Aufräumen nach der Coronakrise: Wie bekommst du deine steuerliche Situation wieder in den Griff

In den letzten Monaten seit Beginn der Coronakrise ist alles etwas durcheinander geraten. Da für viele Selbständige die Einkommensgrundlage weggebrochen war, hat sich das Finanzamt großzügig gezeigt und die Steuerschulden für die vergangenen Jahre gestundet und für die Steuervorauszahlungen die Möglichkeit eröffnet, diese ohne weitere Erläuterungen auf EUR 0,00 herabsetzen zu lassen. Das war im ersten Schritt toll und hilfreich, aber viele stehen jetzt vor diesen „Altlasten“ und müssen mit ihnen umgehen. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass die ganzen Coronahilfen der Einkommensteuer unterliegen, da sie meines Erachtens betriebliche Einnahmen sind und damit steuerpflichtig.

Erst mal einen Überblick verschaffen

Um aus der Misere herauszukommen, gibt es immer nur einen Weg: verschaff dir erst mal einen Überblick, wo du eigentlich stehst. Stelle also zunächst deine noch offenen Steuerschulden zusammen:  

Mögliche offene Posten können hier sein:

  • die Einkommensteuernachzahlung für 2020, oder sogar noch aus Vorjahren,
  • Einkommensteuervorauszahlungen für das laufende Jahr, evt. auch noch für Vorjahre?
  • Was ist als potentielle Nachzahlung für das laufende Jahr zu erwarten?

Falls du umsatzsteuerpflichtig bist, kommen noch folgende Positionen hinzu:

  • die Umsatzsteuerabschlusszahlung des Vorjahres oder aus früheren Jahren, sofern diese noch offen stehen,
  • Umsatzsteuervorauszahlungen für das Vorjahr oder frühere Jahre, sofern du diese noch nicht bezahlt hast,
  • aktuelle Umsatzsteuervorauszahlungen.

Jetzt zügig die Steuererklärung 2020 erstellen

Sofern noch nicht erledigt, empfehle ich dir, deine Steuererklärung 2020 schnellstmöglich zu machen. Die Frist zur Einreichung der Steuererklärung 2020 wurde auf den 31.10.2021 verlängert, sofern du nicht steuerlich beraten bist. Es wird also ohnehin langsam Zeit. Sofern du deine Steuererklärung selbst machst, erfährst du über die Erfassung im Elsterformular, wie hoch deine Steuerschuld für 2020 ist.

Verschiedene Wege deine Steuerschulden zu ermitteln

Falls du Schwierigkeiten hast, alle deine Steuerschulden aus den dir vorliegenden Unterlagen zusammenzustellen, kannst du beim Finanzamt einen Ausdruck deines Steuerkontos anfordern. Die Mitarbeiter des Finanzamtes senden dir dieses gerne zu. Dann weißt du definitiv was noch offen steht. Sofern du Schwierigkeiten hast, das Steuerkonto zu verstehen (es ist nicht so wirklich übersichtlich) kannst du es mit einem Mitarbeiter der Finanzkasse durchgehen, damit du genau siehst, was noch offen ist. Auf einer eventuell vom Finanzamt präsentieren Mahnung sind nur die fälligen Steuerschulden enthalten. Im Rahmen von Corona gestundete Steuerschulden werden dort nicht aufgeführt und dürfen von dir nicht vergessen werden. Steuerschulden, die erst in Zukunft entstehen, also die Vorauszahlung für das 4. Quartal 2021 oder die zu erwartende Steuernachzahlung 2021 sind weder in der Mahnung, noch im Steuerkonto enthalten. Daran musst du selbst noch denken.

Beispiel für eine Aufstellung der Steuerschulden

Einkommensteuernachzahlung 20203.700 €
Einkommensteuernachzahlung 20192.100 €
Einkommensteuervorauszahlungen 1. bis 3. Q 20216.000 €
Einkommensteuervorauszahlung 4. Q2.000 €
Voraussichtliche Einkommensteuerschuld 2021   900 €
GESAMT14.700 €

Oh weia, das ist unerfreulich. In diesem Beispiel gehe ich davon aus, dass du von der Umsatzsteuer befreit bist, ansonsten musst du genau nach diesem Schema auch noch eine Aufstellung für die Umsatzsteuer machen.

Wie kannst du die Bezahlung dieser Steuerschulden finanzieren?

Wenn du dir nun einen Überblick über die Steuerschulden verschafft hast, solltest du dir Maßnahmen überlegen, wie du diese Steuerschulden tilgen kannst:

Bilde Steuerrücklagen für die noch nicht fälligen Steuerschulden


Für die 4. Vorauszahlung (fällig am 10.12.2021) sowie die Schlusszahlung solltest du bereits in 2021 eine Steuerrücklage bilden. Wie du diese berechnen kannst stelle ich im Artikel Steuerrücklage richtige berechnen dar. Ich weiß, dass die Verlockung sehr hoch ist, hier einfach die Vorauszahlung auf 0 € herabsetzen zu lassen und zu denken, die Steuerschuld 2021 muss ich ja erst Ende 2022 zahlen. Da kümmere ich mich später darum. Damit schiebst du die Flutwelle der geschuldeten Steuerzahlungen jedoch nur vor dir her, anstatt jetzt einmal die Kräfte zu bündeln, und wieder Ordnung zu schaffen. Also: vorrangig bildest du Rücklagen für die 4. Einkommensteuervorauszahlung und die Steuerschuld des aktuellen Jahres.

Stundungsvereinbarung mit dem Finanzamt verhandeln

In einem zweiten Schritt verhandelst du für alle Steuerschulden, die bereits fällig sind, eine Stundungs- und Tilgungsvereinbarung mit dem Finanzamt. Im vorstehenden Beispiel sind EUR 11.900 € bereits fällig, also alle Steuerschulden, bis auf die 4. Vorauszahlung 2021 und die potentielle Schlusszahlung. Derzeit ist die Zinsfreiheit für Steuerschulden, die aufgrund der Coronakrise nicht bezahlt werden konnten ausgelaufen. Dennoch würde ich hier auf jeden Fall eine Zinsbefreiung beantragen. Ich hoffe, dass diese Zinsfreiheit noch verlängert wird.  

Lege für dich Tilgungsraten fest, die du leisten kannst und unterbreite und begründe diese gegenüber dem Finanzamt

Nachdem du die Steuerrücklagen für die noch anstehenden Steuern 2021 und auch 2022 berechnet hast, machst du dir Gedanken, wieviel du monatlich noch zusätzlich von den anderen ausstehenden Steuerschulden bezahlen kannst.  100 €, 200 €, 500 €? Sobald du diesen Betrag ausgerechnet hast, reichst du beim Finanzamt einen Stundungsantrag ein.

Ein Stundungsantrag muss einige Formerfordernisse erfüllen

Zum einen musst du Ausführungen zum Grund der Entstehung der Steuerschulden (Corona) machen. Schreibe hier ein kurzes Statement zu deiner ganz persönlichen Situation.

Als zweites musst du Ausführungen zu deiner Stundungswürdigkeit machen. Hier kannst du einen Satz einfügen wie: „ Ich bin stundungswürdig, weil ich in den Vorjahren meinen Steuererklärungspflichten  immer pünktlich und umfassend nachgekommen bin und auch meine Steuern immer fristgerecht bezahlt habe.“

Schließlich musst du ausführen, welche Steuern offen sind (s.o.) und wie du sie abbezahlen willst, also entsprechend deiner Tilgungsvorstellung.
 

Nachdem du dieses Schreiben auf den Weg gebracht hast, heißt es abwarten.

Das Finanzamt trifft in der Regel nur Tilgungsvereinbarungen für 6 Monate

In der Regel stundet das Finanzamt die Steuerschulden immer nur für 6 Monate und das auch nur verzinst. Aber hier gibt es zwei gute Nachrichten:

Das Finanzamt hat bisland coronabedingt zinsfrei gestundet. Diese Vereinbarung ist leider am 30.6. abgelaufen. Ich würde aber dennoch einen Antrag auf Zinsfreiheit stellen. Evt. wird die Regelung noch verlängert.

Sollte das Finanzamt aufgrund der Dauer der Tilgungsvereinbarung nicht zinsfrei stunden, dann hat das Bundesverfassungsgericht gerade jetzt beschlossen, dass 6% Zinsen per anno in einer 0% Zins-Zeit nicht sachgerecht sind. Das Gericht hat die Finanzbehörden verpflichtet, ab 2019 die Zinsen niedriger festzusetzen.

Erneuter Stundungsantrag, wenn die 6 Monate um sind

Wenn das Finanzamt die Steuerschulden für 6 Monate stundet, wird es meistens deiner Stundungsanfrage folgen und den Restbetrag am Ende der Stundungszeit fällig stellen. Du kannst nach Ablauf der 6 Monate dann wieder eine Stundung des Restbetrages beantragen, nach obigem Schema. Aber es ist auch ganz klar, dass das Finanzamt dem nur folgen wird, wenn du die Stundungsvereinbarung der ersten 6 Monate ganz genau eingehalten hast. Und natürlich ist es auch so, dass das Finanzamt umso ungeduldiger wird, je länger die Stundungsfrist ist.

Im Notfall: Eine Darlehensfinanzierung prüfen

Falls das Finanzamt die Steuerschuld nicht zinslos oder gar nicht stunden will, kannst du in Höhe der Steuerschulden ein Darlehen aufnehmen und dieses nach und nach abbezahlen. Versteht mich bitte richtig. Ich bin absolut kein Freund davon, Steuerzahlungen durch Darlehensaufnahmen zu finanzieren. Aber man muss auch zugestehen, dass du in den letzten anderthalb Jahren einer ziemlich einmaligen Situation gegenübergestanden bist, die du zunächst meistern musstest und nun aufräumen musst.

Abgesehen davon ist die Aufnahme eines Darlehens ohne Sicherheiten nicht leicht. Auch ist absolut darauf zu achten, dass der Zinssatz des Darlehens die Stundungszinsen des Finanzamtes nicht überschreitet. Derzeit lag der Stundungszinssatz des Finanzamtes bei 6%. Durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes sollte er sinken. Sollte der Darlehenszins darüber liegen, würde ich immer das Gespräch und die Auseinandersetzung mit dem Finanzamt suchen. Die Finanzbeamten sind in der Regel gesprächsbereit.

Vielleicht besteht auch im privaten Umfeld die Möglichkeit ein Privatdarlehen zu erhalten, das du dann entsprechend deiner Belastungsmöglichkeiten abbezahlen kannst.

Was du auf jeden Fall verhindern solltest!

Was du auf jeden Fall verhindern solltest und deshalb empfehle ich dir auch die Notfall-Darlehensfinanzierung: deine Steuern einfach so offen stehen lassen und auf der Basis von Mahnungen nach und nach zu bezahlen. Dadurch entstehen beachtliche Säumniszuschläge, die man in diesem ohnehin schwierigen und belastenden Umfeld nicht auch noch braucht. Das Finanzamt wird mit der Zeit auch immer unwirscher und wird die Zwangsvollstreckung einleiten, diese kann mit einer Kontenpfändung einhergehen. Sehr sehr unangenehm. Deshalb: Gespräch mit dem Finanzamt suchen, Tilgungsvereinbarung treffen!

Exzellente Idee: Einnahmen erhöhen, Ausgaben senken

Um die Steuerschulden zeitnah abbezahlen zu können und dann wieder schuldenfrei in die Zukunft zu starten, solltest du zwei weitere Schritte ganz intensiv in Erwägung ziehen:

  • Einkommen erhöhen
  • Ausgaben senken

Setz dort an, wo es für dich am wenigsten schmerzhaft ist. Besonders empfehlenswert sind:

Einnahmenerhöhung über einen Minijob

Bei einem Minijob kannst du bis zu 450 EUR im Monat verdienen. Alle Steuern und Sozialabgaben werden vom Arbeitgeber bezahlt. Das ist natürlich sehr interessant, denn du bekommst das Geld praktisch bar auf die Hand. Mit einem Minijob kannst du bis zu 5.400 € pro Jahr verdienen und diesen Betrag in den Steuertilgungstopf investieren. Wenn du deine Honorare oder sonstige Einnahmen erhöhst, bzw. Betriebsausgaben senkst, musst du immer die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Belastungen daraus mitbedenken. Das macht es schwieriger, aber natürlich trotzdem ist ein mehr an Einnahmen auch in diesem Bereich sehr hilfreich.

Eine Tätigkeit als nebenberuflich tätiger Künstler

Eine Tätigkeit aufnehmen, die als Übungsleitertätigkeit im Sinne des § 3 Abs. 26 EStG gilt und ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfrei ist. Derzeit kannst du bis zu 3.000 € aus Übungsleitertätigkeit einnehmen, ohne Abgaben zu bezahlen. Dabei ist auch die nebenberuflich ausgeübte künstlerische Tätigkeit abgabenfrei. Wenn du also für eine öffentliche oder gemeinnützige Einrichtung etwas Künstlerisches ausüben kannst, was nicht deiner hauptberuflichen künstlerischen Tätigkeit entspricht, dann wäre das sehr gut. Hier findest du verschiedene Beispiele in meinem online Kurs Steuern DIY.

Weitere Einnahmequellen

Es gibt zahlreiche weitere Einkommensquellen, die aufgrund besonderer Förderwürdigkeit steuer- und abgabenfrei sind, beispielsweise der gesamte Blut- und Plasmaspendenbereich, oder die Teilnahme an Gesundheitsstudien und so weiter.

Ausgaben vor allem im privaten Bereich senken

Zu diesem Themenbereich gibt es auf youtube, tiktok und Instagram tausende von Ideen und Hinweise. Finde das Passende für dich. Mach eine Challenge daraus, versuch es nicht zu krampfhaft zu gestalten, sondern als Chance, auch mal neue Wege auszuprobieren. Für mich ist es immer besonders effizient, beim Essen zu sparen. Nicht ins Restaurant gehen, selbst kochen,  bevorzugt günstige aber gesunde, unbehandelte Lebensmittel zu verwenden. Für mich als Dachtraufschwabe ist  Linsensuppe immer ein Gericht, das den Geldbeutel schont und richtig gut schmeckt. Auf Wunsch habe ich ein tolles Rezept. Toll auch von Tom Hodgkinson: Das Buch der hundert Vergnügungen (die alle nichts oder fast nichts kosten).

Noch Fragen?

Ich kann dir nur ans Herz legen Angst und Unsicherheit in Bezug auf das Aufräumen im Steuerbereich hinter Dir zu lassen und es als Challenge zu sehen, als Herausforderung, die auch Spaß machen kann. Das Endergebnis ist auf jeden Fall höchst erfreulich: Nämlich ein gutes Stück auf dem Weg zu finanzieller Freiheit! Schau immer wieder auf diesen Blog. Ich werde in nächster Zeit einige Artikel zum Thema Finanzen hier einstellen und würde mich freuen, wenn dir der eine oder andere auf deinem Weg zum Erfolg hilft.

c steve pb

Steuerrücklage für die Einkommensteuer richtig berechnen und bilden!

Dieses Thema beschäftigt viele meiner Mandanten und damit auch mich in letzter Zeit wieder sehr intensiv. In der Coronakrise zeigten die Finanzbehörden großes Entgegenkommen. Sie haben steuerliche Schulden zinslos gestundet und Vorauszahlungen ohne größere Ausführungen auf  
0 € herabgesetzt. Leider ist die steuerliche Rücklagenbildung bei vielen Selbständigen dadurch in Vergessenheit geraten. Das Problem ist nur: die Steuerzahlungen kommen auf jeden Fall. Deshalb ist es nun wieder höchste Zeit, in die steuerlichen Belange Ordnung zu bringen. Ich lege dir ans Herz einen ganz wichtigen Grundsatz für beruflichen Erfolg wieder strikt zu befolgen:

Bilde in dem Jahr die steuerliche Rücklage, in dem du das Einkommen erzielst!

Bilde also aus jedem Euro an Einnahmen gleich eine steuerliche Rücklage auf einem gesonderten Unterkonto.

Die Frage ist nur wie? In welcher Höhe ist die Steuerrücklage zu bilden? Dabei spreche ich hier nur von der Einkommensteuer und werde für die Umsatzsteuer einen gesonderten Artikel verfassen. Das Problem an der sachgerechten Bildung einer Steuerrücklage ist, dass sich die Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen berechnet und das ist immer so kompliziert zu ermitteln. So bist du schnell dazu verleitet, lieber keine richtige Steuerrücklage zu bilden, weil das eh zu kompliziert. Es wird irgendwie ein bisschen was zurückgelegt, was selten ausreicht. Außerdem besteht immer eine Unsicherheit, ob es reichen wird. Ich möchte dir hier ein Verfahren vorstellen, das dem Prinzip

keep it short and simple

entspricht. Dann besteht auch eine echte Chance, dass du die Rücklagenbildung wirklich durchziehst.

Relativ gleichbleibendes Einkommen?

Wenn du in der Regel ein relativ gleichbleibendes Einkommen erzielst, weil du beispielsweise fast ausschließlich Musikunterricht an eine bestimmte Anzahl von Schüler erteilst oder immer gegenüber den gleichen Auftraggebern tätig wirst, dann ist die Bildung der Steuerrücklage relativ einfach. Du greifst auf den Steuerbescheid des Vorjahres zurück, teilst die dort festgesetzte Steuerschuld durch zwölf und schon hast du den Betrag, den du monatlich deiner Steuerrücklage zuführen musst. Diesen Betrag transferierst du am 15. jeden Monats auf ein Unterkonto, das nur für Steuerzahlungen verwendet wird. Alle drei Monate (am 10.3., 10.6., 10.9. und 10.12. eines Jahres) ist die Steuervorauszahlung fällig. Rechtzeitig vor diesem Zeitpunkt transferierst du die Steuervorauszahlung vom Unterkonto auf das laufende Girokonto und lässt von dort die Einkommensteuervorauszahlung abbuchen.

Leider kommt es nur sehr selten vor, dass Selbständige ein gleichbleibendes Einkommen erzielen. Der Normalfall ist, dass die Aufträge von Selbständigen schwanken und damit auch die Steuerschuld.

Schwankendes Einkommen?

Bilde die Steuerrücklage auf Basis der Einnahmen

Naturgemäß wird diese Form der Rücklagenbildung die tatsächliche Steuerschuld nicht genau treffen, aber sie hat den Vorteil, dass sie relativ übersichtlich für dich ist. Diese Berechnung der Steuerrücklage eignet sich nur für die Soloselbständigen, die bis auf ein paar allgemeine Kosten (Telefon, Bürobedarf, Werbung, Reisen, Arbeitszimmer bis 1.250€) praktisch keine Kosten haben. Davon gibt es aber sehr viele, wie sich gerade im Rahmen der Beantragung der Coronazuschüsse erwiesen hat.

Für die nachfolgende Tabelle gehe ich davon aus, dass du nur Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit hast. Deine gesamte Steuerschuld musst du selbst zurücklegen und über Steuervorauszahlungen an das Finanzamt abführen. In diesem Fall bildest du aus  jedem Euro den du einnimmst eine Rücklage zu einem bestimmten %-Satz.

Wende diese %-Sätze an:

EINNAHMENEinkommensteuerrücklage in %Kirchensteuerpflichtig? Zusätzlich
Bis 11.000 €0 
Bis 22.000 €11%1%
Bis 33.000 €17%1,5%
Bis 44.000 €21%2%
Bis 55.000 €25%2 %
Bis 66.000 €27%3%
Bis 77.000 €30%3%
Bis 100.000 €32%3%

Bei dieser Art der Steuerrückstellung legst du immer direkt von jeder Einnahme, die reinkommt den entsprechenden Prozentsatz zur Seite. Wenn du also mit Einnahmen in Höhe von 33.000 € für das Jahr rechnest, legst du schon für die erste Einnahme von beispielsweise 1.000 € im Januar 170 € für die Einkommensteuer zurück. Nur so kann es funktionieren.

Überraschende Einnahmen im laufenden Jahr: Was tun bei der Steuerrücklage?

Wenn du im Laufe des Jahres feststellst, dass du glücklicherweise wohl doch eher 44.000 € einnehmen wirst, musst du die bislang zu wenig zurückgelegte Steuer mit der nächsten Einnahme nachholen. Beispielsweise hast du bis Juli gedacht, dass du in diesem Jahr nur 33.000 € einnehmen wirst. Bis Juni hast du 20.000 € eingenommen. Als Rücklage hast du entsprechend richtigerweise bislang 3.400 € gebildet. Nun kommt überraschend eine größere Einnahme von 5.000 € und du musst/darfst deine Einnahmenprognose auf 44.000 € für das laufende Jahr erhöhen. In diesem Fall hättest du für die ersten 20.000 € schon 4.200 € zurücklegen müssen. Es fehlen als 800 € in der bisherigen Steuerrücklage. Für die aktuellen Einnahmen von 5.000 € musst du zusätzlich noch 21% zurücklagen, also 1.050 €. Insgesamt musst du also 1.850 € von den 5.000 € der Steuerrücklage zuführen. Ja, das ist schmerzhaft. Aber genau das wird das Finanzamt von dir fordern. Grund dafür ist der progressive Steuertarif.

Steuerrücklage, wenn du die selbständigen Einkünfte nur im Nebenberuf erzielst?

Erzielst du vor allem oder auch Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, dann sind diese Einkünfte schon der Lohnsteuer unterworfen. Du musst dafür nicht noch einmal eine Steuerrücklage bilden. Für die nebenberuflichen Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit musst du aber dennoch Geld für die anfallenden Steuern zurücklegen. Hier empfehle ich dir folgende Berechnungsweise:

%-Satz bei nebenberuflichen selbständigen Einkünften

Gehalt Einnahmen aus selbständiger TätigkeitEinkommensteuerKirchensteuer
10.000 €11.000 €11%1%
10.000 €22.000 €17%1,5%
10.000 €33.000 €21%2%
10.000 €44.000 €25%2%
    
20.000 €11.000 €17%1,5%
20.000 €22.000 €21%2%
20.000 €33.000 €25%2%
20.000 €44.000 €27%3%
    
30.000 €11.000 €21%2%
30.000 €22.000 €25%2%
30.000 €33.000 €27%3%
30.000 €44.000 €35%3%
    
40.000 €11.000 €25%2%
40.000 €22.000 €27%3%
40.000 €33.000 €35%3%
40.000 €44.000 €40%3%

Sofern dein Gehalt 50.000 € erreicht empfehle ich dir für jeden zusätzlich eingenommenen Euro 42% an Steuerrücklage zu bilden. Beschwerden bitte ans Finanzministerium und nicht an mich.

Bei den von mir vorgeschlagenen Rücklagensätzen gibt es ein paar Unschärfen, aber es handelt sich hier ja auch nur um eine Rücklage, die nur die ungefähre Steuerschuld abbilden soll. Besser ist es auch, wenn die Steuerrücklage eher etwas zu hoch ist als zu niedrig. Sie sollte aber nicht so hoch sein, dass sie dir praktisch die Luft abschnürt. Ich denke, mit den von mir errechneten Prozentsätzen solltet ihr relativ gut in diesem Rahmen liegen. Probiert es mal aus und gebt mir bitte Rückmeldung, welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt.

Was tun, wenn du relativ hohe und/oder relativ schwankende Betriebsausgaben hast?

Die in obigen Beispielen von mir errechneten Prozentsätze berücksichtigen nur geringe Betriebsausgaben. Es hat sich in meiner Praxis gezeigt, dass es eine große Anzahl von Soloselbständigen gibt, die im Prinzip nur sehr wenige Betriebsausgaben vorweisen können. Solltest du für die Erzielung deiner Einnahmen erhebliche Ausgaben aufwenden, weil du zum Beispiel etwas produzierst, dann sind diese Prozentsätze für die Steuerrücklage zu hoch. In diesem Fall bleibt dir nichts anderes übrig, als in einer richtigen Finanzplanung den voraussichtlichen Gewinn zu ermitteln und daraus das zu versteuernde Einkommen abzuleiten. Hierzu werde ich demnächst ebenfalls einen Artikel veröffentlichen.

Wie berechnest du die Steuerrücklage beim Splittingtarif?

Um die Sache einfach zu halten, berechnet jeder für sich die Steuerrücklage nach obigem Schema. Nur wenn einer viel verdient und der andere sehr wenig, dann addiert ihr alle Einnahmen zusammen und teilt sie durch zwei. Den sich für dieses Einkommen ergebende Prozentsatz wendet ihr auf jede Einnahme aus selbständiger Tätigkeit an.

Die Steuerrücklagen sind dir zu hoch!

Eine Steuerbelastung von 42% (plus gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) ist dir zu hoch, dann solltest du überlegen, dein Unternehmen als GmbH oder Unternehmergesellschaft (UG) zu führen. Dies ist jedoch nur dann wirklich sinnvoll, wenn du das Geld oder zumindest einen Teil der Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit nicht für deine laufenden Lebenshaltungskosten benötigst. Eine gewerblich tätige GmbH oder UG unterliegt einer Gesamtsteuerbelastung von ungefähr 30%, also deutlich weniger. Das gilt aber nur dann, wenn der Gewinn in der Kapitalgesellschaft verbleibt. Sofern du deinen Einnahmenüberschuss zur Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten über ein Gehalt entnehmen musst, bleibt es bei oben angeführten Einkommensteuersätzen. 

Weitere Steuersparmodelle aufgrund der Pandemie

Um die Steuerpflichtigen zu entlasten, gab es in 2020 noch verschiedene Steuererleichterungen, die möglicherweise etwas in Vergessenheit geraten sind. Eine davon ist die Wiedereinführung der sog. degressiven Abschreibung.

Normalerweise müssen Wirtschaftsgüter, die länger als ein Jahr im Unternehmen genutzt werden und mehr als 800 € netto kosten über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Dabei musst du zunächst die Nutzungsdauer ermitteln. Hierzu gibt es amtliche Abschreibungstabellen, die du im Internet findest. Natürlich sind auch individuelle Besonderheiten zur berücksichtigen. Die Anschaffungskosten teils du dann durch diese Nutzungsjahre. Der daraus errechnete Betrag ist jedes Jahr gleich hoch. Deshalb nennt sich diese Abschreibung lineare Abschreibung.

Für Anschaffungen nach dem 31.12.2019 und vor dem 1.1.2022 wurde coronabedingt wieder die degressive Abschreibung ermöglicht. Nach der degressiven Abschreibung darf das 2,5 fache der linearen Abschreibung, max. 25% der Anschaffungskosten im Erstjahr abgeschrieben werden. In den Folgejahren berechnen sich die Höchstwerte vom Restbuchwert des Wirtschaftsgutes.

Für beide Abschreibungsarten gilt: im Jahr der Anschaffung darf nur über die Monate der tatsächlichen Nutzung abgeschrieben werden, wobei der Monat der Anschaffung mitgerechnet wird.

Während bei der linearen Abschreibung die steuerliche Bemessungsgrundlage jedes Jahr in gleicher Höhe gemindert wird, wird bei der degressiven Abschreibung am Anfang mehr abgeschrieben und im weiteren Verlauf der Abschreibung weniger. Sobald die Restnutzungsdauer nur noch 3 Jahre beträgt, wird regelmäßig auf die lineare Abschreibung umgestellt, da diese dann günstiger ist.

Im Hinblick auf die Steuerersparnis bedeutet dies, dass am Anfang der Abschreibung am meisten Steuern gespart wird. Das ist einerseits toll, weil der Steuerpflichtige damit am Anfang mehr Liquidität hat, um die Anschaffung zu finanzieren. Aber!: wenn du im Jahr der Anschaffung des neuen Wirtschaftsgutes gar nicht viel Gewinn hast, dann läuft die Abschreibung natürlich letztlich ins Leere. Wenn du später wieder mehr Gewinn erzielst, fehlt dir das Abschreibungsvolumen, das du in der Coronakrise evt. unnötig verwendet hast.

Kurz zusammengefasst ist es also so: die degressive Abschreibung kann durchaus interessant sein. Du musst dir aber genau überlegen, ob die degressive Abschreibung für dich einen steuerlichen Vorteil bringt oder ob nicht doch die lineare Abschreibung über die gesamte Laufzeit der Abschreibung vorteilhaft ist. Dazu musst du auch deine voraussichtlichen Einkünfte über den Abschreibungszeitraum zumindest grob schätzen.

Quartett

Steuerfalle: Einkünfte aus einer Band

Viele Musiker, spielen in Bands, Ensembles, Quartetten, Orchestern und anderen Gruppen. Bei der steuerlichen Erfassung der Einkünfte aus diesen Bands bemerke ich oft eine große Unsicherheit. Welchen Betrag muss ich als Einnahme aus dieser Band in meiner Steuererklärung angeben und wo?

Welche Beträge du als Einnahme aus dieser Gruppe in deiner Einkommensteuererklärung angibst, hängt davon ab, ob diese Gruppe als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt ist und ob du ein Mitglied dieser GbR bist.

Du spielst als Aushilfe in dieser GbR

Sofern du kein Gesellschafer der GbR bist, sondern nur sporadisch als freier Musiker dort mitspielst, erhältst du einfach ein Honorar und dieses Honorar gibst du in deiner Einnahmenüberschussrechnung als Einnahme an. Die damit im Zusammenhang stehenden Ausgaben ziehst du als Ausgaben im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung ab.

Du bist dann nicht Gesellschafter der GbR, wenn du beispielsweise nur als Ergänzung in der Gruppe spielst, weil besondere Instrumente benötigt werden. Auch wenn du als Aushilfe für die Gruppe spielst, weil ein Musiker krank geworden ist, bist du in der Regel kein Mitglied und damit auch kein Gesellschafter der GbR. Sofern die GbR einen schriftlichen Vertrag geschlossen hat, bist du natürlich auch nur dann Gesellschafter der GbR, wenn du als Gesellschafter aufgenommen bist.

Du bist Gesellschafter der GbR

Bist du festes Mitglied der GbR und als solches Gesellschafter dieser Gruppe sieht die Besteuerung anders aus. Die Gruppe muss dann für die Gesellschaft selbst eine Einnahmenüberschussrechnung erstellen und eine Steuererklärung abgeben. Diese Steuererklärung nennt man: Gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung.

In der Einnahmenüberschussrechnung der GbR werden alle Einnahmen und Ausgaben der Gruppe erfasst.

Aufteilungsschlüssel

Nachdem der Einnahmenüberschuss feststeht, wird dieser auf die einzelnen Gesellschafter verteilt. Hier können die Gesellschafter selbst einen Schlüssel festlegen. Da gibt es die tollsten Rechenwerke, in Abhängigkeit der Mitwirkung, Bedeutung oder sonstiger Kriterien der einzelnen Musiker. Natürlich kann der Einnahmenüberschuss auch als fester Anteil oder nach Köpfen verteilt werden. Bei der Aufteilung des Gewinns (oder Verlustes) darf euch das Finanzamt nicht reinreden. Das ist allein eure Sache, einen Verteilungsschlüssel festzulegen.

Wenn ihr diesen Schlüssel ermittelt habt, tragt ihr ihn in der gesondert und einheitlichen Gewinnfeststellung ein und ermittelt den Gewinnanteil jedes einzelnen Gesellschafters. Dieser Gewinnanteil wird dem jeweiligen Gesellschafter mitgeteilt und diesen mitgeteilten Gewinnanteil musst du als Gesellschafter in deiner Steuererklärung angeben.

Grundlagenbescheid

Der Bescheid über die gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung ist ein sogenannter Grundlagenbescheid für deine persönliche Steuererklärung. Die Finanzämter in ganz Deutschland melden diese Gewinnanteile untereinander und legen sie deiner Besteuerung „von Amts wegen“ zugrunde. Auch dann, wenn dein Einkommensteuerbescheid schon bestandskräftig ist, kann das Finanzamt den Gewinnanteil noch einfügen und nachversteuern.

Verluste der GbR

Die GbR kann natürlich auch einen Verlust erzielen. Dieser wird dir dann auch über die gesondert und einheitliche Gewinnfeststellung zugewiesen. Wichtig: Generelle Abzugsbeschränkungen für diesen Verlust gibt es nicht. Das heißt er mindert grundsätzlich dein zu versteuerndes Einkommen. Sollte das Finanzamt dies nicht gemacht haben, so musst du sofort Einspruch gegen den Bescheid einlagen und Protest erheben.

Häufigster Fehler

Meistens wird schon unterjährig ein Gewinnanteil an die Gesellschafter ausbezahlt. Sehr häufig sehe ich, dass die Gesellschafter einfach diese überwiesenen Beträge als Einnahme ansetzen und versteuern. Dieser Betrag kann jedoch vollständig vom richtigen Gewinnanteil abweichen. Schlimmstenfalls kann es sogar zu schweren Doppelbesteuerungen kommen, wenn du einmal die Einnahmen aus der Band im Rahmen deiner eigenen Einnahmenüberschussrechnung erfasst, zum anderen das Finanzamt dir den entsprechenden Gewinnanteil auch noch zurechnet.

Ausgaben

Ausgaben, die du selbst getragen hast, aber durch deine Tätigkeit für die GbR veranlasst waren, sind sogenannte Sonderbetriebsausgaben. Diese meldest du als entsprechende Ausgaben demjenigen, der die Einnahmenüberschussrechnung für die Band/ Gruppe erstellt. Sie werden auf der Ebene der Band als Ausgaben von deinem Gewinnanteil abgezogen und mindern deinen Gewinnanteil.

GEFAHR! Gewerbliche Abfärbetheorie bei einer freiberuflichen GbR

Wenn eine grundsätzlich freiberuflich tätige Musiker-GbR gewerbliche Tätigkeiten ausübt, wird beim Überschreiten einer kleinen Bagatellgrenze die gesamte Tätigkeit der Gruppe als gewerblich behandelt. Damit erzielt ihr dann Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die auch der Gewerbesteuer unterliegen. Das ist schlecht. Deshalb solltet ihr beispielsweise niemals einen CD Verkauf über eine freiberuflich tätige Personengesellschaft aufnehmen. Besser gründet ihr dann eine zweite GbR, die dann von vorneherein gewerblich tätig ist.

Wo gibst du den Gewinnanteil an?

In der Zeile 6 der Anlage S.

Also:

Wenn du Gesellschafter einer GbR bist, setzt du immer nur den Gewinnanteil aus der gesondert und einheitlichen Gewinnfeststellung an. Die Vergütungen, die du von der GbR ausgezahlt bekommen hast, sind nicht in deiner Einnahmenüberschussrechnung zu erfassen. Ebenso sind Ausgaben, die du selbst getragen hast im Zusammenhang mit deiner Tätigkeit für die GbR auf der Ebene der GbR als Sonderbetriebsausgaben abzuziehen. Ausgaben, die die gesamte GbR betreffen und von dieser getragen werden sowieso.

Exkurs: Haftung als Gesellschafter einer GbR

Jeder Gläubiger kann die vollen Zahlungsverpflichtungen von dir persönlich einfordern, wenn die GbR nicht zahlungsfähig ist. Du kannst nur anschließend einen Ausgleich von deinen Gesellschafterkollegen verlangen. Das kann zu Problemen führen. Pass also immer gut auf, in welcher GbR du als Gesellschafter einsteigst.

Reisekostenpauschalen 2021

Einer der großen Blöcke im Bereich der Betriebsausgaben, ist der Kostenblock Reisekosten. Deshalb ist es immer wichtig, zu Beginn eines Jahres zu schauen, welche Reisekostenpauschalen kann ich meinen Auftraggebern in Rechnung stellen.

Fahrtkostenpauschalen bei Dienstreisen

Für beruflich veranlasste Fahrten kannst du in 2021 folgende Pauschalen pro Kilometer ansetzen:

mit dem Kraftwagen gefahren0,30 €
mit dem Motorrad/ Motorroller gefahren 0,20 €
mit dem Moped/ Mofa gefahren 0,20 €
mit dem Fahrrad gefahren 0,00 €

Natürlich kannst du immer die tatsächlichen höheren Kosten je gefahrenem Kilometer nachweisen und diese dann ansetzen. Willst du dir diese Arbeit aber sparen oder fährst du ein sehr günstiges Auto, dann kannst du einfach auf diese Kilometersätze zurückgreifen.

Achtung die Erhöhung auf 0,35 € gilt nur für die Pendlerpauschale, wenn du also nicht auf Dienstreise bist, sondern zwischen deinem zu Hause und deiner ersten Tätigkeitsstätte „pendelst“. Dann kannst du für die ersten 20 Kilometer 0,30 € ansetzen und für jeden weiteren 0,35 € der Entfernungsstrecke.

Verpflegungspauschalen

Die Verpflegungspauschalen wurden schon zum 1.1.2020 erhöht und gelten unverändert:

mehr als 8 Stunden, eintägige Reise 14 €
Anreisetag bei mehrtägigen Reisen 14 €
Voller Abwesenheitstag bei mehrtägigen Reisen 28 €
Abreisetag bei mehrtätigen Reisen 14 €

Für die Verpflegungspauschalen bei Reisen im Ausland gelten die neuen Sätze gemäß dem vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Schreiben über die steuerliche Behandlung von Reisekosten und Reisekostenvergütungen bei betrieblich und beruflich veranlassten Auslandsreisen ab 1. Januar 2021. Bitte beachte, dass du die dort angegebenen Pauschalen für Übernachtungen als selbständiger Musiker in der Regel nicht anwenden kannst. Als selbständiger Musiker musst du grundsätzlich die tatsächlichen Übernachtungskosten nachweisen.

Was ist neu in 2021?

Welche steuerlichen Änderungen werden für soloselbständige Künstler und Kreative ab 2021 von Bedeutung sein?

Zu jedem Jahreswechsel sehen sich Steuerpflichtige mit neuen gesetzlichen Regelungen konfrontiert. Ab 1.1.2021 sind vor allem die folgenden Punkte für soloselbständige Künstler und Kreative von Bedeutung:

Übungsleiterpauschbetrag

Ab dem 1.1.2021 wird der Übungsleiterpauschbetrag von 2.400 € auf 3.000 € angehoben. Das ist für alle Musiker und Kreativschaffenden wirklich eine erfreuliche Nachricht. Die allermeisten Künstler sind auch nebenberuflich tätig und können den Übungsleiterpauschbetrag in der Steuererklärung geltend machen. Das bedeutet eine echte Steuerersparnis.

Solidaritätszuschlag

Ab 2021 wird für die meisten Steuerpflichtigen kein Solidaritätszuschlag mehr erhoben. Erst ab einem zu versteuernden Einkommen von Alleinstehenden in Höhe von 73.000,00 € wird der Soli partiell wieder fällig. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 73.000 bis 109.000 € steigt der Soli schrittweise auf 5,5% an. Bei verheirateten Paaren und Familien mit Kindern, entfällt der Soli bis zu einem zu versteuernden Einkommen von rund 150.000 €.

Aber Achtung: Bei der abzuführenden  Abzugsteuer auf Honorare ausländischer Künstler ist auch der Solidaritätszuschlag weiter zu erheben, denn der erhöhte Freibetrag wird nur bei der Veranlagung und den Vorauszahlungen zur Einkommensteuer gewährt. Die Abzugsteuer gem. § 50a EStG ist namentlich nicht genannt.

Erhöhung der Pendlerpauschale

Ab 1.1.2021 gilt eine erhöhte Pauschale für Fahrten zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte. Für die ersten 20 gefahrenen Kilometer bleibt es bei den bisherigen 0,30 € je Kilometer. Ab dem 21. Kilometer kannst du nun aber 0,35 € ansetzen.

Homeofficepauschale

Schon ab dem 1.1.2020 kannst du für jeden Kalendertag, an dem du deine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübst und keine außerhalb der häuslichen Wohnung belegene Betriebsstätte aufsuchst eine Homeofficepauschale von 5 € pro Tag, maximal 600 € pro Jahr ansetzen.

Dies gilt nur, wenn du nicht schon ohnehin ein Arbeitszimmer steuerlich geltend machst. Interessant ist diese Regelung also vor allem für all diejenigen, die nur eine „häusliche Arbeitsecke“ haben und von dort aus Onlineunterricht geben. Ich würde die Pauschale auch dann ansetzen, wenn du in dieser „Arbeitsecke“ übst. Mal sehen, was das Finanzamt dazu sagt.

Investitionsabsetzbetrag

Anhebung der Gewinngrenzen für den Investitionsabsetzbetrag
Ab dem 1.1.2020 kannst du einen Investitionsabsetzbetrag (IAB, 7g Rücklage) bilden, wenn dein betrieblicher Einnahmenüberschuss in 2020 200.000 € (bisher 100.000 €) nicht übersteigt. Den IAB kannst du dann bis zu 50% (bisher 40%) der geplanten Investitionsgüter bilden.

Rückkehr zu den alten Umsatzsteuersätzen

Ab 1.1.2021 gelten wieder die alten Umsatzsteuersätze von 19% beziehungsweise 7%.

Fristende 31.7.2020 verpasst oder nicht mehr zu halten? Was ist zu tun?

Fristen

Wenn du nicht steuerlich beraten bist, musst du deine Einkommensteuererklärung bis zum 31.7.2020 beim Finanzamt einreichen. Sofern du steuerlich beraten bist, verlängert sich diese Frist auf den 28.2. des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Jahres (die Steuererklärung 2019 muss also spätestens am 28.2.2021) eingereicht werden.

Was droht dir, wenn du die Frist versäumt hast?

Reichst du die Einkommensteuererklärung zu spät ein, dann kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen. Dieser beträgt 0,25% der festgesetzten Steuer, mindestens 25 € pro angefangenem Monat!!!

Wie kannst du eine Fristverlängerung erhalten?

Wenn du also absehen kannst, dass das mit der Frist am 31.7.2020 nicht klappen wird, würde ich dir empfehlen, schon vor Ablauf der Frist eine Fristverlängerung beim Finanzamt zu beantragen. Das kannst du mit einem formlosen Schreiben an das Finanzamt machen, in dem du deinen Namen und deine Steuernummer angibst und einen Grund, warum du die Steuererklärung nicht rechtzeitig abgeben kannst. Folgende Gründe führen in der Regel dazu, dass das Finanzamt die Frist verlängert:

Die 7 besten Gründe für eine Fristverlängerung:

  • Längere Krankheit
  • Schicksalsschlag
  • Längere Reise beruflich oder privat
  • Arbeitsüberlastung
  • Fehlende Unterlagen
  • Persönliche Belastungen, wie beispielsweise Umzug
  • Steuerliche Beratung.

Es ist ratsam, dem Finanzamt einen Termin vorzugeben, bis wann die Frist verlängert werden soll, z.B. den 30.09.2020. Am besten schreibst du dann noch folgenden Satz unter dein formloses Anschreiben: „sofern ich keine anderslautende Mitteilung von Ihnen erhalte, gehe ich davon aus, dass Sie meinem Antrag entsprochen haben“. Wenn du dann vom Finanzamt nichts hörst, kannst du davon ausgehen, dass die Frist bis zum angegebenen Datum verlängert wurde. Wichtig ist aber auch, dass du nachweisen kannst, dass du den Brief weggeschickt hast.

Wenn du die Frist verlängert hast, bist du nicht in einer Fristversäumnis und es fallen auch keine Verspätungszuschläge an.

Ab dem 28.2. des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Jahres wird es eng!

Eine Fristverlängerung über den letzten Tag des Februars (i.d.R. 28.2.) des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres hinaus (für 2019 also 2021) kann man nur schwer erreichen. Die genaue Formulierung heißt, nur wenn die Fristversäumnis ohne Verschulden des Steuerpflichtigen eingetreten ist, kann die Frist verlängert werden. Es wird also eng. Begründungen wie längere Reisen, Arbeitsüberlastung, fehlende Unterlagen oder bestimmte persönliche Belastungen greifen dann i.d.R. nicht mehr. Sie gelten insbesondere dann nicht mehr, wenn es sich um notorisch überlastete, belastete oder reiselustige Steuerpflichtige handelt, d.h. der Steuerpflichtige diese Begründung öfter vorträgt.

Nach meinen Erfahrungen wird die Frist bei

  • Längeren Erkrankungen
  • Schicksalsschlägen

vom Finanzamt unproblematisch verlängert, insbesondere, wenn man noch einen kleinen Nachweis beilegt, dass diese Begründung nicht nur vorgeschoben ist.

Wann brauchst du dir keine Sorgen über Verspätungszuschläge machen?

Keine Sorgen über die Festsetzung von Verspätungszuschlägen aufgrund einer Fristversäumnis muss du dir dann machen, wenn du in diesem Jahr keine Steuer zahlen musst oder aufgrund von Einkommensteuervorauszahlungen eine Steuererstattung aus dem Einkommensteuerbescheid resultiert. In diesen Fällen werden grundsätzlich keine Verspätungszuschläge festgesetzt.

Was hat das Finanzamt sonst noch in der Trickkiste?

Allerdings würde ich auch in diesen Fällen die Steuererklärung nicht zuuu weit rausschieben, denn das Finanzamt hat noch andere Maßnahmen, um das Besteuerungsverfahren voranzutreiben, z.B. den Erlass eines Schätzbescheides. Schätzbescheide übertreffen die tatsächlichen Einkünfte sehr oft, was die Steuerpflichtigen dann motiviert, mit ihrer Steuererklärung endlich zu Potte zu kommen. An dieser Stelle sei aber auch angemerkt, dass du verpflichtet bist eine Steuererklärung abzugeben, wenn die Schätzung günstiger ist als deine tatsächliche Einkommenssituation. Ansonsten bist du in der Steuerhinterziehung.

Der Musiker und der Autokauf

Es gibt verschiedene Topthemen, über die ich als Steuerberaterin besonders häufig befragt werde. Eines davon sind die Fragen rund um einen Autokauf. Soll es privat gekauft werden oder über den Betrieb? Soll das Auto gekauft werden oder ist es besser einen Pkw zu leasen? Diese Fragen sind immer Fragen, die nur bezogen auf den jeweiligen Einzelfall korrekt beantwortet werden können. Dennoch gibt es ein paar grundsätzliche Überlegungen, die eine Rolle spielen.

Musiker im Anstellungsverhältnis

Zunächst einmal hat nur ein Musiker, der seine Tätigkeit selbständig auf Honorarbasis ausübt ein Betriebsvermögen. Ein angestellter Musiker kann nur Werbungskosten geltend machen. Er hat kein Betriebsvermögen. Deshalb wird ein Künstler, der nur angestellt tätig ist, sein Auto immer „privat“ kaufen. Er kann die auf Dienstreisen gefahrenen Kilometer mit der Kilometerpauschale von 0,30 EUR je Kilometer geltend machen. Alternativ kommt ein Ansatz der tatsächlichen Kosten eines Kilometers in Betracht.

Der selbständige Musiker hat ein Betriebsvermögen

Ein Musiker, der selbständig tätig ist hat dagegen ein Betriebsvermögen und die Frage: Kaufe ich das Auto privat oder im Betriebsvermögen, stellt sich entsprechend.
Sofern du das Auto in deinem Betriebsvermögen kaufst, kannst du:

  • wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, die Vorsteuer beim Kauf sofort vom Finanzamt zurück verlangen. Das ist ein erheblicher finanzieller Vorteil. Die Umsatzsteuer muss in der Rechnung allerdings ausgewiesen sein, es darf sich also nicht um ein differenzbesteuertes gebrauchtes Auto handeln. Dieser Vorteil tritt auch nur dann ein, wenn du umsatzsteuerpflichtig bist. Das sind Musiker oft nicht.
  • den Kaufpreis bei einem neuen Auto über die nächsten 6 Jahre abschreiben, d.h. verteilen.
  • alle Benzinkosten, Reparaturen, Versicherungen, Kfz-Steuern und sonstigen Kosten, die dir im Zusammenhang mit dem Auto entstehen sofort von der Steuer abziehen

Die Nachversteuerung der Privatentnahme bei betrieblichen Pkws

Im Gegenzug musst du die Kilometer, die du privat mit dem Auto gefahren bist nachversteuern. Dafür gibt es zwei Verfahren:

  • die Fahrtenbuchmethode
  • die 1 % Regelung.

Die Fahrtenbuchmethode

Bei der Fahrtenbuchmethode musst du alle Fahrten zeitnah, getrennt in einem Buch vermerken. Das Finanzamt stellt hier sehr strenge Anforderungen. Am Jahresende ermittelst du dann die privat gefahrenen Kilometer und setzt diese als Privatentnahme in deiner Steuererklärung an. Der betriebliche Gewinn wird also nur insoweit gemindert, als das Auto auch für betriebliche Fahrten verwendet wurde.

Die 1 % Regelung

Bei der 1% Regelung musst du 1 % des Bruttolistenpreises des Neufahrzeuges! pro Monat als Privatentnahme versteuern. Das ist insbesondere dann sehr schlecht, wenn du ein gebrauchtes Auto kaufst. Zusätzlich musst du auch noch die Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte mit 0,03% des Bruttolistenpreises versteuern.

Selbständig und dennoch ein privater Pkw

Als selbständiger Musiker kannst du den Pkw auch im Privatvermögen behalten. Diese Möglichkeit besteht nur dann, wenn du das Auto weniger als 50 % betrieblich nutzt. Bleibt das Auto Privatvermögen, brauchst du nur die betrieblichen Fahrten zu notieren und kannst diese in der Steuererklärung ansetzen, mit:

  • der Kilometerpauschale in Höhe von EUR 0,30 je Kilometer oder
  • den tatsächlichen Kosten je gefahrener Kilometer, die du errechnen kannst, indem du alle Kosten des Autos durch die tatsächlich gefahrenen Kilometer teilst.

Leasing

Beim Leasing funktioniert es ähnlich, aber doch ein bisschen anders, denn bei einem normalen Kfz-Leasing gehört das Auto ja nicht dir. Du kannst aber genauso entscheiden, handelt es sich um ein

  • betriebliches Leasing,
  • oder ein privates Leasing?

Betriebliches Leasing

Beim betrieblichen Leasing erfasst du die Leasingraten und alle anderen Kosten als betriebliche Ausgaben und errechnest die privaten Kilometer wie oben ausgeführt beim betrieblichen Autokauf. Diese privaten Fahrten setzt du als Privatentnahme – also im Prinzip als Einnahme – an, d.h., sie dürfen den Gewinn nicht mindern.

Die Leasingsonderzahlung

Beim betrieblichen Leasing ist besonders interessant, dass die Leasingsonderzahlung im Jahr der Zahlung das Betriebsergebnis mindert, sofern du mit der Höhe der Leasingsonderzahlung nicht übertreibst. Die Leasingsonderzahlung ist das, womit du spielen kannst, wenn du in einem Jahr mal recht viel verdient hast. Dann kannst du zum Jahresende noch schnell ein Auto leasen und eine relativ hohe Leasingsonderzahlung vereinbaren. Als Richtschnur kannst du davon ausgehen, dass die Leasingsonderzahlung maximal 30 % des Kaufpreises des Autos betragen darf.

Leasingkonditionen

Leasing ist oft auch insbesondere dann interessant, wenn du das Auto betrieblichen nutzt. Viele Kfz-Händler bieten für gewerbliche Selbständige besondere Leasingkonditionen an. Hier musst du allerdings aufpassen, du bist als Musiker in der Regel nicht gewerblich tätig, sondern freiberuflich. Das musst du entsprechend mit dem Kfz-Verkäufer besprechen.

Privates Leasing

Wenn du das Auto privat least, dann kannst du wieder die betrieblich gefahrenen Kilometer ermitteln und entweder:

  • mit der 30ct-Pauschale ansetzen oder
  • mit den tatsächlichen Kosten jedes Kilometers.

Noch Fragen?

Ich hoffe Dir mit diesen Ausführungen zunächst weitergeholfen zu haben. Falls Du weitere Informationen zum Thema Kfz und Reisekosten brauchst, schau in meinem DIY Kurs nach, dort findest du jede Menge.

Die Folgen von Corona für Kreative

Ideensammlung

Hier ist eine finanzielle Ideensammlung, um als Musiker die Coronakrise besser zu überstehen. Denn die Coronakrise führt vor allem bei Musikern zu massiven Umsatzeinbrüchen. Die Bundesregierung, sowie die Landesregierungen und die Finanzbehörden haben ein Soforthilfepaket geschnürt, das aus verschiedenen Komponenten besteht, die ich im Folgenden für euch zusammenstelle: