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Welche Arbeitsmittel kannst du in der Einnahmen-Überschussrechnung als Ausgaben abziehen?

Alle Gegenstände, die erworben werden, um die Erzielung von Einkünften zu ermöglichen und zu sichern, stellen Arbeitsmittel dar und können steuerlich als Betriebsausgabe in Abzug gebracht werden. Zu den Arbeitsmitteln von Musikern gehören natürlich vorrangig die Musikinstrumente. Aber abhängig von der Form der Betätigung kann eine Vielzahl von Aufwendungen unter diesen Begriff gefasst werden.

Beispiele für Arbeitsmittel sind die folgenden:

  • Noten
  • Porto
  • Notenständer
  • Computer und Computerzubehör, Notebook, Tablet-PC
  • Telefon
  • Büromaterial wie Stifte, Papier, Aktenordner, Textmarker, Folien, Klammern
  • Taschen zum Transport von Noten und Musikinstrumenten
  • Aufnahmegeräte und sonstiges technisches Equipment
  • Einrichtungsgegenstände aller Art für einen Probenraum oder ein Tonstudio, sofern diese Gegenstände zur beruflichen Nutzung geeignet sind
  • Einrichtungsgegenstände für ein Arbeitszimmer, wie Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Lampe, Regale, Papierkorb, Taschenrechner, Diktiergerät, Kopierer, Fax usw.
  • Reparatur-, Wartungs- und Reinigungskosten von Arbeitsmitteln
  • Fachbücher, Fachzeitschriften, Software
  • Bildschirmbrille oder „Notenbrille“

Einrichtungsgegenstände für ein Arbeitszimmer kannst du grundsätzlich selbst dann als Betriebsausgabe ansetzen, wenn das Arbeitszimmer selbst gar nicht zum Ansatz kommt, da es einer Abzugsbeschränkung unterliegt. Allerdings gilt dies für bestimmte Objekte wie Bilder, Teppiche etc. nicht, wenn das Arbeitszimmer der Abzugsbeschränkung unterliegt.

Zur Anerkennung von Arbeitsmitteln als Betriebsausgabe musst du die Belege vorlegen. Es heißt also wieder: fleißig sammeln! Ohne die Vorlage von Belegen erkennen manche Finanzämter eine Arbeitsmittelpauschale in Höhe von 110 € an. Das ist aber in der Regel ein sehr geringer Ansatz.

Arbeitsmittel können auch dann als Betriebsausgabe abgezogen werden, wenn sie zuvor privat genutzt wurden oder du sie geschenkt bekommen hast. In diesem Falle kannst du die Gegenstände auf die betriebliche Nutzung umwidmen. Die Gegenstände sind dann mit ihrem Teilwert im Zeitpunkt der Umwidmung in den steuerlichen Unterlagen zu erfassen. Als Teilwert kannst du den Zeitwert der Gegenstände ansetzen. Entweder schätzt du diesen selbst anhand von Unterlagen aus dem Internet oder du lässt ihn durch einen Sachverständigen beurteilen. Dokumentiere den Wertansatz in deinen Steuerunterlagen ebenso wie die Umwidmung.

Wenn du also den Computer, den du beruflich nutzt, geschenkt bekommen hast oder die neue Videokamera, dann schätze, wie viel dieses Geschenk wohl wert ist und setze es mit diesem Betrag als Betriebsausgabe an.

Besonderheiten beim Abzug von mehrjährig nutzbaren Arbeitsmitteln

Die Regelungen über geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) und Sammelposten gelten hier ebenfalls. Das heißt, sofern ein Arbeitsmittel weniger als 800 € (netto) kostet, kann es sofort und vollumfänglich als Betriebsausgabe abgezogen werden.

Alternativ kommt ein Ansatz als Sammelposten in Betracht, sofern die Anschaffungskosten 250 € (netto), aber nicht 1.000 € (netto) übersteigen. Alle Wirtschaftsgüter, die in einem Jahr in dieser Preisklasse gekauft wurden, müssen zusammengefasst werden. Ihre Anschaffungskosten werden dann auf fünf Jahre verteilt. Du setzt also jedes Jahr 1/5 der Aufwendungen als Betriebsausgabe ab. Einen Sammelposten kannst du nur ansetzen, wenn du selbständig tätig bist. Für angestellte Musiker kommt dieser nicht zur Anwendung.

Die Anschaffungskosten von Arbeitsmitteln, die mehr als 800 € (netto) beziehungsweise 1.000 € (netto) gekostet haben, müssen auf die Jahre der Nutzung verteilt werden. Für einen Computer zum Beispiel sind dies regelmäßig drei Jahre. Diese Verteilung der Anschaffungskosten auf die Zeit der Nutzung wird im Steuerfachjargon als Abschreibung bezeichnet. Eine Besonderheit gibt es hier noch: Wenn du zum Beispiel den Computer im August gekauft hast, dann darfst du nur 5/12 der Jahresabschreibung im ersten Jahr vornehmen. Im zweiten und dritten Jahr schreibst du den vollen Jahresbetrag ab und im vierten Jahr kannst du dann noch die restlichen 7/12 Abschreibung vornehmen.

Für die Anschaffungskosten eines Computers hieß dies bis zum 31.12.2020 konkret:

Lagen die Anschaffungskosten des Computers unter 800 € (netto), dann setzt du ihn direkt voll als Betriebsausgabe ab. Du kannst dann keinen Sammelposten für Wirtschaftsgüter bilden, die zwischen 250 € (netto) und 1.000 € (netto) gekostet haben. Wenn du ein GWG ansetzt, kannst du in diesem Jahr keinen Sammelposten mehr bilden.

Lagen die Anschaffungskosten für den Computer über 800 € (netto), aber unter 1.000 € (netto), kannst du die Kosten auf drei Jahre verteilen, obwohl er eigentlich eine Position für den Sammelposten wäre. Sofern du den Computer einzeln ansetzt und auf drei Jahre abschreibst, darfst du für alle anderen Wirtschaftsgüter, die du in diesem Wirtschaftsjahr angeschafft hast und die mehr als 250 € (netto), aber weniger als 1.000 € (netto) gekostet haben, keinen Sammelposten bilden. Du hast dann die Möglichkeit, alle Arbeitsmittel, die unter 800 € (netto) gekostet haben, sofort steuermindernd anzusetzen. Für alle, die mehr gekostet haben, werden die Anschaffungskosten oder der Einlagewert auf die Jahre der Nutzung verteilt.

Lagen die Anschaffungskosten für den Computer über 1.000 € (netto), verteilst du die Kosten auf drei Jahre. Für die anderen Wirtschaftsgüter, die zwischen 250 € (netto) und 1.000 € (netto) gekostet haben, kannst du einen Sammelposten bilden oder du kannst alle, die weniger als 800 € (netto) gekostet haben als GWG sofort absetzen.

Scholzabschreibung für Computerhardware

Für Computerhardware, die in Wirtschaftsjahren angeschafft werden, die nach dem 31.12.2020 enden, kann der Computer vollkommen im Jahr der Anschaffung abgeschrieben werden. Für Computer, die in früheren Jahren angeschafft wurden und noch nicht ganz abgeschrieben sind, kann die noch nicht vorgenommene Abschreibung im Jahre 2021 voll durchgeführt werden. Dies ist aber ein Wahlrecht. Es muss nicht so gemacht werden.

Was ist bei privater Mitbenutzung?

Grundsätzlich können Arbeitsmittel nur dann in vollem Umfang, also mit 100 % der Kosten, als Betriebsausgabe steuermindern wirken, wenn die private Mitbenutzung des Gegenstands so gut wie ausgeschlossen ist. Dies ist in der Regel bei einer privaten Nutzung von unter 10 % anzunehmen.

Bei einigen Wirtschaftsgütern haben der Bundesfinanzhof und auch die Finanzverwaltung eine gemischte Nutzung (privat und beruflich) grundsätzlich zugelassen. Dies ist etwa beim Computer, beim häuslichen Arbeitszimmer, beim Telefon und bei den Reisekosten der Fall. Dies bedeutet, dass du nur den beruflich genutzten Anteil der Kosten als Betriebsausgaben abziehen darfst, aber immerhin. Nutzt du also einen Computer zum Beispiel zu 50 % beruflich und zu 50 % privat, dann kannst du 50 % der Kosten absetzen. Dies gilt auch für eine Videokamera, ein Handy etc. Die Grenze nach unten ist dann erreicht, wenn du einen Gegenstand zu weniger als 10 % beruflich nutzt. Dann kannst du gar keine Kosten mehr absetzen.

Wo eintragen in der Anlage EÜR?

Arbeitsmittel werden in einer Summe in der Zeile 57 der Anlage EÜR eingetragen.

Krankheitskosten

Voller Abzug von Krankheitskosten als Betriebsausgabe?

Krankheitskosten können grundsätzlich nur in engem Rahmen steuerlich geltend gemacht werden. Vorgesehen ist allgemein nur die Berücksichtigung als außergewöhnliche Belastung. Dies hat den Nachteil, dass die Aufwendungen nur dann steuerlich zum Tragen kommen, wenn ein sogenannter Selbstbehalt überschritten wird. Dieser ergibt sich in Abhängigkeit der Einkommenshöhe. Wurden nur relativ geringe Krankheitskosten in einem Jahr aufgewendet, dann können diese in der Regel nicht steuerlich berücksichtigt werden. Aus steuerlicher Sicht ist es deshalb ganz allgemein sinnvoll, Krankheitskosten in einem Jahr zusammenzuballen. Dann ist die Chance einer steuerlichen Berücksichtigung zumindest eines Teils der Kosten höher. Es empfiehlt sich also zum Beispiel: Wenn in einem Jahr Zahnersatzkosten anfallen, solltest du darüber nachdenken, auch gleich noch eine neue Brille zu kaufen.

Typische Berufskrankheit

Dagegen sind Kosten, die im Zusammenhang mit einer typischen Berufskrankheit stehen, in vollem Umfang als Betriebsausgabe abziehbar. Das Gleiche gilt, wenn der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht, es sich aber nicht (noch nicht) um eine allgemein anerkannte typische Berufskrankheit handelt. Dies wird vom obersten Finanzgericht beispielsweise bei einem Sportunfall eines Profifußballers als gegeben angesehen. Auch stimmtherapeutische Übungen einer Lehrerin werden als Kosten zur Minderung einer Berufskrankheit anerkannt.

Für Musiker gibt es spezielle Urteile betreffend die Abziehbarkeit von Krankheitskosten. In einem Urteil aus dem Jahre 2010 hat das Finanzgericht Sachsen einer Geigerin ermöglicht, die Kosten für die Behandlung ihrer Verspannungen und ihrer schmerzbedingten Fehlhaltung der Wirbelsäule als Betriebsausgabe abzusetzen – dies sogar, obwohl die behandelte Krankheit nach dem Sozialgesetzbuch nicht als Berufskrankheit eingestuft wird. Die Klägerin hatte zur Linderung des bei Geigern häufig auftretenden Impingement-Syndroms eine speziell auf ihre Beschwerden abgestellte therapeutische Behandlung nach der Mensendieck-Methode angewandt. Die entsprechenden, unstrittig entstandenen Kosten versuchte sie, steuerlich als Betriebsausgaben geltend zu machen. Mit Erfolg: Das Finanzgericht erkannte diese Behandlungskosten als Fortbildungskosten an und ließ sie vollumfänglich zum Abzug zu. Nach Ansicht des Gerichts konnte die Musikerin ihre Geigenspieltätigkeit verbessern und erhalten.

Was tust du, wenn du Krankheitskosten hast?

Falls du ähnliche Krankheitskosten hast, berufe dich auf dieses Urteil mit folgendem Satz in einem Anschreiben an dein Finanzamt: Die Kosten der Behandlung meiner berufsbedingten Krankheitskosten (zum Beispiel Verspannungsprobleme in der Schulter/ Rücken/ sonst wo) habe ich gemäß Urteil vom Finanzgericht Sachsen, AZ 5 K 435/06, als Fortbildungskosten angesetzt.

Fast im selben Tenor erging auch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) über die Anerkennung von Kosten für eine Dispokinese und Kosten für Krankengymnastik zur Beseitigung berufsbedingter Verspannungen einer Geigerin. Auch hier wurde der Abzug zugelassen, sofern ein direkter Zusammenhang zwischen dem Beruf und der Erkrankung festgestellt werden kann. Das maßgebliche Urteil kannst du ebenfalls in einem Schreiben ans Finanzamt anführen. Hier ist auf das BFH-Urteil vom 11.7.2013, IV R 37/12, BStBl. II 2013, S. 815 hinzuweisen.

Etwas weniger eindeutig, aber dennoch hilfreich hat der BFH in einem weiteren Urteil diese Auffassung bestätigt (BFH-Urteil vom 9.11.2015, VI R 36/13, BFH/NV 2016, S. 194). Im Leitsatz aus diesem Urteil ist zu lesen:

„Aufwendungen, die ein berufstätiger Steuerpflichtiger für seine Gesundheit macht, können nur dann als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit berücksichtigt werden, wenn die Entstehung der Krankheit, wie etwa bei sogenannten typischen Berufskrankheiten, wesentlich durch den Beruf mitbedingt ist oder wenn im Einzelfall der Zusammenhang zwischen dem Beruf und der Entstehung der Erkrankung offenkundig ist.“

Insgesamt ist also festzuhalten, dass es gesicherte laufende Rechtsprechung ist, dass Krankheitskosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden können. Dafür musst du nachweisen, dass es sich entweder um eine Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen Beruf und Entstehung der Erkrankung offenkundig ist. Es ist also wichtig, diese Zusammenhänge zu dokumentieren und zu deinen Steuerunterlagen zu nehmen.

Tipp

Sprich mit deinem Arzt oder deiner Krankenkasse und recherchiere im Internet, um diesen Kausalzusammenhang zwischen der Erkrankung, deren Heilungskosten du selbst getragen hast, und deinem Beruf zu dokumentieren. Nimm entsprechende Dokumente zu deinen Steuerunterlagen, um das Finanzamt zu überzeugen. Setze diese selbstgetragenen Kosten als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten insgesamt steuermindernd an und begründe diese Vorgehensweise in einem Anschreiben an das Finanzamt mit Hinweis auf die oben genannten Urteile. Dem Schreiben fügst du die Dokumente bei, die den Zusammenhang aufzeigen.

Sollte es dir nicht gelingen, diesen Zusammenhang nachzuweisen, kommt ein Abzug der selbstgetragenen Krankheitskosten als Betriebsausgaben/Werbungskosten nicht in Betracht. In diesem Fall erfasst du die gesamten Kosten im Bereich der außergewöhnlichen Belastungen. Hier kommen allerdings nur die Kosten letztlich steuermindernd zum Ansatz, welche die sogenannte zumutbare Belastung übersteigen. Das ist aber noch immer besser als nichts.

Können Honorare begleitender Künstler als Betriebsausgaben abgezogen werden?

Honorare, die du an begleitende Künstler bezahlst, stellen zum Teil eine ganz beträchtliche Ausgabe dar. Wenn du persönlich zum Beispiel beauftragt wirst, einen Liederabend in Begleitung eines Pianisten durchzuführen, dann erhältst du vom Veranstalter ein Gesamthonorar, das du als Einnahme erfassen musst. Im Gegenzug zahlst du ein Honorar an den Pianisten. Dieses Honorar kannst du als Betriebsausgabe von deiner steuerlichen Bemessungsgrundlage abziehen. Diese steuerliche Handhabung ergibt sich dann, wenn du mit diesem Pianisten nur gelegentlich spielst, hin und wieder aber auch mit einem anderen Pianisten. Sofern du aber dauerhaft mit einem Pianisten als Duo auftrittst, bildest du mit diesem Pianisten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und in diesem Fall ergeben sich ganz andere steuerliche Folgen. Diese kannst du im Blogbeitrag „Musikgruppen und Co.“ nachlesen.

Die grundsätzliche Abzugsfähigkeit dieser Honorarzahlungen steht außer Frage. Problematisch ist hier vor allem die konkrete wirtschaftliche/ finanzielle Abwicklung. Die Gestaltung dieser Abwicklung kann zur Versagung des Betriebsausgabenabzugs führen.

Was wird häufig falsch gemacht?

Sehr oft wird der Honorarbetrag einfach bar über den Tisch geschoben, ohne über einen Nachweis der Bezahlung nachzudenken. Für die steuerliche Abzugsfähigkeit ist es jedoch entscheidend, dass du eine Rechnung oder Quittung bekommst. Rechnungen müssen bestimmte Inhalte haben. Bitte lies dazu im Blogbeitrag „Rechnungsinhalte“ nach. Sofern der Honorarbetrag unter 250 € liegt, reicht eine Quittung. Diese muss weniger Inhaltsangaben aufweisen als eine Rechnung. Es muss nur

  • der Leistende mit Namen und Anschrift erkennbar sein, nicht jedoch der Leistungsempfänger,
  • das Ausstellungsdatum enthalten sein,
  • die Art und Menge der gelieferten Produkte und Dienstleistungen erkennbar sein und
  • der Bruttopreis sowie der Steuersatz angegeben sein. Ein getrennter Ausweis der Umsatzsteuer ist nicht notwendig.

Sehr hilfreich ist es auch, wenn du Honorare nicht bar bezahlst, sondern über dein Bankkonto. Da ein Vorsteuerabzug für dich als Künstler i.d.R. nicht von entscheidender Bedeutung ist (vergleiche dazu den Blogbeitrag „Umsatzsteuerfreiheit für Musiker“), kann ein Nachweis der Honorarzahlung über das Bankkonto häufig den Abzug noch retten, wenn keine Quittung vorliegt.

Honorare begleitender Künstler trägst du in Zeile 27 der Anlage EÜR als Fremdleistungen ein.

Fragen zur Künstlersozialabgabe auf die Honorare begleitender Künstler

Ein sehr wichtiger Punkt, der sehr häufig übersehen (oder ignoriert) wird, ist die Künstlersozialabgabe, die auf Honorarzahlungen an selbstständige Künstler fällig wird. Es gibt drei Gründe dafür, wann du die Künstlersozialabgabe auf die Honorare abführen musst:

  1. Du bist ein sogenannter typischer Verwerter. Das sind Theater, Orchester, Verlage, etc., also Auftraggeber, die regelmäßig selbstständige Künstler beauftragen. Diese müssen von Anfang an auf alle Honorare die Künstlersozialabgabe bezahlen.
  2. Dann gibt es die sogenannten Eigenwerber. Wenn du für dich selbst Werbung machst und dafür Künstler beauftragst (zum Beispiel Grafikdesigner), dann wird schon ab einem Honorar an einen Künstler, die Künstlersozialabgabe fällig, wenn dieses Honorar 450 € übersteigt.
  3. In allen anderen Fällen gelegentlicher Auftragserteilung greift die sogenannte Generalklausel. Diese Auftraggeber müssen die Künstlersozialabgabe abführen, wenn sie mehr als drei Aufträge vergeben haben und das Gesamtvolumen der Aufträge 450 € übersteigt.

Wenn du also aus der Künstlersozialabgabe rauskommen willst, weil du nur sehr selten Aufträge an begleitende Künstler bezahlst, dann kommt nur Fall drei in Betracht. In allen anderen Fällen musst du die Künstlersozialabgabe abführen. Die Künstlersozialabgabe beträgt seit 2018 4,2 % auf die bezahlten Honorare (auch in 2022 weiterhin). Die Abgabe muss spätestens am 31.3. des Folgejahres an die Künstlersozialkasse gemeldet werden. Alle nötigen Informationen dazu findest du auf der Homepage der Künstlersozialkasse, auch das Meldeformular  (https://www.kuenstlersozialkasse.de/fileadmin/Dokumente/Mediencenter_Unternehmer_Verwerter/Anmeldeunterlagen_und_Meldebogen/Meldebogen_zur_Angabe_abgabepfl._Entgelte_2019.pdf).

An mich wird häufig die Frage herangetragen: Muss ich denn Künstlersozialabgabe für Honorare an Künstler bezahlen, die mich begleiten?

Mein Auftraggeber hat doch diese Abgabe schon auf mein Honorar bezahlt! Das ist leider der Fall und ist bei der Künstlersozialabgabe als Kaskadeneffekt bekannt. Wenn ein Auftraggeber an dich als freischaffenden Künstler einen Auftrag erteilt, muss er 4,2 % Künstlersozialabgabe bezahlen. Wenn du für die Erbringung dieses Auftrags wiederum Künstler beauftragst, dann musst auch du auf die Honorare an diese Künstler Künstlersozialabgabe bezahlen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die künstlerische Leistung nicht transformiert wird – wenn du also die Leistung deines Unterauftraggebers nicht umwandelst. In der Regel wird es allerdings so sein, dass der dich begleitende Künstler Klavier spielt und dich begleitet. Du erbringst aber eine Leistung als Duo. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Leistungen, für die zweimal Künstlersozialabgabe anfällt. Das ist sehr ärgerlich. Sie lässt sich durch die Ausgestaltung einer GbR vermeiden. Bitte lies dazu den Blogbeitrag „Musikgruppen und Co.“.

Eine Befreiung wie bei hintereinandergeschalteten Auftraggebern beim Steuerabzug gemäß § 50a Einkommensteuergesetz (EStG) gibt es nicht.

Auch die Abzugsteuer für ausländische Künstler darfst du nicht vergessen!

Zusätzlich zur Künstlersozialabgabe kommt für die Honorarzahlungen an ausländische Künstler noch der Einbehalt und die Abführung der sogenannten Abzugsteuer gemäß § 50a EStG zur Anwendung. Du bist verpflichtet, auf Vergütungen, die im Ausland wohnhafte Künstler für im Inland ausgeübte künstlerische, artistische, unterhaltende und ähnliche Darbietungen erhalten, die Abzugsteuer in Höhe von 15% zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag einzubehalten und an das Bundeszentralamt für Steuern abzuführen. Nach derzeitigem Stand ist auch ab 2021 der Solidaritätszuschlag auf die Abzugsteuer weiter zu erheben. Ersetzte oder übernommene Reisekosten gehören dann nicht zu den Vergütungen, wenn es sich um

  • Fahrt- und Übernachtungskosten handelt und nur die tatsächlich angefallenen Kosten bezahlt werden, oder
  • wenn es sich um Verpflegungspauschalen handelt und die gesetzlichen Pauschbeträge nicht überschritten werden.

Von der Verpflichtung zur Einbehaltung der Abzugsteuern gibt es vier Ausnahmen:

  1. Es handelt sich um Bagatellfälle, bei denen ein Honorar in Höhe von 250 € je Darbietung nicht überschritten wurde.
  2. Es handelt sich um eine Vergütung auf der zweiten Stufe, das heißt, der Gläubiger der Vergütung hat seinerseits Steuern für Rechnung eines anderen beschränkt steuerpflichtigen Gläubigers einzubehalten. Dann kann er vom Steuerabzug absehen, wenn seine Einnahmen bereits dem Steuerabzug unterlegen haben. Das bedeutet, dass ein Kaskadeneffekt wie bei der Künstlersozialabgabe nicht eintreten kann.
  3. Die Einnahmen sind gemäß Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) von der Abzugsteuer befreit. Allerdings sehen praktisch alle deutschen DBA in der Regel in Art. 17 vor, dass der Staat, in dem die Darbietung stattfindet, die Quellensteuer einbehalten darf. Das DBA sieht also eben keine Befreiung vor.
  4. Es greift die Befreiung nach dem Kulturorchestererlass. Danach werden ausländische Kultureinrichtungen dann vom Steuerabzug freigestellt, wenn ihr Auftritt im Inland im Wesentlichen aus inländischen oder ausländischen öffentlichen Mitteln gefördert wird.
    1. Kulturvereinigungen sind alle Gruppen, die eine künstlerische Gemeinschaftsleitung darbieten und keine Solisten oder solistisch besetzten Ensembles (Duo, Trio, Quartett) darstellen.
    2. Eine wesentliche Förderung aus öffentlichen Mitteln, in- oder ausländisch, liegt dann vor, wenn diese Förderung ein Drittel der Kosten des Auftritts im Inland deckt.

      Angestellte Mitglieder von Kulturorchestern sind grundsätzlich vom Steuerabzug befreit.

Zuständig für diese Freistellung ist das Finanzamt des Bezirks, in dem die Kulturvereinigung zu Beginn der Gastspielreise zuerst auftritt.

Sofern der Schuldner der Vergütungen Aufwendungen abziehen möchte, die in unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang mit den Einnahmen stehen, kommt auf den Nettobetrag für natürliche Personen ein Einkommensteuersatz von 30 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag zur Anwendung. Für Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen verbleibt es bei den 15 % Einkommensteuer zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag. Dies kann häufig eine hilfreiche Methode zur Vermeidung der Abzugsteuer sein, wenn die Honorarzahlung insbesondere in einer Aufwandsentschädigung für die Veranstaltungskosten besteht.

Gibt es Betriebsausgaben-Pauschalen für Musiker?

Ja, aber nur in sehr geringem Umfang

Für Musiker besteht nur in sehr geringem Umfang die Möglichkeit zu einem pauschalen Betriebsausgabenabzug. Nur wenn du eine künstlerische Tätigkeit im Nebenberuf ausübst, kann ein Pauschbetrag von 25 % der Betriebseinnahmen maximal 614 € pro Jahr als Betriebsausgabenpauschale abgezogen werden. Sofern diese Pauschale gewählt wird, können keine weiteren Betriebsausgaben im Zusammenhang mit den nebenberuflichen Einkünften geltend gemacht werden.

Wann eine nebenberufliche Tätigkeit vorliegt, ist in dieser Vorschrift nicht genau definiert. In Anwendung der Hinweise zum Übungsleiterpauschbetrag ist jedoch davon auszugehen, dass eine Tätigkeit, die nur zu einem Drittel der normalen wöchentlichen Arbeitszeit ausgeübt wird, als nebenberuflich angesehen werden kann.

Muss ich die Pauschalen anwenden?

Die Anwendung der Pauschale ist ein Wahlrecht. Aus diesem Grunde solltest du immer für alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit deiner beruflichen Tätigkeit stehen, Belege sammeln. Im Rahmen der Erstellung der Steuererklärung kannst du dann berechnen, ob die tatsächlichen Ausgaben für diese nebenberufliche Tätigkeit höher sind als die Pauschale. Den höheren der beiden Beträge setzt du im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) an. Bei Musikern sind die Aufwendungen oft ohnehin höher als die Höchstgrenze von 614 €. Reisekosten, Instandhaltungskosten der Instrumente und Fachliteratur addieren sich schnell zu einem ordentlichen Betrag. Deshalb ist die Anwendung der Pauschale meist nicht sinnvoll und nur eine Notlösung. Für andere Berufsgruppen, wie beispielsweise Schriftsteller oder Journalisten, kann das anders aussehen.

Eine Betriebsausgabenpauschale für eine hauptberufliche Tätigkeit als Musiker gibt es leider nicht. Nur wenn du hauptberuflich als Schriftsteller oder Journalist tätig bist, kannst du eine Pauschale in Höhe von 30 %, maximal 2.455 €, geltend machen.

Einzutragen sind Betriebsausgabenpauschalen in der Zeile 23 der Anlage EÜR.