2.4 Ausländische Einkünfte

Bei den gesamten Betrachtungen in diesem Blog gehe ich davon aus, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist. Unter welchen Voraussetzungen dies der Fall ist, werde ich bei Gelegenheit in einem gesonderten Blogbeitrag näher erläutern. Sofern du nur an einem Ort eine Wohnung unterhältst und dich dort auch regelmäßig aufhältst, und wenn du ansonsten nur zu kurzfristigen Auslandsaufenthalten unterwegs bist, bist du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Bei verschiedenen Wohnungen und längeren Auslandsaufenthalten kann sich etwas Anderes ergeben.

Sofern du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist, unterliegen grundsätzlich auch

deine Honorare aus einer im Ausland ausgeübten künstlerischen Tätigkeit

der deutschen Steuerpflicht. Du musst also auch die ausländischen Einkünfte bei der deutschen Besteuerung berücksichtigen.

Bei einer im Ausland ausgeübten künstlerischen Tätigkeit kommt es häufig vor, dass auch das Ausland beziehungsweise der Auftrittsstaat eine Besteuerung dieser Einkünfte vornimmt (Quellenbesteuerung).

Wie funktioniert ein Steuerabzug im Ausland?

Der Steuereinbehalt im Ausland erfolgt durch den Auftraggeber. Der ausländische Auftraggeber bezahlt dir nicht 100 % des vereinbarten Honorars aus, sondern behält die Steuer bei der Auszahlung des Honorars zurück und führt sie an das Finanzamt ab. Die ausländischen Quellensteuersätze liegen zwischen 10 % und 20 %. Der Veranstalter zahlt entsprechend nur 80 % bis 90 % des vereinbarten Honorars aus. In diesem Fall ist es wichtig, dass du vom ausländischen Auftraggeber eine Bescheinigung über diese einbehaltene Steuer verlangst. Das wird oft vergessen und führt dann zu viel Rennerei im Rahmen der Erstellung der Einkommensteuererklärung im Inland. Die erhaltene Bescheinigung legst du zu deinen Steuerunterlagen.

Um eine drohende Doppelbesteuerung im Auftrittsstaat (Quellensteuer) und im Wohnsitzstaat (Welteinkommen) zu vermeiden, kennt das internationale Steuerrecht zwei Methoden:

  • die Freistellungsmethode und
  • die Anrechnungsmethode.

Welche Methode zur Anwendung kommt, bestimmt ein Vertrag zwischen den beiden betroffenen Staaten, ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen. Besteht kein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem Staat des Auftritts und Deutschland, so kommt die Anrechnungsmethode zur Anwendung.

Grundsätzlich kommt die Anrechnungsmethode zur Anwendung

Mit den meisten wichtigen Industriestaaten bestehen Doppelbesteuerungsabkommen. Diese Abkommen, insbesondere die neueren deutschen Abkommen, sehen inzwischen ausschließlich die Anrechnungsmethode für Einkünfte eines Künstlers aus dem Ausland vor.

Die Anwendung der Anrechnungsmethode bedeutet, dass die ausländischen Einnahmen (brutto, ohne Abzug der im Ausland einbehaltenen Abzugsteuer) ebenso wie die Ausgaben voll in die deutsche Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) einbezogen werden, ganz normal, als wären es inländische Einkünfte. Die im Ausland bezahlte Steuer selbst ist keine abzugsfähige Ausgabe im Rahmen der Einkommensermittlung. Die ausländische Steuer wird aber auf die deutsche Steuer angerechnet. Dazu muss unbedingt der Nachweis der im Ausland bezahlten Steuern an die Finanzbehörden geschickt werden. Damit die ausländische Steuer angerechnet werden kann, ist die sogenannte Anlage AUS auszufüllen. Dort sind die ausländischen Einnahmen, Ausgaben und die einbehaltene Steuer anzugeben.

Die Anrechnung erfolgt nur bis zur Höhe der deutschen Steuer auf die ausländischen Einkünfte. Diese Berechnung führt das Finanzamt von Amts wegen durch. Eine Überprüfung, ob diese Anrechnung korrekt vorgenommen wurde, ist ratsam.

Die ausnahmsweise zur Anwendung kommende Freistellungsmethode

Sofern du Honorare aus einem Land erhältst, mit dem Deutschland ausnahmsweise im Doppelbesteuerungsabkommen die Freistellungsmethode vereinbart hat, werden die ausländischen Einkünfte nicht in die EÜR aufgenommen. Sie sind stattdessen auf einer gesonderten Anlage der Einkommensteuererklärung zu vermerken. Das ist natürlich super, da der Quellensteuersatz im Ausland regelmäßig nicht sehr hoch ist und man deshalb auf diese Einkünfte nicht sehr viel Steuern bezahlen muss.

Der Nachteil an der Freistellungsmethode ist, dass du auch keine Aufwendungen von der deutschen steuerlichen Bemessungsgrundlage abziehen darfst, die mit den ausländischen Einkünften im Zusammenhang stehen. Die Freistellung betrifft nämlich sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben. Dies trifft auf alle Aufwendungen zu, die mit den ausländischen Einkünften in unmittelbarem Zusammenhang stehen (also zum Beispiel die Reisekosten).

Auch wenn die ausländischen Einkünfte im Rahmen der Freistellungsmethode nicht der inländischen Besteuerung unterliegen, führen sie doch zu einer Erhöhung des Steuersatzes für die übrigen in Deutschland steuerpflichtigen Einkünfte. Die freigestellten Einkünfte unterliegen dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Den Progressionsvorbehalt rechnet das Finanzamt wiederum von Amts wegen aus. Wichtig ist jedoch, dass du die ausländischen Einnahmen wie auch die damit in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben in der Anlage AUS (nicht in der EÜR) in der Steuererklärung angibst.

Wo eintragen in der Steuererklärung?

Ausländische Einkünfte, die der Anrechnungsmethode unterliegen, werden zunächst ganz normal als Einkünfte in der Steuererklärung erfasst und die Aufwendungen als Ausgaben. Du erfasst die Flugkosten also unter den Reisekosten (Zeile 83 Anlage EÜR). Zusätzlich musst du aber auch noch die Anlage AUS ausfüllen. Dort erfasst du die Einkünfte und die anrechenbaren Steuern in den Zeilen 4 bis 13 der Anlage.

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