Begleitung durch die Steuererklärung

Du willst deine Steuererklärung selbst erstellen, es bestehen aber trotz der Buchung meines Online-Kurses: „Steuern-DIY mach deine Steuererklärung selbst“ noch letzte Fragen? Dann ist dieser Kurs genau das Richtige für dich.

In diesem Online-Seminar gehen wir gemeinsam die einzelnen Teilbereiche des Kurses und damit des Steuererklärungsprozesses durch:

  • Belegorganisation: Wie sortierst du deine Belege am besten, wie behandelst du digital erhaltene Belege und darfst du Belege, die du in Papierform erhalten hast für das Finanzamt digitalisieren? Was ist dabei zu beachten?
  • Einnahmen: wie ermittelst du deine Einnahmen am besten? Brauchst du für jede Einnahme eine Rechnung? Reicht auch ein Vertrag oder ein Bankauszug als Nachweis? Was machst du mit Bareinnahmen. In diesem Seminarbereich zeige ich dir auch mein Datenerhebungstool, mit dem du ganz einfach deine Datenermittlung dokumentieren kannst.
  • Ausgaben: Hier kannst du alle Fragen stellen, die für dich auch nach der Durchsicht meines online-Kurses noch offen sind. Weil jeder Sachverhalt auch ganz individuell sein kann, gibt es hier immer wieder Besonderheiten, die noch zu klären sind.
  • Formularerfassung: Hier geht es vor allem um die Erfassung der Beträge aus deiner Einnahmenüberschussrechnung, sofern sich das aus dem Formular noch nicht einwandfrei ergeben hat. Aber auch ausländische Einkünfte, haushaltsnahe Dienstleistungen, Ausbildungskosten, etc. bedürfen manchmal noch einer letzten Klärung.
  • Umsatzsteuer: was muss ich eintragen, wenn ich Kleinunternehmer bin oder nur steuerfreie Umsätze habe. Wo ist was einzutragen. Habe ich hier bei meinen Umsätzen die richtige Entscheidung getroffen?

Idealerweise hast du dich mit den einzelnen Themen schon befasst und die Unterlagen entsprechend vorbereitet, die Einnahmen ermittelt, die Ausgaben zusammengestellt und dir schon Überlegungen zur Umsatzsteuer gemacht. Der Kurs ist vor allem dafür gedacht, dass du noch offene Fragen stellst.

Zwischen den einzelnen Terminen liegen immer mindestens 2 Tage, damit du Gelegenheit hast, die gelösten Punkte nachzuarbeiten und dich auf den nächsten Termin vorzubereiten. Am Ende aller Kurse steht dann die fertige Steuererklärung.

Pro Kurs werden nur 5 Kursteilnehmer zugelassen. Der Kurs findet in jedem Fall statt. Die Kurse können auch einzeln gebucht werden.

Termine:

KursTerminKursgebühr
Belegorganisation07.03.2022        von 9:00 – 10:0035,00 EUR incl. USt
Einnahmen09.03.2022        von 9:00 – 10:0035,00 EUR incl. USt
Ausgaben11.03.2022        von 9:00 – 10:0035,00 EUR incl. USt
Formularerfassung14.03.2022        von 9:00 – 10:0035,00 EUR incl. USt
Umsatzsteuer16.03.2022        von 9:00 – 10:0035,00 EUR incl. USt

Anmeldung bitte direkt an meine email-Adresse info@fohr-steuer.de unter Angabe von Namen, Adresse, des Kurstitels und des Kurstermins.

Spenden in der Form von Twitch, Patreon, Crowdfunding und co.

In der Coronazeit wurden insbesondere viele Musiker durch Spenden unterstützt. Zum einen haben beispielsweise Schüler oder Kursteilnehmer angeboten, die Kursgebühren weiter zu bezahlen, auch wenn sie keinen Unterricht erhalten. Andererseits haben Freunde, Bekannte oder so genannte Mäzene Künstler unterstützt, um die schwierige finanzielle Situation von Künstlern etwas abzumildern.

Wie sind diese Spenden zu behandeln?

Einkommensteuerlich sind alle Zuwendungen, die im Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit stehen einkommensteuerpflichtig. Das ist gerade bei diesen „Coronaspenden“ etwas schwierig. Solang diese rein aus dem Betrieb verursacht sind besteht Einkommensteuerpflicht. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Kursteilnehmer die Kursgebühr weiter bezahlt, um sich die Möglichkeit zu eröffnen, dass es die Musikschule in Zukunft auch noch gibt. Wenn die Kurse nur geschoben werden oder statt Präsenzunterricht ein Onlineangebot gegeben wird, besteht ohnehin Einkommensteuerpflicht für die Einnahmen.

Crowdfunding

Auch Einnahmen aus Crowdfunding stellen meines Erachtens Betriebseinnahmen dar, wenn die Spenden gewährt werden, um beispielsweise eine CD-Produktion zu finanzieren. Spenden sind generell nur für gemeinnützige Einrichtungen steuerfrei. Für alle anderen nicht.

Schenkungen

Abzugrenzen von Spenden sind Schenkungen im rein privaten Bereich. Wenn beispielsweise Künstlern in der Coronakrise Geldzuwendungen von Familienangehörigen und Freunden gewährt wurden, um sie vor dem Verhungern zu bewahren, dann ist das ein schenkungsteuerliches Thema. Hier ist eine Schenkung unter fremden Dritten bis zu einem Betrag von 20.000 € sowieso nicht einkommensteuerbar, aber auch nicht schenkungsteuerpflichtig.

Umsatzsteuer

Leistungen unterliegen nur dann der Umsatzsteuer, wenn sie im Rahmen eines Leistungsaustausches erzielt werden. Bei der Frage: ist diese Spende umsatzsteuerpflichtig ist also entscheidend, ob du eine Leistung erbracht hast, um diese Spende zu erhalten. Wenn du das verneinen kannst, dann liegt keine Umsatzsteuerpflicht vor.

Am obigen Beispiel mit den Kursgebühren bedeutet das: Wenn die Kursteilnehmer den Betrag spenden, damit du in Zukunft deine Musikschule noch weiter betreiben kannst, dafür über keinerlei Kursleistungen erhalten, dann ist dies Kursgebühr zwar einkommensteuerpflichtige, aber nicht umsatzsteuerbar.

Im anderen Fall, dass der Kurs geschoben wurde oder auf online umgestellt, dann sind diese Kursgebühren einkommensteuerpflichtig und auch umsatzsteuerbar. Sie können nach den für dich normalerweise anzuwendenden Vorschriften umsatzsteuerfrei sein.

Digitale Belegorganisation für die Finanzverwaltung

Die Welt verschiebt sich immer mehr ins Internet und auf elektonische Wege. Auch die Steuererklärung ist zwischenzeitlich elektronisch einreichbar. Belege müssen in der Regel nicht mehr eingereicht werden, es sei denn, das Finanzamt fragt nach. Dann können Belege zwischenzeitlich per email an die meisten Finanzämter elektronisch verschickt werden.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, darf ich meine Steuerbelege elektronisch aufbewahren oder muss ich es sogar? Und falls ja, welche Anforderungen sind an dieses Aufbewahrungssystem zu stellen?

Die digitale Erfassung von Belegen ist nicht nur im Hinblick auf das Finanzamt von Interesse, sondern auch für dich selbst. Sofern du auf deine Belege immer schnell über den Computer zugreifen kannst, ist das auch für dich sehr effizient. Denke zum Beispiel an Verträge, die du mit Auftraggebern abgeschlossen hast. Auf diese willst du ja sicher auch auf Dienstreisen zugreifen können. Wenn du sie dann direkt zur Hand hast – wunderbar!

Belege die du elektronisch erhalten hast

Belege, die du elektronisch erhalten hast, per email, oder als Zugriff auf persönliche Konten auf der Internetseite des Lieferanten, musst du in dem Format aufbewahren, in dem du sie empfangen hast. Dies gilt im hier interessierenden Zusammenhang zum Beispiel für Bankauszüge, Telefonrechnungen aber auch Rechnung von Internetanbietern wie amazon.

Nicht korrekt ist hier, die Belege auszudrucken und dann nur die gedruckten Belege aufzubewahren. Vielmehr musst du den ursprünglichen elektronischen Beleg speichern und über den Zeitraum der Aufbewahrungspflicht sichern und lesbar erhalten.

Das ist vielen gar nicht so klar. Das Ausdrucken kannst du dir aus Sicht der Finanzbehörde sparen.

Solltest du die Rechnung per email erhalten, musst du die email nur dann speichern, wenn sie neben der Rechnung wichtige Informationen für die Buchhaltung enthält. Dann aber musst du sie speichern und mit dem eigentlichen Beleg ablegen.

Belege, die du elektronisch erstellt hast

Wenn du selbst deine Rechnungen mit Hilfe eines Rechnungserstellungsprogrammes erstellst, dann musst du die Rechnungen dann nicht in Papierform bringen und archivieren, wenn die Rechnung durch das Programm so gesichert ist, dass sie nicht verändert werden kann. In diesem Fall entfällt die Notwendigkeit eines Ausdruckes. Entscheidend ist, die Rechnung in dem Programm über den gesamten Zeitraum der Aufbewahrungsfrist lesbar zu halten. Schlecht ist es, wenn du das Programm wechselst und damit die alten Rechnungen nicht mehr lesbar sind.

Wenn du deine Rechnungen über Word- oder Excel erstellst, ist diese Unveränderbarkeit natürlich nicht gegeben. Hier wäre es richtig, das Dokument zu drucken und zu archivieren. Alternativ kannst du die Rechnung auch in ein PDF umwandeln und als solches speichern. Bitte achte beim Speichern darauf, dass die Datei einen Namen erhält, mit dem man den Inhalt des Dokumentes leicht identifizieren kann.

Belege, die du in Papierform bekommen hast

Wenn auch der Digitalisierungsprozess rasant voranschreitet, gibt es doch noch immer viele Rechnungen und Quittungen, die in Papierform ins Haus flattern.

Diese kannst du natürlich scannen und in einer Datei ablegen, wenn du deine Buchhaltungsunterlagen insgesamt in digitaler Form führen möchtest. Die Frage ist, darfst du das Original wegwerfen oder nicht.
Hier hat sich das Finanzamt ganz was Tolles einfallen lassen. Du darfst den Ursprungsbeleg wegwerfen, wenn du eine sog. Verfahrensdokumentation über den Digitalisierungsprozess erstellt hast. Das nennt man ersetzendes Scannen. Und diese Verfahrensdokumentation hat es in sich.

Es gibt zwar immer wieder den schönen Satz im maßgeblichen Schreiben des Bundesfinanzminiseriums Tz 136: „Die konkrete Ausgestaltung dieser Verfahrensdokumentation ist abhängig von der Komplexität und Diversifikation der Geschäftstätigkeit und der Organisationsstruktur sowie des eingesetzten DV-Systems“. Das soll wohl heißen, dass wenig komplexe Unternehmen, sich etwas kürzer fassen dürfen.

Verfahrensdokumentation

In der Verfahrensdokumentation muss aber auf jeden Fall beschrieben werden:

  • wer erfassen darf,
  • zu welchem Zeitpunkt erfasst wird oder erfasst werden soll (z. B. beim Posteingang, während oder nach Abschluss der Vorgangsbearbeitung),
  • welches Schriftgut erfasst wird,
  • ob eine bildliche oder inhaltliche Übereinstimmung mit dem Original erforderlich ist,
  • wie die Qualitätskontrolle auf Lesbarkeit und Vollständigkeit und
  • wie die Protokollierung von Fehlern zu erfolgen hat.

Die Verfahrensdokumentation beginnt mit dem Erhalt der Rechnung oder Quittung, muss auch die Weiterleitung an einen gegebenenfalls eingeschalteten Steuerberater beinhalten und endet mit der endgültigen Ablage des Beleges.

Das Finanzamt legt hier großen Wert auf Kontrolle des Scan-Prozesses. Das ist bei einem Soloselbständigen natürlich etwas schwierig. Aber dennoch solltest Du Überprüfungen einbauen.

Alternativ: Originalbelege doch behalten

Wenn dir die Erstellung einer Verfahrensdokumentation zu umständlich oder zu unsicher ist, kannst du auch die Originalbelege in einer vereinfachten Form aufbewahren. Z.B. kannst du alle Belege nach Ihrem Rechnungsdatum chronologisch in einem Ordner ablegen.

Für die Ordnungsmäßigkeit einer Buchhaltung ist es wichtig, dass man schnell von den Belegen die Buchung finden kann und von der Buchung den Beleg. Wenn dies aufgrund einer überschaubaren Menge von Belegen im Wege einer Ablage nach Rechnungsdatum schnell und sicher möglich ist, dann spricht nichts gegen diese Ablageform.

Quittungen auf Thermopapier

Quittungen auf Thermopapier haben die ungeschickte Eigenschaft, dass sich die Schrift im Zeitablauf oft auflöst. Aus diesem Grunde ist es schon aus Datensicherungsgründen erforderlich, diese Belege zu scannen und elektronisch zu sichern. Das Fehlen des Originalbeleges ist hier in der Regel unschädlich, auch wenn keine Verfahrensdokumentation besteht.

Ablagesystem digitaler Belege

Für die Finanzverwaltung ist es wichtig, dass sie notfalls schnell von einem Beleg auf die Buchungen zugreifen kann (progressive Prüfung) oder von der Buchung auf den Beleg (retrograde Prüfung). Aus diesem Grunde musst du auch deine digitale Ablage so organisieren, dass das gewährleistet ist.

Empfehlenswert ist deshalb, die digitalen Belege in entsprechenden Unterordnern abzulegen, die direkt erkennen lassen, um was es sich handelt. Beispielsweise Telefonrechnungen oder Bankauszüge. Der Name der Datei sollte immer darauf schließen lassen, was sich hinter dem Dokument verbirgt. Die meisten Scanprogramme vergeben Zahlencodes als direkten Dateinamen. Das ist nicht hilfreich. Du solltest diesen abändern und zum Beispiel den Lieferanten und die Rechnungsnummer hier einfügen.

Steuerpflicht von Coronahilfen

In den letzten beiden Jahren gab es unzählige Coronahilfen vom Bund und den Ländern, gerade für Künstler. Die steuerlichen Folgen der einzelnen Zuwendungen, können sich unterscheiden.

Soforthilfen des Bundes

Hier besteht Einigkeit, dass die Soforthilfen des Bundes einkommensteuerpflichtig sind, aber nicht umsatzsteuerbar. Diese Beträge musst du also als Betriebseinnahmen im Rahmen deiner Einnahmenüberschussrechnung erfassen.

Soforthilfen der Länder

Hinsichtlich dieser Hilfen, besteht eine gewisse Restunsicherheit, wie sie einkommensteuerlich zu behandeln sind. Grundsätzlich wird zwar die Ansicht vertreten, dass die Soforthilfen des Bundes und der Länder einkommensteuerpflichtig sind.

Es dürfte sich hier aber lohnen doch noch einmal beim zuständigen Ministerium nachzufragen, ob nicht ein andere Beurteilung möglich ist. In Teilen, wurde vertreten, dass diese Hilfen bis max. 3.000 € für die Finanzierung der Lebenshaltungskosten gezahlt wurden und damit weder umsatzsteuerbar noch einkommensteuerpflichtig sind. Aber wie gesagt, das ist kritisch zu beurteilen. Fragt da lieber mal nach.

Überbrückungsgelder

Sind alle insgesamt einkommensteuerpflichtig, aber nicht umsatzsteuerbar.

Novemberhilfe und Dezemberhilfe

Diese sind ebenfalls einkommensteuerpflichtig, aber nicht umsatzsteuerbar.

Neustarthilfen

Auch diese sind betriebliche Einnahmen, aber nicht umsatzsteuerbar.

Sonstige Förderzuschüsse diverser Art

Es ist hier im Prinzip nicht möglich, alle Coronahilfen im Einzelnen anzugeben, wie sie steuerlich zu behandeln sind. Am besten fragst du bei den entsprechenden Vergabestellen nach. Viele Einrichtungen, vor allem die Kultureinrichtungen haben Stipendien vergeben. Stipendien, die zur allgemeinen Finanzierung des Lebensunterhaltes dienen sind weder einkommensteuerpflichtig noch umsatzsteuerbar.

Förderbeträge, die im Zusammenhang mit der Durchführung eines Projektes gewährt wurden, stellen dagegen regelmäßig eine einkommensteuerpflichtige Betriebseinnahme dar. Umsatzsteuer entsteht jedoch auch in diesen Fällen nur dann, wenn der Fördergeber deine Leistung direkt erhält.

Es ist nicht davon auszugehen, dass das Finanzamt die richtige steuerliche Behandlung im Einzelnen überprüft. Du musst das schon von dir aus richtig recherchieren. Es wäre doch zu ärgerlich, wenn du eine Fördersumme als Betriebseinnahme angeben würdest, obwohl du das gar nicht musst.

Verkürzte Abschreibungsdauer für Computerhardware, sowie Software zur Dateneingabe und -verarbeitung

Olaf Scholz hat im Rahmen der Coronakrise die Abschreibungsdauer für Computerhardware und Software zur Dateneingabe und –verarbeitung auf ein Jahr verkürzt (bis 31.12.2020 3 Jahre, vergleiche den Blogbeitrag Arbeitsmittel).

Welche Geräte sind betroffen?

Entsprechend können folgende Geräte, die in einem Wirtschaftsjahr, das nach dem 31.12.2020 endet angeschafft wurden, in diesem Jahr voll abgeschrieben werden:

  • Computer
  • Desktop-Computer
  • Notebook-Computer (Tablets, Slates, mobile Thin-Clients)
  • Desktop-Thin-Clients
  • Workstations
  • Mobile Workstations
  • Small-Scale-Server
  • Dockingstations
  • Externe Netzteile
  • Peripherie-Geräte
  • Betriebs- und Anwendersoftware

Auch Altgeräte sind begünstigt

Auch Altgeräte, die in vorangehenden Wirtschaftsjahren angeschafft wurden, können in Wirtschaftsjahren, die nach dem 31.12.2020 enden vollständig abgeschrieben werden. Also auch Computer, die in 2020 angeschafft wurden und zum 31.12.2020 noch einen Restbuchwert haben, können im Wirtschaftsjahr 2021 voll abgeschrieben werden.
Eine entsprechende Regelung hat Herr Scholz in einem Schreiben seines Ministeriums am 26.02.2021 herausgegeben.

Bei der Regelung handelt es sich um ein Wahlrecht

Die Regelung ist ein Wahlrecht. Wenn die tatsächliche Nutzungsdauer länger ist als ein Jahr, kann auch über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden. Dies kann sinnvoll sein, um die steuerliche Bemessungsgrundlage über einen längeren Zeitraum zu mindern. Aufgrund des progressiven Steuertarifes kann dies insgesamt günstiger sein, als alle Ausgaben in einem Jahr zusammenzuballen.

Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen

Die Umsatzsteuer ID-Nummer wird auch für Musiker immer wichtiger. Um deine steuerlichen Belange im Zusammenhang mit dem EU-Ausland richtig abzuwickeln, brauchst du sie.

Wozu?

  1. Wenn du eine Leistung an einen ausländischen Leistungsempfänger in der EU erbringst, benötigst du eine Umsatzsteuer ID-Nummer, damit der ausländische Leistungsempfänger für dich das reverse charge Verfahren anwenden kann.
  2. Wenn du Leistungen im Ausland einkaufst, beispielsweise von Google oder Facebook, dann erhältst du nur dann eine sachlich korrekte Rechnung ohne Umsatzsteuer, wenn du ihnen deine Umsatzsteuer ID-Nummer gegeben hast.

Wo kannst du die Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen?

Die Umsatzsteuer ID-Nummer kannst du relativ unproblematisch auf der Homepage des BZSt beantragen.

Antrag USt Id Nummer
Die einzutragenden Daten sind überschaubar und ich denke, der Antrag ist völlig unproblematisch zu stellen. Nach Eingabe aller Daten kannst du den Antrag drucken und anschließend direkt über das Internetportal des BZSt versenden.

Wenn du von einem ausländischen Lieferanten eine Umsatzsteuer ID-Nummer erhalten hast, dann kannst du die auf Richtigkeit prüfen, sofern du Zweifel an der Korrektheit bestehen. Die Prüfung erfolgt unter folgender Homepage des Bundeszentralamtes für Steuern:

https://evatr.bff-online.de/eVatR/index_html

Das reverse charge Verfahren

Das reverse charge Verfahren ist eine echte Hilfe, wenn es um die Behandlung internationaler Umsatzsteuersachverhalte geht. Doch wann kommt es genau zur Anwendung?

Für dich als Leistungserbringer

Bereits im Beitrag allgemeines zur Umsatzsteuer habe ich ausgeführt, dass du als Musiker in der Regel sonstige Leistungen erbringst. Diese werden in dem Land besteuert, wo sich der Ort der sonstigen Leistungen befindet.

Ort der sonstigen Leistungen

Sofern du Leistungen an Privatpersonen erbringst, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung an deinem Unternehmenssitz, also nach unserer Grundannahme in Deutschland.

Wenn du Leistungen an ein anderes Unternehmen erbringst, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung am Sitz des empfangenden Unternehmens. Liegt dieser im Ausland, dann ist der Ort der sonstigen Leistung im Ausland. Damit du keine großen steuerlichen Pflichten im Ausland erledigen musst, kommt hier das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Vereinfacht heißt das: der ausländische Unternehmer kümmert sich um deine Umsatzsteuer im Ausland.

Musiker erbringen abweichend von dieser Grundregel ihre sonstigen Leistungen im Bereich der Auftrittstätigkeit dort, wo sie auftreten. Sofern du die Leistung an einen ausländischen Unternehmer im Staat deines Auftrittsortes erbringst, ist das kein Problem. Auch dann kann der ausländische Unternehmer das reverse charge Verfahren anwenden.

Was aber musst du tun, wenn dein Leistungsempfänger in Deutschland sitzt und du in Frankreich auftrittst? Oder was musst du tun, wenn dein Konzertveranstalter in Belgien sitzt und du in Frankreich auftrittst?

Was versteht man unter dem reverse charge Verfahren

Bei Anwendung dieses Verfahrens führt der Leistungsempfänger (beispielsweise der ausländische Streamingdienst) die Umsatzsteuer für dich ab. Du weist in deiner Rechnung keine Umsatzsteuer aus. Auf deine Rechnung schreibst du: Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Sofern der Streamingdienst per Gutschrift abrechnet, brauchst du nicht mal eine Rechnung zu schreiben.

Im deutschen Steuerrecht ist das reverse charge Verfahren in § 13b UStG geregelt. Aus diesem Grunde wird auch oft von 13b Umsätzen gesprochen. Gemeint ist, dass auf diese Umsätze das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt.

Das reverse charge Verfahren wird durchgängig von allen Staaten der EU angewandt und von einigen anderen wichtigen Industriepartnern. Aber es wenden nicht alle Staaten weltweit dieses Verfahren an. Beispielsweise kennt die USA dieses Verfahren nicht. Ob ein Land das reverse charge Verfahren anwendet, musst du im jeweiligen Einzelfall ermitteln. Helfen können hier die Handelskammern oder die Außenhandelskammern in Deutschland oder dem jeweiligen Land.

Voraussetzungen für die Anwendung des reverse charge Verfahrens

Damit der ausländische Unternehmer das reverse charge Verfahren anwendet, musst du dich als Unternehmer ausweisen können. Innerhalb der Europäischen Union kannst du das durch die Vorlage einer Umsatzsteuer ID-Nummer. Diese erhältst du über die Homepage des BZSt. Näheres zur Beantragung der Umsatzsteuer ID-Nummer findest du unter meinem entsprechenden Blog-Beitrag. Oft hilft diese Nummer auch bei Leistungsempfängern im Drittland.

Das reverse charge Verfahren kommt nur bei Leistungen zwischen Unternehmern zur Anwendung. Bei Leistungen zwischen dir und einer Privatperson kommt es nicht zur Anwendung.

Deine Meldepflichten, wenn du Leistungen an ausländische Unternehmer erbringst

Auch wenn du sonstige Leistungen an einen ausländischen Empfänger erbringst und dieser im Ausland das reverse charge Verfahren anwendet, musst du trotzdem in Deutschland Meldepflichten erfüllen. Zum einen musst du die im Ausland erbrachten Leistungen gem. 13b UStG in der Umsatzsteuererklärung angeben und du musst auch eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Exkurs: Registrierungspflicht im Ausland, wenn das reverse charge Verfahren nicht zur Anwendung kommt

Wenn der andere Staat kein reverse charge Verfahren kennt, oder ein reverse charge Verfahren nicht zur Anwendung kommt, weil der Leistungsempfänger nicht im Auftrittsstaat ansässig ist, musst du dich am Ort deiner Leistung umsatzsteuerlich registrieren lassen. Du musst die Umsatzsteuer im entsprechenden Ausland nach den dort geltenden Regelungen abführen! Hier gibt es mit Sicherheit unzählige Leichen in unzähligen Kellern, will sagen, das wurde mit Sicherheit sehr häufig vergessen. Aber nach meiner Einschätzung ist das ganz klar deine Aufgabe als auftretender Künstler. Du bist der Steuerschuldner.

Für dich als Leistungsempfänger

Selbst wenn du keine Leistungen an ausländische Abnehmer erbringst, kann das reverse charge Verfahren für dich zur Anwendung kommen. Dann nämlich, wenn du Leistungen von ausländischen Unternehmen beziehst. Und das ist derzeit sehr häufig der Fall. Denke nur an Facebookwerbung, Googleleistungen, Zoomlizenzen und so weiter.

Gilt das auch für mich als Kleinunternehmer?

Das ist auch dann der Fall, wenn du nur umsatzsteuerfreie Erlöse erzielst oder Kleinunternehmer bist. Dann ist es sogar von besonderer Bedeutung, weil du die Umsatzsteuer aus dem reverse charge Verfahren abführen musst, aber keinen Vorsteuerabzug hast. Die abzuführende Umsatzsteuer wird für dich zur kostenmäßigen Belastung!!!!

Auch als Kleinunternehmer bist du umsatzsteuerlicher Unternehmer. Wenn du sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens beziehst, unterliegen diese Leistungen in Deutschland dem reverse charge Verfahren. Der ausländische Leistende ist Unternehmer, du bist (Klein-) Unternehmer. Damit kommt dieses Verfahren zur Anwendung.

Und du musst tätig werden!

Damit alles richtig läuft, ist es auch hier wichtig, dass du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast.

Du übermittelst bei der Bestellung deine Umsatzsteuer ID-Nummer an den Lieferanten (beispielsweise Google). Danach bekommst du eine Rechnung von Google ohne Umsatzsteuer mit dem Vermerk, dass das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt. Damit meint der Lieferant, dass du das anwenden musst!

In der Umsatzsteuervoranmeldung oder spätestens der Umsatzsteuerjahresmeldung musst du die entsprechenden 13b Leistungen melden. Voranmeldungen müssen unter den allgemein gültigen Regelungen abgegeben werden, wenn die Umsatzsteuerschuld eine bestimmte Höhe erreicht. Wenn deine Umsatzsteuerzahllast aus dem reverse charge Verfahren diese Grenze überschreitet, musst du Voranmeldungen abgeben. Ansonsten kannst du dich auf die Jahreserklärung beschränken.

Onlineeinkünfte aus Blogs, Youtube, Streamingplattformen und Co.

Die Coronapandemie hat viele Musiker dazu veranlasst, ihr Leistungsangebot zu erweitern. Zu den üblichen Konzerthonoraren und Unterrichtsentgelten, kamen Einkünfte aus Internetdienstleistungen hinzu, die sie nun anzubieten begannen. Was aber ist hinsichtlich dieser Einnahmen bei der Einkommensteuer und vor allem der Umsatzsteuer zu beachten. Im nachfolgenden Artikel konzentriere ich mich auf die Einnahmen aus folgenden Tätigkeiten:

  • Onlineunterricht über einen eigenen Blog
  • Musikstreaming oder Onlineunterricht über eine internationale Streamingplattform
  • Werbeeinnahmen

Einkommensteuer

Steuerpflicht in Deutschland

Wenn du bereits aufgrund deiner bisherigen Einkünfte ganz oder teilweise selbständig tätig warst, dann zählen die Einkünfte aus dem Angebot von Onlinekursen, live oder aus der Konserve, Streaminghonorare und Werbegebühren aus Plattformen wie youtube oder spotify zu deinen steuerpflichtigen Einkünften aus selbständiger Tätigkeit. Und zwar alle Einnahmen, die du erzielst.

Ich gehe in diesem Blog davon aus, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist und auch hier uneingeschränkt dein Unternehmen betreibst. Davon ist auszugehen, wenn du in keinem anderen Land eine Betriebsstätte hast, das heißt eine gewisse feste Verbindung, in der Form eines Raumes, beispielsweise. Als unbeschränkt Steuerpflichtiger in Deutschland, ohne Betriebsstätte im Ausland, musst du alle Einnahmen aus deinem Unternehmen in Deutschland erfassen, egal woher sie kommen.

Einkünfte aus künstlerischer Tätigkeit

So lange du künstlerische Leistungen anbietest, wie beispielsweise Unterricht, Konzertmitschnitte oder Musik im Internet, sind diese Einkünfte auch weiterhin Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, die du einfach als weitere Einkommenskategorie bei deinen selbständigen Einkünften erfasst.

Einkünfte aus Werbeleistungen

Aus dieser Tätigkeit erzielte Werbeeinnahmen, stammen grundsätzlich nicht aus freiberuflicher Tätigkeit. Es handelt sich um gewerbliche Einkünfte. Ich würde dir empfehlen, für diese Einkünfte eine gesonderte Einnahmenüberschussrechnung zu erstellen, um die gewerblichen Einkünfte getrennt von den freiberuflichen Einkünften zu erfassen.

Anders als freiberufliche Einkünfte, unterliegen gewerbliche der Gewerbesteuer. Das ist so lange unproblematisch, als dein Gewinn unter dem Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von 24.500 € liegt. Deshalb ist es wichtig, den gewerblichen Einnahmenüberschuss getrennt zu ermitteln.


Aufwendungen

Aufwendungen, die mit der Erzielung dieser Einnahmen in Zusammenhang stehen, kannst du als Betriebsausgaben abziehen. Hier kommen weitere Ausgabenkategorien wie Website- und Domainkosten, Bildbearbeitungsprogramme oder Fotoequipment verstärkt hinzu. Möglicherweise auch Lizenzgebühren für verschiedene Streaminganbieter.

Umsatzsteuer

Die Musik in der Besteuerung derartiger Onlineeinkünfte spielt in der Umsatzsteuer.

Der bislang umsatzsteuerlich sorgenfreie Musiker

Hinsichtlich der Umsatzsteuer bist du als Musiker in der Regel verwöhnt. Du erzielst deine Konzerthonorare gem. § 4 Nr. 20a UStG in der Regel umsatzsteuerfrei und deine Unterrichtshonorare über § 4 Nr.21 UStG ebenfalls. Weitere Einkünfte vereinnahmst du unter der Kleinunternehmerregelung – ebenfalls ohne dir über Umsatzsteuer Gedanken machen zu müssen. Einen Vorsteuerabzug hast du im Gegenzug nicht. Das heißt, im Rahmen deiner normalen Tätigkeit musst du dich eigentlich um Umsatzsteuer nicht groß kümmern. Das ist bei Onlineeinkünften schnell anders.

Umsatzbesteuerung der Leistungserbringung

Inländische Leistungsempfänger

Solang du Onlinedienstleistungen an inländische Leistungsempfänger erbringst, ist die Umsatzsteuer weiter unproblematisch.
Erbringst du Musikkurse online an inländische Empfänger, ist dieser Musikkurs unter den Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 UStG ebenfalls von der Umsatzsteuer befreit. Sofern du Konzertmitschnitte oder Musik an inländische Abnehmer streamst, gilt ebenfalls die Befreiung gem. § 4 Nr. 20 UStG. Werbeeinnahmen von inländischen Streamingdiensten kannst du unter der Kleinunternehmerregelung bis zu einer Grenze in Höhe von 22.000 € umsatzsteuersorglos vereinnahmen.

Ausländische Streamingdienste als Leistungsempfänger

Aber vor allem Streamingdienstleistungen erbringst du oft an ausländische Streamingplattformen, die dann per Gutschrift abrechnen. Gem. Umsatzsteuergesetz, werden sonstige Leistungen eines Unternehmers (du als Musiker) an einen anderen Unternehmer (ausländischer Streamingdienst) dort erbracht, wo der ausländische Leistungsempfänger sitzt (Streamingdienst). Sofern dieser in Irland, USA, Schweiz oder Abu Dhabi sitzt, erbringst du eine Leistung in diesem Land. Das ist problematisch. Woher sollst du wissen, was du dort umsatzsteuerlich tun musst?

Reverse charge Verfahren in der EU und einigen anderen Ländern

Die Finanzbehörden haben dieses Problem international auch erkannt und in vielen Ländern das sogenannte reverse charge Verfahren eingeführt. Bei Anwendung dieses Verfahrens führt der Leistungsempfänger (ausländischer Streamingdienst) die Umsatzsteuer für dich ab. Du weist in deiner Rechnung keine Umsatzsteuer aus. Auf deine Rechnung schreibst du: Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Sofern der Streamingdienst per Gutschrift abrechnet, brauchst du nicht mal eine Rechnung schreiben. Soweit so gut. Das ist weiterhin ohne Schwierigkeiten regelbar.

Das reverse charge Verfahren wird zwar durchgängig von allen Staaten der EU angewandt und von einigen anderen wichtigen Industriepartnern. Aber es wenden nicht alle Staaten weltweit dieses Verfahren an. Beispielsweise kennt die USA dieses Verfahren nicht. Ob ein Land das reverse charge Verfahren anwendet, musst du im jeweiligen Einzelfall ermitteln. Helfen können hier die Handelskammern oder die Außenhandelskammern in Deutschland oder dem jeweiligen Land.

Registrierungspflicht im Ausland, das kein reverse charge Verfahren kennt

Wenn der andere Staat kein reverse charge Verfahren kennt, musst du dich dort umsatzsteuerlich registrieren lassen und die Umsatzsteuer im entsprechenden Ausland nach den dort geltenden Regelungen abführen! Es kann nicht empfohlen werden, diese Umsatzsteuerpflicht im Ausland zu ignorieren, weil du dann einen großen Berg an Steuerschulden und gegebenenfalls strafrechtlichen Folgen vor dir herschiebst. Du musst dir im Ausland einen Fiskalvertreter suchen, der die Aufgaben für dich erledigt.

Die Umsatzsteuer ID-Nummer wird jetzt wirklich wichtig!

Damit bei der Besteuerung von sonstigen Leistungen an ausländische Dienstleister alles richtig läuft, musst du eine Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen und verwenden. Diese erhältst du über die Homepage des BZSt.

Mit der Umsatzsteuer ID-Nummer kannst du dich gegenüber den ausländischen Streamingdiensten als Unternehmer zu erkennen geben, so dass diese alles umsatzsteuerlich Erforderliche veranlassen.
Wenn du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast, musst du diese auch in deinen Rechnungen verwenden. Nicht vergessen!

Umsatzsteuerpflichten bei Leistungen an Privatpersonen

Sonstige Leistungen, die auf elektronischem Wege an Privatpersonen erbracht werden, sind gemäß § 3a Abs. 5 Umsatzsteuergesetz dort erbracht, wo die Privatperson ihren Wohnsitz hat. Wenn du also vor allem Onlinekurse auch an ausländische Schüler erbringst, sind diese Leistungsvergütungen im Wohnsitzstaat des Schülers umsatzsteuerpflichtig!

Das ist sehr nervig, da ausländische Privatpersonen nicht verpflichtet sind, das reverse charge Verfahren anzuwenden. Das wiederum heißt, du musst dich um die umsatzsteuerliche Behandlung deiner Kurshonorare im entsprechenden Ausland selbst kümmern. Das bringt ebenfalls eine Registrierungspflicht im Ausland mit sich. Ob dort auch eine Kleinunternehmerregelung oder Umsatzsteuerbefreiungen für deine Leistungen bekannt sind, musst du im jeweiligen Land herausfinden.

Die Gute Botschaft: Du kannst auf die Anwendung des § 3a Abs.5 UStG verzichten!

Auf die Anwendung dieser sehr lästigen Vorschrift kannst du verzichten, wenn du nur in einem EU-Land ansässig bist und nicht mehr als 10.000 € an Leistungen in ein anderes EU-Land erbringst! Dann gibst du in der Steuererklärung an, du verzichtest. Die Umsätze mit Privatschülern unterliegen dann der deutschen Umsatzsteuer gem. § 3a Abs. 1 UStG. Gegebenenfalls kommt dann die Umsatzsteuerbefreiung gem.§ 4 Nr. 20 oder § 4 Nr. 21 UStG zur Anwendung.


Sonstige Lösungsmöglichkeit: Einschaltung eines Dienstleisters

Eine Lösung könnte hier sein, auch für den Unterricht einen unternehmerischen Streamingdienst einzuschalten und dann mit einem Unternehmer den Leistungsverkehr abzuwickeln. Bei dieser Gestaltung könnte der ausländische Unternehmer sofern in dem Staat bekannt das reverse charge Verfahren anwenden.

Für welche Leistungen gilt § 3a Abs. 5 UStG

Unter Leistungen, die auf elektronischem Wege erbracht werden, versteht die Finanzverwaltung im hier interessierenden Zusammenhang vor allem folgende Leistungen:

  • Die Bereitstellung von E-Books
  • Die Bereitstellung von Musik
  • Die Bereitstellung von Veranstaltungen im Kultur- und Musikbereich
  • Und eben der Fernunterricht.

Achtung aufgepasst!!
Meldepflichten für dich auch als leistender Kleinunternehmer

Auch wenn du sonstige Leistungen an einen ausländischen Empfänger erbringst und dieser im Ausland das reverse charge Verfahren anwendet, musst du trotzdem in Deutschland Meldepflichten erfüllen. Zum einen musst du die im Ausland erbrachten Leistungen gem. 13b UStG in der Umsatzsteuererklärung angeben und du musst auch eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Meldepflichten auch als Kleinunternehmer, der nur ausländische Leistungen empfängt

Selbst wenn du keine Leistungen an ausländische Abnehmer erbringst, bleibst du von umsatzsteuerlichen Aufgaben nicht einmal als Kleinunternehmer mit ansonsten nur steuerfreien Einnahmen verschont.

Auch als Kleinunternehmer bist du umsatzsteuerlicher Unternehmer. Wenn du sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens beziehst, unterliegen diese Leistungen in Deutschland dem reverse charge Verfahren. Der ausländische Leistende ist Unternehmer, du bist (Klein-) Unternehmer. Damit kommt dieses Verfahren zur Anwendung.

Und du musst tätig werden!

Du musst für den ausländischen Unternehmer die Umsatzsteuer abführen. Das wird für dich zu einer kostenmäßigen Belastung, weil du als Kleinunternehmer und Bezieher von nur umsatzsteuerfreien Umsätzen nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt bist.

Alleine zum Beispiel Facebook oder Google sitzen im EU – Ausland und du musst das reverse charge Verfahren für diese Leistungen anwenden. Damit alles richtig läuft, ist es auch hier wichtig, dass du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast.

Du übermittelst bei der Bestellung deine Umsatzsteuer ID-Nummer an den Lieferanten (beispielsweise Google). Danach bekommst du eine Rechnung von Google ohne Umsatzsteuer mit dem Vermerk, dass das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt. Damit meint der Lieferant, dass du das anwenden musst!

Das reverse charge Verfahren muss also hier von dir durchgeführt werden. Wenn du Leistungen an einen ausländischen Streamingdienst erbringst, kümmert er sich ja um die Umsatzsteuer. Das ist beim Einkauf von Leistungen nicht so. Du musst handeln!

Wie?

In der Umsatzsteuervoranmeldung oder spätestens der Umsatzsteuerjahresmeldung. Hier verweise ich auf die Regelungen zur Umsatzsteuer. Voranmeldungen müssen unter den allgemein gültigen Regelungen abgegeben werden, wenn die Umsatzsteuerschuld eine bestimmte Höhe erreicht. Wenn deine Umsatzsteuerzahllast aus dem reverse charge Verfahren diese Grenze überschreitet, musst du Voranmeldungen abgeben. Ansonsten kannst du dich auf die Jahreserklärung beschränken.

So!

Dieser Artikel ist etwas länger geworden und nicht ganz einfach. Entschuldigt bitte. Aber ich wollte alle Belange zu diesem Thema in einem Artikel zusammenfassen.

Traumkonto

Du willst Geld auf die Seite legen, es gelingt dir aber einfach nicht?

Dann starte doch einmal mit einem Traumkonto – ein Konto, auf dem du Geld sammelst, um deine ganz persönlichen Träume zu erfüllen.

Ein Traumkonto ist schnell eingerichtet. Du eröffnest einfach ein kostenfreies Unterkonto zu deinem Girokonto. Transferiere die ersten 10 €, 20 € oder 100 € direkt und schon geht es los.

Es ist viel leichter, Geld für einem Traumkonto zu sammeln, als für ein Steuerrücklagenkonto oder das Sicherheitskonto, denn mit dem Traumkonto ist natürlich das Glücksgefühl verbunden, endlich deine Träume erfüllen zu können.

Wie kommt Geld auf das Traumkonto?

Geldgeschenke sammeln

Ich selbst habe vor vielen, vielen Jahren ein Traumkonto eingerichtet und es war für mich der Einstieg wirklich konsequent Geld zur Seite zu legen. Ich habe auch einfach zunächst ein kostenfreies Unterkonto eröffnet und dann ein paar Euro darauf überwiesen. Der Plan war, möglichst viel verreisen zu können. Dann habe ich überlegt, wie ich Geld abzweigen kann, um das Konto zu befüllen. Zunächst war ich damals noch in der glücklichen Lage, dass ich von verschiedenen Verwandten noch immer Geldgeschenke bekommen habe. Diese flossen normalerweise einfach irgendwie in meine allgemeine Lebensführung ein. Mal ein bisschen besser Essen gehen, mal ein neues Kleid. Nachdem ich das Traumkonto eröffnet hatte, habe ich diese Beträge konsequent darauf einbezahlt, um dann auch sehen zu können, wo diese Geschenke hinfließen.

Flohmarkt, Ebay und Co.

Ein Traumkonto kann vieles bewegen. Ich habe dann begonnen, weiteres Geld zu suchen, um es auf das Konto einzubezahlen. Dabei hat bei mir eine unheimliche Aufräum- und Ausräummotivation eingesetzt. Ich habe alle Schränke nach Dingen abgesucht, die ich auf einem Flohmarkt verkaufen kann. Alternativ könnte man die Sachen auch auf Ebay einstellen. Ich habe alle Bücher, die ich entbehren konnte über Momox verkauft oder eben auch über den Flohmarkt. Die Schränke wurden leerer, das Haus ordentlicher und die Kasse voller.

Sparmonat mit viel Kreativität

Eine tolle Aktion war auch, dass ich einen Sparmonat ausgerufen habe und die ganze Familie tatsächlich mitgemacht hat. November, kurz vor Weihnachten. Es wurde ein herrlicher, kreativer, erfüllter Monat, der ansonsten vorwiegend grau ist. Wir hatten so viel Spaß leckere Rezepte aus unserem Vorratsschrank zu zaubern, den Tiefkühlschrank leerzuessen, zu basteln, im Wald spazieren zu gehen und Naturprodukte als Deko zu sammeln, den Adventskranz selbst zu binden, Plätzchen zu backen, Filmabende zu Hause zu veranstalten und Glühpunsch am Grill auf der Terrasse zu trinken. Gekauft wurde nur das Notwendigste. Ich bin mit einem Bruchteil meines sonstigen Budgets ausgekommen und habe den Rest auf mein Traumkonto verschoben. Herrlich. 

Unzählige weitere Methoden

Es gibt unzählige Methoden, das Traumkonto zu befüllen, je nach Geldbeutel. Beispielsweise könntest du:

  • Einen monatlichen Fixbetrag abzweigen.
  • Einen monatlichen prozentualen Betrag deiner Einnahmen auf das Traumkonto legen. Diese Methode motiviert unheimlich mehr Einkommen zu erzielen. Ein wunderbarer Nebeneffekt, der auch deinen anderen Rücklagekonten zu Gute kommt.  
  • Such dir einen kleinen oder größeren Nebenjob nur zu dem Zweck das Traumkonto zu befüllen.
  • Denk an mögliche Einnahmen aus Blutspenden, Plasmaspenden oder der Teilnahme an Forschungsstudien, etc.
  • Reduziere Impulskäufe und belohne dich damit, dass du das nicht ausgegebene Geld immer auf das Traumkonto überweist. Du wirst gar nicht glauben, die viel Geld man für unnötige Impulskäufe ausgibt. Impulskäufe werden meist nur aus dem Wunsch heraus getätigt, sich etwas Gutes zu tun. Weil man aber sonst gerade keine Idee hat, wie man sich sinnvoll verwöhnen könnte, kauft man etwas. Wenn man das Geld glücklichmachend auf das Traumkonto einzahlen kann, ist man damit langfristig sicher zufriedener, als mit den Impulskäufen, über die man sich zumeist bald nur ärgert.
  • Du kannst alle 2 € Stücke sammeln und sie auf das Traumkonto einbezahlen.
  • Faste einen Monat lang alle Restaurantbesuche und koche nur zu Hause.
  • Trinke eine bestimmte Zeit lang keinen Wein oder esse keine Süßigkeiten zugunsten des Traumkontos.
  • Lass das Auto einen Monat stehen und nutze öffentliche Verkehrsmittel oder geh zu Fuß. Die gesparten Benzinkosten kommen auf das Traumkonto.
  • Starte eine second hand challenge und kaufe alle neuen Winterklamotten für dich, den Partner und die Kinder nur second hand.
  • Kaufe keine Bücher, sondern nutze die Stadtbibliothek in deinem Ort oder gründe einen Lesezirkel.
  • Geh nicht ins Kino, sondern veranstalte Filmabende mit Snacks zu Hause.
  • Kündige den ungenutzten Fitnessclub.
  • Etc., etc., etc.

Keine Ausreden!

Und: eines ist auch ganz klar. Es geht für praktisch jeden Geldbeutel, egal, wie klein oder groß dein Einkommen ist. Das hat nur Einfluss auf die Höhe der Beträge, die auf das Traumkonto fließen, aber nicht auf das Traumkonto selbst.

Mit dem Traumkonto zum Glück  

Ein Traumkonto beflügelt das Vorhaben, deine Finanzen in den Griff zu bekommen ungemein. Wie?

Mehr Einnahmen

Wie oben schon ausgeführt, motiviert es sehr stark mehr Einkommen zu generieren, um das Konto befüllen zu können. Wenn du erst einmal angefangen hast, Geld auf einem Traumkonto zu sammeln, kommt vieles von ganz allein in Gang. Ganz einfach: weil ein Traumkonto zu haben Spaß macht und glücklich. Du wirst nach Aufträgen und Jobs suchen und sie auch finden, nur um mehr Liquidität für dein Traumkonto zur Verfügung zu haben.

Auch die anderen Rücklagen füllen sich leichter mit einem Traumkonto

Ein Traumkonto ist – geschickt eingesetzt – auch perfekt, um mehr Geld auf anderen Rücklagenkonten zu sammeln. Hast du zum Beispiel schon immer versucht dir eine Sicherheitsrücklage in Höhe von 3 bis 6 Monatsausgaben anzusparen, aber es hat dir immer die Motivation gefehlt? Dann mach es doch so, dass du zukünftig immer zunächst 50% der Beträge, die du zurücklegen kannst auf das Notfallkonto legst und 50% auf das Traumkonto (Achtung: Notfallkonto wird vor dem Traumkonto befüllt!). Schon hast du viel mehr Lust Geld zusätzlich zu generieren oder Ausgaben einzuschränken, weil ein bestimmter Teil davon auch auf das Traumkonto geht. Lege in diesem Fall aber zwei zusätzliche Unterkonten an. Eines für das Notfallkonto und eines für das Traumkonto. Sonst geht der Spaß schnell verloren, wenn das Traumkonto nicht wirklich ganz gesondert geführt wird.

Wichtig!

Verwende das Geld vom Traumkonto nur für deine Träume. Lieber legst du nur bescheidenere Beträge zurück und besparst zusätzlich die Notfallrücklage intensiver (zum Beispiel 75% Notfallreserve, 25% Traumkonto). Wenn du das Traumkonto letztlich doch nur dazu nutzt irgendwelche Haushaltslöcher zu stopfen, dann ist der Spaß schnell flöten.

Du hast keine Träume?

Dann wird es wirklich dringend notwendig in dich zu gehen und Schätze zu suchen und zu heben, sie dir einzugestehen. Und bedenke bei der Suche, dass auch finanzielle Freiheit und finanzielle Sicherheit Träume sein können.

c steve pb

Steuerrücklage für die Einkommensteuer richtig berechnen und bilden!

Dieses Thema beschäftigt viele meiner Mandanten und damit auch mich in letzter Zeit wieder sehr intensiv. In der Coronakrise zeigten die Finanzbehörden großes Entgegenkommen. Sie haben steuerliche Schulden zinslos gestundet und Vorauszahlungen ohne größere Ausführungen auf  
0 € herabgesetzt. Leider ist die steuerliche Rücklagenbildung bei vielen Selbständigen dadurch in Vergessenheit geraten. Das Problem ist nur: die Steuerzahlungen kommen auf jeden Fall. Deshalb ist es nun wieder höchste Zeit, in die steuerlichen Belange Ordnung zu bringen. Ich lege dir ans Herz einen ganz wichtigen Grundsatz für beruflichen Erfolg wieder strikt zu befolgen:

Bilde in dem Jahr die steuerliche Rücklage, in dem du das Einkommen erzielst!

Bilde also aus jedem Euro an Einnahmen gleich eine steuerliche Rücklage auf einem gesonderten Unterkonto.

Die Frage ist nur wie? In welcher Höhe ist die Steuerrücklage zu bilden? Dabei spreche ich hier nur von der Einkommensteuer und werde für die Umsatzsteuer einen gesonderten Artikel verfassen. Das Problem an der sachgerechten Bildung einer Steuerrücklage ist, dass sich die Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen berechnet und das ist immer so kompliziert zu ermitteln. So bist du schnell dazu verleitet, lieber keine richtige Steuerrücklage zu bilden, weil das eh zu kompliziert. Es wird irgendwie ein bisschen was zurückgelegt, was selten ausreicht. Außerdem besteht immer eine Unsicherheit, ob es reichen wird. Ich möchte dir hier ein Verfahren vorstellen, das dem Prinzip

keep it short and simple

entspricht. Dann besteht auch eine echte Chance, dass du die Rücklagenbildung wirklich durchziehst.

Relativ gleichbleibendes Einkommen?

Wenn du in der Regel ein relativ gleichbleibendes Einkommen erzielst, weil du beispielsweise fast ausschließlich Musikunterricht an eine bestimmte Anzahl von Schüler erteilst oder immer gegenüber den gleichen Auftraggebern tätig wirst, dann ist die Bildung der Steuerrücklage relativ einfach. Du greifst auf den Steuerbescheid des Vorjahres zurück, teilst die dort festgesetzte Steuerschuld durch zwölf und schon hast du den Betrag, den du monatlich deiner Steuerrücklage zuführen musst. Diesen Betrag transferierst du am 15. jeden Monats auf ein Unterkonto, das nur für Steuerzahlungen verwendet wird. Alle drei Monate (am 10.3., 10.6., 10.9. und 10.12. eines Jahres) ist die Steuervorauszahlung fällig. Rechtzeitig vor diesem Zeitpunkt transferierst du die Steuervorauszahlung vom Unterkonto auf das laufende Girokonto und lässt von dort die Einkommensteuervorauszahlung abbuchen.

Leider kommt es nur sehr selten vor, dass Selbständige ein gleichbleibendes Einkommen erzielen. Der Normalfall ist, dass die Aufträge von Selbständigen schwanken und damit auch die Steuerschuld.

Schwankendes Einkommen?

Bilde die Steuerrücklage auf Basis der Einnahmen

Naturgemäß wird diese Form der Rücklagenbildung die tatsächliche Steuerschuld nicht genau treffen, aber sie hat den Vorteil, dass sie relativ übersichtlich für dich ist. Diese Berechnung der Steuerrücklage eignet sich nur für die Soloselbständigen, die bis auf ein paar allgemeine Kosten (Telefon, Bürobedarf, Werbung, Reisen, Arbeitszimmer bis 1.250€) praktisch keine Kosten haben. Davon gibt es aber sehr viele, wie sich gerade im Rahmen der Beantragung der Coronazuschüsse erwiesen hat.

Für die nachfolgende Tabelle gehe ich davon aus, dass du nur Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit hast. Deine gesamte Steuerschuld musst du selbst zurücklegen und über Steuervorauszahlungen an das Finanzamt abführen. In diesem Fall bildest du aus  jedem Euro den du einnimmst eine Rücklage zu einem bestimmten %-Satz.

Wende diese %-Sätze an:

EINNAHMENEinkommensteuerrücklage in %Kirchensteuerpflichtig? Zusätzlich
Bis 11.000 €0 
Bis 22.000 €11%1%
Bis 33.000 €17%1,5%
Bis 44.000 €21%2%
Bis 55.000 €25%2 %
Bis 66.000 €27%3%
Bis 77.000 €30%3%
Bis 100.000 €32%3%

Bei dieser Art der Steuerrückstellung legst du immer direkt von jeder Einnahme, die reinkommt den entsprechenden Prozentsatz zur Seite. Wenn du also mit Einnahmen in Höhe von 33.000 € für das Jahr rechnest, legst du schon für die erste Einnahme von beispielsweise 1.000 € im Januar 170 € für die Einkommensteuer zurück. Nur so kann es funktionieren.

Überraschende Einnahmen im laufenden Jahr: Was tun bei der Steuerrücklage?

Wenn du im Laufe des Jahres feststellst, dass du glücklicherweise wohl doch eher 44.000 € einnehmen wirst, musst du die bislang zu wenig zurückgelegte Steuer mit der nächsten Einnahme nachholen. Beispielsweise hast du bis Juli gedacht, dass du in diesem Jahr nur 33.000 € einnehmen wirst. Bis Juni hast du 20.000 € eingenommen. Als Rücklage hast du entsprechend richtigerweise bislang 3.400 € gebildet. Nun kommt überraschend eine größere Einnahme von 5.000 € und du musst/darfst deine Einnahmenprognose auf 44.000 € für das laufende Jahr erhöhen. In diesem Fall hättest du für die ersten 20.000 € schon 4.200 € zurücklegen müssen. Es fehlen als 800 € in der bisherigen Steuerrücklage. Für die aktuellen Einnahmen von 5.000 € musst du zusätzlich noch 21% zurücklagen, also 1.050 €. Insgesamt musst du also 1.850 € von den 5.000 € der Steuerrücklage zuführen. Ja, das ist schmerzhaft. Aber genau das wird das Finanzamt von dir fordern. Grund dafür ist der progressive Steuertarif.

Steuerrücklage, wenn du die selbständigen Einkünfte nur im Nebenberuf erzielst?

Erzielst du vor allem oder auch Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, dann sind diese Einkünfte schon der Lohnsteuer unterworfen. Du musst dafür nicht noch einmal eine Steuerrücklage bilden. Für die nebenberuflichen Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit musst du aber dennoch Geld für die anfallenden Steuern zurücklegen. Hier empfehle ich dir folgende Berechnungsweise:

%-Satz bei nebenberuflichen selbständigen Einkünften

Gehalt Einnahmen aus selbständiger TätigkeitEinkommensteuerKirchensteuer
10.000 €11.000 €11%1%
10.000 €22.000 €17%1,5%
10.000 €33.000 €21%2%
10.000 €44.000 €25%2%
    
20.000 €11.000 €17%1,5%
20.000 €22.000 €21%2%
20.000 €33.000 €25%2%
20.000 €44.000 €27%3%
    
30.000 €11.000 €21%2%
30.000 €22.000 €25%2%
30.000 €33.000 €27%3%
30.000 €44.000 €35%3%
    
40.000 €11.000 €25%2%
40.000 €22.000 €27%3%
40.000 €33.000 €35%3%
40.000 €44.000 €40%3%

Sofern dein Gehalt 50.000 € erreicht empfehle ich dir für jeden zusätzlich eingenommenen Euro 42% an Steuerrücklage zu bilden. Beschwerden bitte ans Finanzministerium und nicht an mich.

Bei den von mir vorgeschlagenen Rücklagensätzen gibt es ein paar Unschärfen, aber es handelt sich hier ja auch nur um eine Rücklage, die nur die ungefähre Steuerschuld abbilden soll. Besser ist es auch, wenn die Steuerrücklage eher etwas zu hoch ist als zu niedrig. Sie sollte aber nicht so hoch sein, dass sie dir praktisch die Luft abschnürt. Ich denke, mit den von mir errechneten Prozentsätzen solltet ihr relativ gut in diesem Rahmen liegen. Probiert es mal aus und gebt mir bitte Rückmeldung, welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt.

Was tun, wenn du relativ hohe und/oder relativ schwankende Betriebsausgaben hast?

Die in obigen Beispielen von mir errechneten Prozentsätze berücksichtigen nur geringe Betriebsausgaben. Es hat sich in meiner Praxis gezeigt, dass es eine große Anzahl von Soloselbständigen gibt, die im Prinzip nur sehr wenige Betriebsausgaben vorweisen können. Solltest du für die Erzielung deiner Einnahmen erhebliche Ausgaben aufwenden, weil du zum Beispiel etwas produzierst, dann sind diese Prozentsätze für die Steuerrücklage zu hoch. In diesem Fall bleibt dir nichts anderes übrig, als in einer richtigen Finanzplanung den voraussichtlichen Gewinn zu ermitteln und daraus das zu versteuernde Einkommen abzuleiten.

Wie berechnest du die Steuerrücklage beim Splittingtarif?

Um die Sache einfach zu halten, berechnet jeder für sich die Steuerrücklage nach obigem Schema. Nur wenn einer viel verdient und der andere sehr wenig, dann addiert ihr alle Einnahmen zusammen und teilt sie durch zwei. Den sich für dieses Einkommen ergebende Prozentsatz wendet ihr auf jede Einnahme aus selbständiger Tätigkeit an.

Die Steuerrücklagen sind dir zu hoch!

Eine Steuerbelastung von 42% (plus gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) ist dir zu hoch, dann solltest du überlegen, dein Unternehmen als GmbH oder Unternehmergesellschaft (UG) zu führen. Dies ist jedoch nur dann wirklich sinnvoll, wenn du das Geld oder zumindest einen Teil der Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit nicht für deine laufenden Lebenshaltungskosten benötigst. Eine gewerblich tätige GmbH oder UG unterliegt einer Gesamtsteuerbelastung von ungefähr 30%, also deutlich weniger. Das gilt aber nur dann, wenn der Gewinn in der Kapitalgesellschaft verbleibt. Sofern du deinen Einnahmenüberschuss zur Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten über ein Gehalt entnehmen musst, bleibt es bei oben angeführten Einkommensteuersätzen.