeile 6 der Anlage S.

Also:

Wenn du Gesellschafter einer GbR bist, setzt du immer nur den Gewinnanteil aus der gesondert und einheitlichen Gewinnfeststellung an. Die Vergütungen, die du von der GbR ausgezahlt bekommen hast, sind nicht in deiner Einnahmenüberschussrechnung zu erfassen. Ebenso sind Ausgaben, die du selbst getragen hast im Zusammenhang mit deiner Tätigkeit für die GbR auf der Ebene der GbR als Sonderbetriebsausgaben abzuziehen. Ausgaben, die die gesamte GbR betreffen und von dieser getragen werden sowieso.

Exkurs: Haftung als Gesellschafter einer GbR

Jeder Gläubiger kann die vollen Zahlungsverpflichtungen von dir persönlich einfordern, wenn die GbR nicht zahlungsfähig ist. Du kannst nur anschließend einen Ausgleich von deinen Gesellschafterkollegen verlangen. Das kann zu Problemen führen. Pass also immer gut auf, in welcher GbR du als Gesellschafter einsteigst.

Künstlersozialabgabe und Abzugsteuern

Als Gesellschafter einer GbR muss die Gesellschaft für deine Gewinnanteile keine Künstlersozialabgabe und auch keine Abzugsteuer bezahlen. Solltest du im Ausland leben, bist du mit dem Gewinnanteil aus einer in Deutschland ansässigen GbR beschränkt steuerpflichtig und musst eine Steuererklärung abgeben.

2.4 Ausländische Einkünfte

Bei den gesamten Betrachtungen in diesem Blog gehe ich davon aus, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist. Unter welchen Voraussetzungen dies der Fall ist, werde ich bei Gelegenheit in einem gesonderten Blogbeitrag näher erläutern. Sofern du nur an einem Ort eine Wohnung unterhältst und dich dort auch regelmäßig aufhältst, und wenn du ansonsten nur zu kurzfristigen Auslandsaufenthalten unterwegs bist, bist du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Bei verschiedenen Wohnungen und längeren Auslandsaufenthalten kann sich etwas Anderes ergeben.

Sofern du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist, unterliegen grundsätzlich auch

deine Honorare aus einer im Ausland ausgeübten künstlerischen Tätigkeit

der deutschen Steuerpflicht. Du musst also auch die ausländischen Einkünfte bei der deutschen Besteuerung berücksichtigen.

Bei einer im Ausland ausgeübten künstlerischen Tätigkeit kommt es häufig vor, dass auch das Ausland beziehungsweise der Auftrittsstaat eine Besteuerung dieser Einkünfte vornimmt (Quellenbesteuerung).

Wie funktioniert ein Steuerabzug im Ausland?

Der Steuereinbehalt im Ausland erfolgt durch den Auftraggeber. Der ausländische Auftraggeber bezahlt dir nicht 100 % des vereinbarten Honorars aus, sondern behält die Steuer bei der Auszahlung des Honorars zurück und führt sie an das Finanzamt ab. Die ausländischen Quellensteuersätze liegen zwischen 10 % und 20 %. Der Veranstalter zahlt entsprechend nur 80 % bis 90 % des vereinbarten Honorars aus. In diesem Fall ist es wichtig, dass du vom ausländischen Auftraggeber eine Bescheinigung über diese einbehaltene Steuer verlangst. Das wird oft vergessen und führt dann zu viel Rennerei im Rahmen der Erstellung der Einkommensteuererklärung im Inland. Die erhaltene Bescheinigung legst du zu deinen Steuerunterlagen.

Um eine drohende Doppelbesteuerung im Auftrittsstaat (Quellensteuer) und im Wohnsitzstaat (Welteinkommen) zu vermeiden, kennt das internationale Steuerrecht zwei Methoden:

  • die Freistellungsmethode und
  • die Anrechnungsmethode.

Welche Methode zur Anwendung kommt, bestimmt ein Vertrag zwischen den beiden betroffenen Staaten, ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen. Besteht kein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem Staat des Auftritts und Deutschland, so kommt die Anrechnungsmethode zur Anwendung.

Grundsätzlich kommt die Anrechnungsmethode zur Anwendung

Mit den meisten wichtigen Industriestaaten bestehen Doppelbesteuerungsabkommen. Diese Abkommen, insbesondere die neueren deutschen Abkommen, sehen inzwischen ausschließlich die Anrechnungsmethode für Einkünfte eines Künstlers aus dem Ausland vor.

Die Anwendung der Anrechnungsmethode bedeutet, dass die ausländischen Einnahmen (brutto, ohne Abzug der im Ausland einbehaltenen Abzugsteuer) ebenso wie die Ausgaben voll in die deutsche Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) einbezogen werden, ganz normal, als wären es inländische Einkünfte. Die im Ausland bezahlte Steuer selbst ist keine abzugsfähige Ausgabe im Rahmen der Einkommensermittlung. Die ausländische Steuer wird aber auf die deutsche Steuer angerechnet. Dazu muss unbedingt der Nachweis der im Ausland bezahlten Steuern an die Finanzbehörden geschickt werden. Damit die ausländische Steuer angerechnet werden kann, ist die sogenannte Anlage AUS auszufüllen. Dort sind die ausländischen Einnahmen, Ausgaben und die einbehaltene Steuer anzugeben.

Die Anrechnung erfolgt nur bis zur Höhe der deutschen Steuer auf die ausländischen Einkünfte. Diese Berechnung führt das Finanzamt von Amts wegen durch. Eine Überprüfung, ob diese Anrechnung korrekt vorgenommen wurde, ist ratsam.

Die ausnahmsweise zur Anwendung kommende Freistellungsmethode

Sofern du Honorare aus einem Land erhältst, mit dem Deutschland ausnahmsweise im Doppelbesteuerungsabkommen die Freistellungsmethode vereinbart hat, werden die ausländischen Einkünfte nicht in die EÜR aufgenommen. Sie sind stattdessen auf einer gesonderten Anlage der Einkommensteuererklärung zu vermerken. Das ist natürlich super, da der Quellensteuersatz im Ausland regelmäßig nicht sehr hoch ist und man deshalb auf diese Einkünfte nicht sehr viel Steuern bezahlen muss.

Der Nachteil an der Freistellungsmethode ist, dass du auch keine Aufwendungen von der deutschen steuerlichen Bemessungsgrundlage abziehen darfst, die mit den ausländischen Einkünften im Zusammenhang stehen. Die Freistellung betrifft nämlich sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben. Dies trifft auf alle Aufwendungen zu, die mit den ausländischen Einkünften in unmittelbarem Zusammenhang stehen (also zum Beispiel die Reisekosten).

Auch wenn die ausländischen Einkünfte im Rahmen der Freistellungsmethode nicht der inländischen Besteuerung unterliegen, führen sie doch zu einer Erhöhung des Steuersatzes für die übrigen in Deutschland steuerpflichtigen Einkünfte. Die freigestellten Einkünfte unterliegen dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Den Progressionsvorbehalt rechnet das Finanzamt wiederum von Amts wegen aus. Wichtig ist jedoch, dass du die ausländischen Einnahmen wie auch die damit in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben in der Anlage AUS (nicht in der EÜR) in der Steuererklärung angibst.

Wo eintragen in der Steuererklärung?

Ausländische Einkünfte, die der Anrechnungsmethode unterliegen, werden zunächst ganz normal als Einkünfte in der Steuererklärung erfasst und die Aufwendungen als Ausgaben. Du erfasst die Flugkosten also unter den Reisekosten (Zeile 83 Anlage EÜR). Zusätzlich musst du aber auch noch die Anlage AUS ausfüllen. Dort erfasst du die Einkünfte und die anrechenbaren Steuern in den Zeilen 4 bis 13 der Anlage.

2.3 Übungsleiterpauschbetrag

„Einnahmen aus der nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher […] oder […] aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten“ sind gemäß § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) bis zu einer Höhe von insgesamt 2.400 € im Jahr steuerfrei. Ab dem Veranlagungsjahr 2021 erhöht sich der Übungsleiterpauschbetrag auf 3.000 € jährlich. Der Übungsleiterpauschbetrag ist auch nicht sozialversicherungspflichtig.

Allerdings kann er der Umsatzsteuer unterliegen. Davon ist er nicht grundsätzlich befreit! Hier gelten die allgemeinen umsatzsteuerlichen Folgen. Vergleiche dazu das Kapitel Umsatzsteuer.

Voraussetzung für die (Einkommen-) Steuerfreiheit ist, dass die Tätigkeit

  • für eine juristische Person des öffentlichen Rechts erbracht wird, die in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder der Schweiz ansässig ist,
  • oder aber für eine Gesellschaft erbracht wird, die gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke im Sinne der §§ 52 bis 54 der Abgabenordnung (AO) erfüllt.

Begünstigt ist jede nebenberufliche künstlerische Tätigkeit, die an einen entsprechenden Auftraggeber erbracht wird, unabhängig davon, ob sie in einem Angestelltenverhältnis erbracht wird oder auf Honorarbasis. Dies ist interessant, da die Tätigkeit eines Musikers aus vielen unterschiedlichen Tätigkeiten besteht oder bestehen kann.

Beispiel:

Peter Tastenblitz ist grundsätzlich in einer Musikschule als Musiklehrer angestellt. Daneben leitet er an einem Abend pro Woche einen Chor der Kirchengemeinde seines Ortes, wofür er pro Monat einen Pauschalbetrag von 250 € erhält.

Peter kann für diese Chorleitertätigkeit den Übungsleiterpauschbetrag geltend machen. Die Tätigkeit als Chorleiter ist klar abgegrenzt von seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Musiklehrer. Das ist wichtig.

Führt er nahezu identische Tätigkeiten aus, zum Beispiel als Musiklehrer an verschiedenen Musikschulen, so kommt der Übungsleiterpauschbetrag in der Regel nicht zur Anwendung, da sich diese Tätigkeiten nach der Verkehrsauffassung als Ausübung eines einheitlichen Hauptberufs darstellen. Dies ist gängige Verwaltungsauffassung.

Kombinationen, bei denen für den Nebenberuf klar der Übungsleiterpauschbetrag in Betracht kommt:

  • Musikunterricht (Hauptberuf) und Chor-, Ensemble- oder Orchesterleitung (Nebenberuf)
  • Musikunterricht (Hauptberuf) und Aushilfe in einem Orchester (Nebenberuf)
  • Angestellte Tätigkeit als Orchestermusiker (Hauptberuf) und unterrichtende Tätigkeit (Nebenberuf)
  • Solistische Tätigkeit als Konzertpianist (Hauptberuf) und Korrepetition an einer Hochschule (Nebenberuf)
  • etc.

Voraussetzung ist natürlich immer, dass der Nebenberuf im Dienst oder Auftrag einer öffentlichen oder gemeinnützigen Einrichtung im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG erfolgt.

Urteil des Bundesfinanzhofes, um das Finanzamt zu überzeugen

Das oberste Gericht in Steuerfragen, der Bundesfinanzhof (BFH), hat am 29. Januar 1987 (IV R 189/85, BStBl. 1987 II S. 783) ein wichtiges Urteil hinsichtlich der Anwendung des Übungsleiterpauschbetrags gefällt. Danach konnte ein Steuerpflichtiger, der im Hauptberuf Hochschullehrer der Rechtswissenschaft ist, für seine nebenamtliche Prüfungstätigkeit den Übungsleiterpauschbetrag geltend machen. Die Prüfungstätigkeit bestand in der Abnahme von Prüfungen für die erste juristische Staatsprüfung von Jurastudenten. Das ist schon ein sehr weitreichendes Urteil. Insofern kannst du es immer bei kritischen Verhandlungen mit dem Finanzamt in die Argumentation einfließen lassen.

Umfang einer nebenberuflichen Tätigkeit

Eine nebenberufliche Tätigkeit darf in zeitlicher Hinsicht nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit einer vergleichbaren Vollzeitbeschäftigung umfassen.

Die Einkünfte aus nebenberuflicher Tätigkeit müssen nicht unter 2.400 € (beziehungsweise ab 1.1.2021 3.000 €) liegen. Überschreiten sie diesen Betrag, so ist der übersteigende Teil steuerpflichtig.

Aufwendungen im Zusammenhang mit nebenberuflichen Einkünften können nur geltend gemacht werden, wenn sie den Übungsleiterpauschbetrag übersteigen.

Der Übungsleiterpauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Er wird nur einmal gewährt, auch wenn verschiedene begünstigte Tätigkeiten ausgeübt werden. Dafür muss er nicht zeitanteilig aufgeteilt werden, wenn die begünstigte Tätigkeit nicht während des ganzen Jahres ausgeübt wurde.

Wie sieht es mit Aufwendungen aus, die mit der Übungsleitertätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang stehen

Aufwendungen, die mit der Übungsleitertätigkeit in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, dürfen nicht vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden, es sei denn, sie übersteigen den Übungsleiterpauschbetrag in Höhe von 2.400 € (beziehungsweise 3.000 € ab dem 1.1.2021). Aufwendungen stehen dann in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Einnahmen, wenn sie durch diese Einnahmen veranlasst sind.

Nach allgemeiner Anschauung des BFH sind solche Aufwendungen vom Abzug ausgeschlossen, die nach ihrer Entstehung und Zweckbestimmung mit den steuerfreien Einnahmen in einem unlösbaren Zusammenhang stehen, d. h. ohne diese nicht angefallen wären. Die Aufwendungen müssen eine eindeutig und klar abgrenzbare Beziehung zu den steuerfreien Einnahmen haben. Dies ist beispielsweise eindeutig bei den Fahrtkosten der Fall.

Am obigen praktischen Beispiel erklärt:

Der Geigenlehrer erzielte im Jahre 2020 folgende Einnahmen:

Einkünfte aus unterrichtender Tätigkeit: 30.000 €
Einkünfte als Chorleiter gem. § 3 Nr. 26 EStG:3.000 €

Damit verbunden hatte der Musiklehrer folgende Ausgaben:

Abschreibung auf die Geige2.000 €
Reparatur der Geige1.000 €
Fahrtkosten für die Chorleitertätigkeit300 €
Fahrtkosten für die unterrichtende Tätigkeit800 €
Gesamt:4.100 €

Die Einnahmenüberschussrechnung sieht wie folgt aus:

Einkünfte aus unterrichtender Tätigkeit 30.000 €
Einkünfte als Chorleiter gemäß § 3 Nr. 26 EStG
3.000 € abzüglich Übungsleiterpauschbetrag in
Höhe von 2.400 €  (2020)
600 €
Steuerpflichtige Einnahmen gesamt:             30.600 €
Ausgaben:
Abschreibung auf die Geige  2.000 €
Reparatur der Geige    1.000 €
Fahrtkosten für die unterrichtende Tätigkeit      800 €
Abziehbare Ausgaben gesamt:   3.800 €
Die Fahrtkosten für die Übungsleitertätigkeit
können nicht abgezogen werden.
Steuerpflichtiger Einnahmenüberschuss:   26.800 €

Bei einem geschätzten (Grenz-)Steuersatz in Höhe von 26 % spart der Ansatz des Übungsleiterpauschbetrags rund 550 € an Steuern. Das lohnt sich schon.

Welche Aufwendungen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Übungsleitertätigkeit?

In einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen vor allem die Reisekosten, die durch die Erzielung der Einkünfte aus Übungsleitertätigkeit verursacht worden sind. Auch Noten können natürlich direkt zugeordnet werden. Bei den nicht direkt zuordenbaren Aufwendungen, wie beispielsweise den Anschaffungskosten des Instruments, würde ich zunächst argumentieren, dass diese auch ohne die nebenberufliche Tätigkeit angefallen wären. Das Finanzamt folgt dieser Auffassung nicht immer. Dann stellt sich die Frage, wie du reagierst. Zunächst solltest du auf jeden Fall Einspruch einlegen und deine Auffassung vertreten. Sollte das Finanzamt nicht zustimmen, gibt es zwei Möglichkeiten: Kompromiss schließen oder klagen.

Der Übungsleiterpauschbetrag in der Anlage EÜR

Die Honorare rechnest du in der Anlage EÜR ganz normal als Einnahmen hinzu und trägst sie in den Zeilen 14 bis 16 der Anlage EÜR ein. Ausgaben fließen ebenfalls zunächst in die entsprechenden Kategorien der Anlage EÜR. Dann ziehst du in Zeile 91 der Anlage EÜR die Einnahmen aus Übungsleitertätigkeit wieder ab. Direkt zuordenbare Betriebsausgaben zu den Einkünften aus Übungsleitertätigkeit sind nicht abzugsfähig. Diese erfasst du in Zeile 94 der Anlage EÜR.

Du kannst die Einkünfte aus Übungsleitertätigkeit also nicht einfach weglassen!

2.2 Stipendien und Preisgelder

Stipendien und Preisgelder –
Wie sind sie bei der Einkommensteuer zu betrachten – und in welchem Umfang unterliegen sie der Umsatzsteuer?

Stipendien und Preisgelder sind steuerfrei, wenn sie für die künstlerische Tätigkeit als solche gewährt werden, oder für das Lebenswerk, die Persönlichkeit, die Grundhaltung oder Vorbildfunktion des Musikers. Nur sofern zwischen dem Preisgeld und einer Leistung des Künstlers ein direkter Zusammenhang hergestellt werden kann, liegt ein einkommensteuerlich relevanter Sachverhalt vor. Umsatzsteuerlich kann sich etwas Anderes ergeben. Wenn ein Preisgeld nicht einkommensteuerpflichtig ist, kann davon ausgegangen werden, dass es auch nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Liegt aber Einkommensteuerpflicht vor, ist meistens keine Umsatzsteuerpflicht gegeben, da es am erforderlichen Leistungsaustausch in der Regel fehlt.

Beispiele für die Beurteilung von Preisgeldern

Ein einkommensteuerpflichtiges Preisgeld ist beispielsweise grundsätzlich bei einem Kompositionsauftrag gegeben, der mit einem Preisgeld prämiert wird. Diese direkte Kopplung von Leistung (Komposition) und Gegenleistung (Preisgeld/Stipendium) führt zur Einkommensteuerpflicht, selbst wenn die Rechte an der Komposition beim Komponisten bleiben. Umsatzsteuerlich ist dieses Preisgeld nur dann zu besteuern, wenn zwischen dem Preisgeldzahler und dem Komponisten ein Leistungsaustausch stattfindet, d. h. der „Preisgeber“ eine konkrete Gegenleistung erhält, zum Beispiel die ausschließlichen Rechte an der Komposition.

Preisgelder, die in einem Wettbewerb erzielt werden, in dem das allgemeine Können unter Beweis gestellt wird, sind in der Regel selbst dann steuerfrei, wenn der Gewinner am Ende ein Konzert spielen muss. Durch den Gewinn eines Wettbewerbs wird regelmäßig das Gesamtkönnen des Gewinners ausgezeichnet/geehrt und damit seine Persönlichkeit und sein Lebenswerk.

Umgang mit steuerfreien Stipendien und Preisgeldern

Steuerfreie Preisgelder müssen nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Ich empfehle dir aber trotzdem, dem Finanzamt in einer Anlage zur Einkommensteuererklärung mitzuteilen, dass du ein Preisgeld oder ein Stipendium erhalten hast. Erkläre den Finanzbehörden, dass du das Stipendium/Preisgeld für dein Lebenswerk, deine Persönlichkeit, deine Grundhaltung oder deine Vorbildfunktion erhalten hast, wann immer es dafür Argumente gibt. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass das Finanzamt die Steuerpflicht sofort im Veranlagungsjahr prüfen kann. Das vermeidet böse Überraschungen in späteren Jahren. Auch wird es schwer, dir eine Steuerhinterziehung vorzuwerfen, falls das Preisgeld doch steuerpflichtig sein sollte – denn du hast es ja erklärt.


Tipp:

Falls du unsicher bist, ob das Preisgeld steuerfrei ist oder nicht, kannst du bei der auszahlenden Stelle nachfragen. Die weiß in der Regel darüber Bescheid und hilft ihren Gewinnern in diesem Punkt meistens gerne.

2.1 Grundsätzliche Steuerpflicht aller Einnahmen

Eigentlich ist es ganz einfach: Alles, was du im Rahmen deiner beruflichen Tätigkeit einnimmst, ist grundsätzlich steuerpflichtig. Also: Honorare für Konzerte, Auftritte anderer Art, unterrichtende Tätigkeiten, selbständige Aushilfstätigkeit im Orchester, einer Band, einem Ensemble oder einer anderen Gruppe, GEMA-Gebühren, Vergütungen für Chorleitung, Vergütungen für ein Orgelspiel in der Kirche, die berühmte Mugge etc., etc., etc.

Liste deine Einnahmen am besten nach den einzelnen Kategorien sortiert auf, dann hast du den besseren Überblick:

Beispielkatalog

  • Konzerthonorare
  • Honorare für Korrepetitionen
  • Einnahmen für musikalische Begleitung
  • unterrichtende Tätigkeit als Honorarkraft
  • Vergütungen für Chorleitung
  • Einnahmen von Streamingplattformen
  • Einnahmen aus social media
  • Coronahilfen
  • etc.

Gewinnanteil aus einer Band, einem Ensemble oder einem Orchester

Wenn du neben deiner Tätigkeit als Solist auch Gesellschafter einer Band, eines Ensembles oder einem Orchester bist, das in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts geführt wird (oder einer anderen Personengesellschaft), dann musst du diese Einkünfte mit dem Betrag ansetzen, der sich aus der gesonderten und einheitlichen Gewinnfeststellung ergibt. Im Prinzip, muss die Band ihren Gewinn genauso ermitteln wie du. Dein Gewinnanteil wird dir dann aus diesem Einnahmenüberschuss zugewiesen. Ich sehe oft, dass Musiker die Auszahlungen die sie als Gesellschafter einer Band erhalten einfach mit dem Auszahlungsbetrag als Honorar erfassen. Das ist falsch und führt zu sehr schmerzlichen Doppelversteuerungen.

Einige Ausnahmen zur allgemeinen Steuerpflicht gibt es. Diese Einnahmen sind dann nicht steuerpflichtig. Darunter fallen Stipendien, Preisgelder, Vergütungen, die unter den Übungsleiterpauschbetrag fallen und gelegentlich (also nur in Ausnahmefällen) Einkünfte aus einer Tätigkeit im Ausland.

Hier geht es zu den entsprechenden Blogartikeln:

Preisgelder und Stipendien

Übungsleiterpauschbetrag

Ausländische Einkünfte