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1.5 | Digitale Belegorganisation für die Finanzverwaltung

Die Welt verschiebt sich immer mehr ins Internet und auf elektonische Wege. Auch die Steuererklärung ist zwischenzeitlich elektronisch einreichbar. Belege müssen in der Regel nicht mehr eingereicht werden, es sei denn, das Finanzamt fragt nach. Dann können Belege zwischenzeitlich per email an die meisten Finanzämter elektronisch verschickt werden.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, darf ich meine Steuerbelege elektronisch aufbewahren oder muss ich es sogar? Und falls ja, welche Anforderungen sind an dieses Aufbewahrungssystem zu stellen?

Die digitale Erfassung von Belegen ist nicht nur im Hinblick auf das Finanzamt von Interesse, sondern auch für dich selbst. Sofern du auf deine Belege immer schnell über den Computer zugreifen kannst, ist das auch für dich sehr effizient. Denke zum Beispiel an Verträge, die du mit Auftraggebern abgeschlossen hast. Auf diese willst du ja sicher auch auf Dienstreisen zugreifen können. Wenn du sie dann direkt zur Hand hast – wunderbar!

Belege die du elektronisch erhalten hast

Belege, die du elektronisch erhalten hast, per email, oder als Zugriff auf persönliche Konten auf der Internetseite des Lieferanten, musst du in dem Format aufbewahren, in dem du sie empfangen hast. Dies gilt im hier interessierenden Zusammenhang zum Beispiel für Bankauszüge, Telefonrechnungen aber auch Rechnung von Internetanbietern wie amazon.

Nicht korrekt ist hier, die Belege auszudrucken und dann nur die gedruckten Belege aufzubewahren. Vielmehr musst du den ursprünglichen elektronischen Beleg speichern und über den Zeitraum der Aufbewahrungspflicht sichern und lesbar erhalten.

Das ist vielen gar nicht so klar. Das Ausdrucken kannst du dir aus Sicht der Finanzbehörde sparen.

Solltest du die Rechnung per email erhalten, musst du die email nur dann speichern, wenn sie neben der Rechnung wichtige Informationen für die Buchhaltung enthält. Dann aber musst du sie speichern und mit dem eigentlichen Beleg ablegen.

Belege, die du elektronisch erstellt hast

Wenn du selbst deine Rechnungen mit Hilfe eines Rechnungserstellungsprogrammes erstellst, dann musst du die Rechnungen dann nicht in Papierform bringen und archivieren, wenn die Rechnung durch das Programm so gesichert ist, dass sie nicht verändert werden kann. In diesem Fall entfällt die Notwendigkeit eines Ausdruckes. Entscheidend ist, die Rechnung in dem Programm über den gesamten Zeitraum der Aufbewahrungsfrist lesbar zu halten. Schlecht ist es, wenn du das Programm wechselst und damit die alten Rechnungen nicht mehr lesbar sind.

Wenn du deine Rechnungen über Word- oder Excel erstellst, ist diese Unveränderbarkeit natürlich nicht gegeben. Hier wäre es richtig, das Dokument zu drucken und zu archivieren. Alternativ kannst du die Rechnung auch in ein PDF umwandeln und als solches speichern. Bitte achte beim Speichern darauf, dass die Datei einen Namen erhält, mit dem man den Inhalt des Dokumentes leicht identifizieren kann.

Belege, die du in Papierform bekommen hast

Wenn auch der Digitalisierungsprozess rasant voranschreitet, gibt es doch noch immer viele Rechnungen und Quittungen, die in Papierform ins Haus flattern.

Diese kannst du natürlich scannen und in einer Datei ablegen, wenn du deine Buchhaltungsunterlagen insgesamt in digitaler Form führen möchtest. Die Frage ist, darfst du das Original wegwerfen oder nicht.
Hier hat sich das Finanzamt ganz was Tolles einfallen lassen. Du darfst den Ursprungsbeleg wegwerfen, wenn du eine sog. Verfahrensdokumentation über den Digitalisierungsprozess erstellt hast. Das nennt man ersetzendes Scannen. Und diese Verfahrensdokumentation hat es in sich.

Es gibt zwar immer wieder den schönen Satz im maßgeblichen Schreiben des Bundesfinanzminiseriums Tz 136: „Die konkrete Ausgestaltung dieser Verfahrensdokumentation ist abhängig von der Komplexität und Diversifikation der Geschäftstätigkeit und der Organisationsstruktur sowie des eingesetzten DV-Systems“. Das soll wohl heißen, dass wenig komplexe Unternehmen, sich etwas kürzer fassen dürfen.

Verfahrensdokumentation

In der Verfahrensdokumentation muss aber auf jeden Fall beschrieben werden:

  • wer erfassen darf,
  • zu welchem Zeitpunkt erfasst wird oder erfasst werden soll (z. B. beim Posteingang, während oder nach Abschluss der Vorgangsbearbeitung),
  • welches Schriftgut erfasst wird,
  • ob eine bildliche oder inhaltliche Übereinstimmung mit dem Original erforderlich ist,
  • wie die Qualitätskontrolle auf Lesbarkeit und Vollständigkeit und
  • wie die Protokollierung von Fehlern zu erfolgen hat.

Die Verfahrensdokumentation beginnt mit dem Erhalt der Rechnung oder Quittung, muss auch die Weiterleitung an einen gegebenenfalls eingeschalteten Steuerberater beinhalten und endet mit der endgültigen Ablage des Beleges.

Das Finanzamt legt hier großen Wert auf Kontrolle des Scan-Prozesses. Das ist bei einem Soloselbständigen natürlich etwas schwierig. Aber dennoch solltest Du Überprüfungen einbauen.

Alternativ: Originalbelege doch behalten

Wenn dir die Erstellung einer Verfahrensdokumentation zu umständlich oder zu unsicher ist, kannst du auch die Originalbelege in einer vereinfachten Form aufbewahren. Z.B. kannst du alle Belege nach Ihrem Rechnungsdatum chronologisch in einem Ordner ablegen.

Für die Ordnungsmäßigkeit einer Buchhaltung ist es wichtig, dass man schnell von den Belegen die Buchung finden kann und von der Buchung den Beleg. Wenn dies aufgrund einer überschaubaren Menge von Belegen im Wege einer Ablage nach Rechnungsdatum schnell und sicher möglich ist, dann spricht nichts gegen diese Ablageform.

Quittungen auf Thermopapier

Quittungen auf Thermopapier haben die ungeschickte Eigenschaft, dass sich die Schrift im Zeitablauf oft auflöst. Aus diesem Grunde ist es schon aus Datensicherungsgründen erforderlich, diese Belege zu scannen und elektronisch zu sichern. Das Fehlen des Originalbeleges ist hier in der Regel unschädlich, auch wenn keine Verfahrensdokumentation besteht.

Ablagesystem digitaler Belege

Für die Finanzverwaltung ist es wichtig, dass sie notfalls schnell von einem Beleg auf die Buchungen zugreifen kann (progressive Prüfung) oder von der Buchung auf den Beleg (retrograde Prüfung). Aus diesem Grunde musst du auch deine digitale Ablage so organisieren, dass das gewährleistet ist.

Empfehlenswert ist deshalb, die digitalen Belege in entsprechenden Unterordnern abzulegen, die direkt erkennen lassen, um was es sich handelt. Beispielsweise Telefonrechnungen oder Bankauszüge. Der Name der Datei sollte immer darauf schließen lassen, was sich hinter dem Dokument verbirgt. Die meisten Scanprogramme vergeben Zahlencodes als direkten Dateinamen. Das ist nicht hilfreich. Du solltest diesen abändern und zum Beispiel den Lieferanten und die Rechnungsnummer hier einfügen.

Gründungsfragebogen Beitragsbild

1.3 | Meistere den Gründungsfragebogen

Sobald du eine selbständige Tätigkeit aufnimmst, solltest du dich beim Finanzamt anmelden und regelmäßig eine Einkommen- und eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Die zeitnahe Bearbeitung aller steuerlichen Pflichten schafft Klarheit und Sicherheit. Du kannst nicht durch die Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen für zurückliegende Jahre überrascht werden. Das ist sehr beruhigend und hält den Kopf frei für die künstlerische Tätigkeit.

Es kann sein, dass du dir auf diese Weise etwas unnötige Arbeit machst, weil du als Selbständiger Steuererklärungen abgibst, obwohl du gar nicht zur Abgabe verpflichtet wärst, zum Beispiel, weil deine Einkünfte zu Beginn deiner Tätigkeit noch unter dem Grundfreibetrag liegen. In der Regel ist es aber schwierig, den Moment zu erwischen, wo deine Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigen. Wenn du diesen Moment versäumst, steckst du schon in der Zwickmühle. Du hast nämlich keine Lust mehr, deine steuerlichen Angelegenheiten anzugehen, weil du bereits erhebliche Steuernachzahlungen befürchtest.

Unter dem Blogartikel: 3.5. Der Gründungsfragebogen führe ich dich Schritt für Schritt durch den Fragebogen. Damit sollte es eigentlich ein Kinderspiel sein.

1.4 | Fristen, Fristen, Fristen

Einkommensteuer

Abgabe der Steuererklärung:

Ohne steuerliche Beratung: 31. Juli des Folgejahres

Mit steuerlicher Beratung: 28. Februar des übernächsten Jahres.

Aufgrund der Coronapandemie kann es hier noch zu einer Verlängerung der Frist kommen, wie beispielsweise für die Steuererklärung 2020, die ohne steuerliche Beratung bis zum 31.10.2021 einzureichen war und mit steuerlicher Beratung bis zum 31..5.2022. Derzeit ist eine derartige Fristverlängerung aber noch nicht gewährt worden.

Termine für die Einkommensteuervorauszahlungen:

10.3., 10.6., 10.9., 10.12 eines jeden Jahres

Umsatzsteuer

Abgabe der Steuererklärung

Ohne steuerliche Beratung: 31. Juli des Folgejahres

Mit steuerlicher Beratung: 28. Februar des übernächsten Jahres.

Zahlung einer Umsatzsteuerschuld auf Basis der Umsatzsteuerjahreserklärung:

Innerhalb eines Monats nach Abgabe der Steuererklärung, ohne auf eine Aufforderung/ Bescheid zu warten.

Umsatzsteuervoranmeldungen:

Monatlich:

10.1., 10.2., 10.3., 10.4., 10.5., 10.6., 10.7., 10.8., 10.9., 10.10., 10.11., 10.12.

Quartalsweise:

  1. Quartal               10.4.
  2. Quartal                10.7
  3. Quartal                10.10.
  4. Quartal                10.1. des Folgejahres

Gewerbesteuer

Abgabe der Steuererklärung:

Ohne steuerliche Beratung: 31. Juli des Folgejahres

Mit steuerlicher Beratung: 28.2. des übernächsten Jahres.

Gewerbesteuervorauszahlungen:

15.2., 15.5., 15.8., 15.11. eines jeden Jahres

1.2 | Finanzen sicher im Griff

Mit Steuerrücklagen behältst du deine Finanzen sicher im Griff.

Nach 15 Jahren Erfahrung im Bereich der Beratung von selbständigen Künstlern und Gewerbetreibenden kann ich dir nur dringendst raten: Lege aus jeder Einnahme einen bestimmten Betrag für die Steuerzahlungen zurück. Schiebe das nicht vor dir her, sondern zweige diesen Betrag sofort ab und lege ihn auf ein entsprechendes (möglichst kostenfreies) Unterkonto deines Girokontos.

Einkommen unter dem Grundfreibetrag

Nur wenn du nach einer gründlichen Ermittlung deiner Einkünfte für das Jahr davon ausgehen kannst, dass dein Einkommen den gesetzlichen Grundfreibetrag für dieses Jahr nicht übersteigen wird, brauchst du keine Steuerrücklage zu bilden. Der Grundfreibetrag für das Jahr 2021 liegt bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 9.744 € für Ledige und 19.488 € für Verheiratete.  Für das Jahr 2022 steigt der Grundfreibetrag auf 9.984 € für Singels und 19.968 € für Verheiratete. Das zu versteuernde Einkommen ermittelt sich als Summe aller Einkünfte aus den verschiedenen Einkünftekategorien (Selbständige Einkünfte, nichtselbständige Einkünfte, Einkünfte aus Gewerbebetrieb, eventuell vorhandene Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, etc.) abzüglich verschiedener sonstiger Beträge, wie beispielsweise Renten- und Krankenversicherungen, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen.

Rücklagenbildung im Einzelnen

Nach Überschreiten des Grundfreibetrags beginnt der Grenzsteuersatz bei 14% und steigt relativ rasch an, bis er bei einem zu versteuernden Einkommen von 57.918 € 42% erreicht (Spitzensteuersatz). Ab einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 274.613 € kommt die Reichensteuer zur Anwendung, d.h. der Steuersatz steigt auf 45%. Dazu kommen ggf. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Der Solidaritätszuschlag entfällt ab 2021 für die meisten Steuerpflichtigen. Bis zu einem Einkommensteuerbetrag für Ledige in Höhe von 16.596 € beziehungsweise 33.912 € für Verheiratete fällt kein Solidaritätszuschlag mehr an. Danach beginnt eine Überganszone in der der Solidaritätszuschlag gemindert beginnt. Erst bei Überschreiten einer Einkommensteuer in Höhe von 96.409 € (Ledige) beziehungsweise 192.818 € (Verheiratete) fällt der Solidaritätszuschlag weiterhin in Höhe von 5,5% auf die Einkommensteuer an.

Versuche dieser Staffelung durch die Bildung entsprechender Rücklagen Rechnung zu tragen. Schätzt du deine Einnahmen auf einen Betrag zwischen 10.000 € und 20.000 € an Einnahmen, würde ich 10% jeder Einnahme zurücklegen, ab 30.000 € erwarteten Einnahmen bilde eine Rücklage von jeweils 15% jeder Einnahme und ab erwarteten 40.000 € 20% etc., bis du dann den Spitzensteuersatz von 42% zuzüglich Kirchensteuer und ggf. Solidaritätszuschlag erreicht hast. Mit Einnahmen meine ich hier wirklich die Einnahmen die du bekommst, also das konkrete Konzerthonorar. Das ist am einfachsten. Dann brauchst du nicht lange herumzurechnen.

Rücklagenkonto

Auch wenn es hart ist, solltest du immer direkt diese Teile des Einkommens auf ein extra Unterkonto deines Bankkontos zurücklegen, das du nur für Steuerzahlungen verwendest. Es ist sehr wichtig, dass du immer in dem Jahr das Geld für die Steuer zurücklegst, in dem diese Steuer auch verursacht wurde. In Zeiten der Coronapandemie muss ich nicht näher ausführen, wie schnell es passieren kann, dass der Umsatz einbricht. Zum einen weißt du dann nicht mehr, wovon du deine Brötchen zahlen sollst. Darüber hinaus musst du auch noch die Steuern aus Vorjahren zahlen. Auch wenn du die Steuerzahlungen stunden kannst, baut sich schnell ein Schuldenberg vor dir auf.

Achte möglichst darauf, dass das Rücklagenkonto für die Steuer keine Extrakosten in der Form von Bankgebühren verursacht. Die Kontoführungsgebühren addieren sich im Laufe der Zeit nämlich auch ganz ordentlich auf. Ein Unterkonto für dein laufendes Girokonto ist in der Regel kostenfrei. Versuche möglichst auch ein kostenfreies Girokonto zu finden oder wenigstens eines, das möglichst geringe Kontoführungsgebühren verursacht.

Die Nachzahlungsfalle

Wenn du keine Rücklagen bildest, droht die klassische Nachzahlungsfalle. Folgender Beispielsfall soll sie verdeutlichen:

Fred Mustermann hat im Jahre 2019 sehr gut verdient. Er hat ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 42.000 € erzielt. Einen Teil dieses Einkommens hat er auch auf ein extra Konto für Zwecke der Steuerzahlung zurückgelegt: 5.000 €. Im Jahr 2020 hat er wieder genau so viel verdient und auch 5.000 € auf das Unterkonto seines Girokontos übertragen, um davon die Steuer zu bezahlen. Steuervorauszahlungen hat er keine geleistet, weil er in den Vorjahren immer recht wenig verdient hatte. Er wollte eigentlich höhere Rücklagen für die Steuer bilden, aber das schöne neue Auto und der wohlverdiente Urlaub haben dies verhindert. Er denkt sich, ach die Steuer kann ich auch dann verdienen, wenn ich den Steuerbescheid habe. Das wird sich schon finden.

Seine Steuererklärung für 2019 reicht er im Dezember 2020 (beraten durch einen Steuerberater) fristgerecht ein. Der Schock folgt auf dem Fuße. Die Steuer beträgt rund 11.000 € für das Jahr 2019. Gleichzeitig werden Steuervorauszahlungen für das Jahr 2020 in Höhe von 12.000 € festgesetzt und eine Vorauszahlung für das erste Quartal 2021 in Höhe von 3.000 €. Insgesamt muss er also 26.000 € bezahlen. Auf seinem Unterkonto hat er aber nur 10.000 angesammelt. Defizit:  16.000 €. Woher nehmen. Besonders brisant wird diese Situation, wenn zusätzlich im Jahre 2021 der Umsatz einbricht und ein deutlich geringeres Einkommen erzielt wird. Wie soll er dann das Geld für diese Steuerzahlung aufbringen?

Diese Situation ist kein Märchen, sondern zig-fach von mir in der Praxis erlebt. Deshalb kann ich dir nur dringendst ans Herz legen obige Rücklagen streng zu bilden. Es ist ein unheimlich gutes und beruhigendes Gefühl, die Steuer in dem Jahr zurückgelegt wird, in dem das entsprechende Einkommen erwirtschaftet wurde.

1.1 | Die Organisation der Steuerunterlagen ist der halbe Weg zur Steuererklärung

Was tun mit all den Belegen und Rechnungen?

Die Erstellung der Steuererklärung ist eigentlich gar nicht so schlimm, wenn du schon während des Jahres alle Unterlagen systematisch gesammelt und aufbereitet hast.

Die rudimentärste Art der Sammlung der Unterlagen ist natürlich der Karton. Nimm einen großen Karton und lege während des Jahres alle Belege und Unterlagen hinein, die du für die Erstellung der Steuererklärung vermutlich benötigen wirst. Das hilft schon beträchtlich. Das Schlimmste ist, wenn du alle Belege im ganzen Haus zusammensuchen musst.

Besser ist es allerdings, wenn du die Belege gleich nach bestimmten Kategorien vorsortierst. Dabei würde ich zwei Ordner anlegen. Einen für die Belege, die mit den betrieblichen Einkünften in Zusammenhang stehen und einen zweiten, für Belege, die für die übrigen Einkommens- und Ausgabenkategorien von Bedeutung sind.  

Die Belege, die im Zusammenhang mit deiner selbständigen Arbeit stehen, sortierst du wie folgt:

Einnahmen:

  • Alle allgemeinen Einnahmen (Konzerthonorare, Unterrichtshonorare, GVL, etc.)
  • Stipendien und Preisgelder
  • Übungsleitervergütungen
  • Ausländische Einkünfte
  • Einkünfte von Onlinetätigkeiten
  • Nicht!!!!!! Einkünfte, für die du eine Lohnsteuerbescheinigung erhalten hast. Diese musst du in der Anlage N eintragen, nicht bei den selbständigen Einkünften. Ganz wichtig!

Ausgaben:

  • Raumkosten für den Probenraum
  • Raumkosten für ein Arbeitszimmer
  • Krankheitskosten
  • Arbeitsmittel
  • Verwaltungskosten und Werbekosten
  • Geschenke
  • Konzertkleidung
  • Honorare begleitender Künstler
  • Bewirtungskosten
  • Aus- und Fortbildungskosten (nur die Kurskosten)
  • Musikinstrumentenkosten bzw. das Anlagevermögen
  • Fahrten Wohnung Betrieb
  • Reisekosten: Fahrtkosten
  • Reisekosten: Übernachtungskosten
  • Reisekosten: Reisenebenkosten
  • Reisekosten: Verpflegungspauschalen
  • Kfz-Kosten

Unter Umständen kann es sinnvoll und hilfreich sein, einzelne Kategorien noch einmal zu unterteilen. So können z.B. die Verwaltungskosten in

  • Telefonkosten
  • Büromaterial
  • Porto
  • Fachbücher
  • Steuerberatungskosten
  • Beiträge, Gebühren, Abgaben, Versicherungen

unterteilt werden. Das macht es dann auch noch einmal einfacher.

Wenn du dann deine Einnahmenüberschussrechnung erstellen möchtest, nimmst du diesen Ordner und arbeitest ihn Rubrik für Rubrik ab. Für jeden Einnahmen- und Ausgabenpunkt gibt es einen Blogartikel, in dem du nachlesen kannst, was zu beachten ist. Ich würde dir empfehlen, die Belege jeder einzelnen Einnahmen- und Ausgabenkategorie auf einem Excelblatt aufzuaddieren, beziehungsweise zu berechnen und das Blatt oben auf die Belege zu legen. Am Ende addierst du die Einnahmen-Excelblätter zusammen. Die steuerfreien Einnahmen behandelst du dabei so, wie ich es in dem maßgeblichen Blogartikel beschrieben habe. Die Summe der einzelnen Blätter entspricht dann dem Gesamtumsatz. Im zweiten Schritt addierst du die Ausgaben-Excelblätter zusammen und schon hast du die Gesamtausgaben. Wenn du schließlich die Differenz aus den beiden bildest, hast du schon deinen Einnahmenüberschuss – oder -verlust. 

In einem zweiten Ordner sammelst du die Belege für alle übrigen Rubriken, die in der Steuererklärung auszufüllen sind. Nachfolgend aufgeführte Kategorien sind diejenigen, die mir üblicherweise bei meinen Mandanten begegnen. Im Einzelnen kann es aber auch weitere Rubriken geben. Beispielsweise gehe ich hier nicht auf die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder Renteneinkünfte ein, da diese bei Musikern nicht soooo häufig sind und ich mich zugunsten des besseren Überblicks auf die – für Musiker –  wesentlichen Bestandteile des zu versteuernden Einkommens beschränkten möchte.

Folgende Belegarten sind für die Einkommensteuererklärung üblicherweise notwendig:

  • Versicherungen (KSK-Bescheinigung, Kfz-Versicherungen (wenn das Auto nicht Betriebsvermögen ist), Krankenzusatz-, Unfall-, Lebensversicherungen)
  • Spenden
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: auch die Hausgeldabrechnung und die Rechnung vom Schornsteinfeger gehört hier hinein.
  • Außergewöhnliche Belastungen: im Wesentlichen Krankheitskosten, die nicht beruflich veranlasst sind und Schulgeld für Kinder
  • Kinder: Steuer-ID Nummern, Kinderbetreuungskosten, Studienbelege
  • Anlage N: Lohnsteuerbescheinigung und damit in Zusammenhang stehende Aufwendungen
  • Gegebenenfalls Einnahmen und Ausgaben aus Gewerbebetrieb (z.B. CD-Vertrieb oder Handel mit Musikinstrumenten). Hier können auch die Ausführungen zu den Einkünften aus selbständiger Tätigkeit als Musiker herangezogen werden. Nur werden die gesamten Ausgaben ggf. um die Einkaufskosten für die Musikinstrumente oder den CD-Einkauf erweitert.
  • Sonstiges (es gibt immer etwas, was nirgendwo reinpasst).
  • Bankauszüge

Bitte beachte, dass du im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung die Einnahmen, für die du eine Lohnsteuerbescheinigung erhalten hast nicht einbeziehst. Ansonsten werden sie doppelt besteuert. Lohnzahlungen werden in der Anlage N erfasst. Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit fließen in die Einnahmenüberschussrechnung und dann in die Anlage S.

Die anderen Kategorien, also Versicherungen, Spenden, Haushaltnahe Dienstleistungen, außergewöhnliche Belastungen, Lohnsteuerbescheinigung musst du einzeln in das Elsterformular übernehmen. Auch hier habe ich jeweils einen Blogartikel verfasst, den du zu Raten ziehen kannst. Ich habe dort versucht auch die Zeilennummer der jeweiligen Steuerformulare anzugeben, in denen der entsprechende Betrag einzutragen ist.

Fertig ist die Steuererklärung.

Lass dir dann alles noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen. Hast du noch etwas vergessen? Blättere noch einmal durch den Blog. Falls alles o.k. erscheint, kannst du die Steuererklärung abschicken.