Abendkleidung für den besonderen Auftritt – 50 % gehen immer

Die Konzertkleidung: ein steuerliches Top-Thema

Im Rahmen meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit für Künstler wurde schon sehr oft die Frage an mich herangetragen: Kann ich die Ausgaben für meine Konzert- oder Bühnenkleidung von der Steuer abziehen?

Bei der Anschaffung von Kleidung handelt es sich der Natur nach stets um Kosten der privaten Lebensführung, die durch das Existenzminimum im Grundfreibetrag abgedeckt sind. Ein steuerlicher Abzug ist dadurch grundsätzlich ausgeschlossen. Die Liste der Urteile, in denen der Bundesfinanzhof (BFH) die Absetzbarkeit von Abendkleidung von Solisten abgelehnt hat, ist lang. Begründet wurde dies immer damit, dass die private Nutzung nicht gänzlich ausgeschlossen ist – also, dass auch Abendroben von Solistinnen bei privaten Anlässen wie Bällen, Empfängen oder ähnlichen Veranstaltungen getragen werden können. Diese Rechtsprechung hat sich in den vergangenen Jahren etwas geändert.

Das Ballkleid und der Frack

Die steuerliche Behandlung von Kleidungsstücken, die bei Konzerten getragen werden, möchte ich hier danach unterscheiden, wie hochklassig die Kleidungsstücke sind. Bei klassischen Abendroben, wie sie Gesangs- oder Instrumentalsolistinnen bei Konzerten häufig tragen, oder dem schwarzen Frack eines Orchestermusikers, aber auch bei besonders auffälligen Bühnenkostümen würde ich den vollen Abzug anstreben. Ziehe die Kosten einfach im Rahmen der Ermittlung deines Einnahmenüberschusses aus künstlerischer Tätigkeit offen als Betriebsausgabe ab. Offen heißt, du benennst die Position als Abendkleidung, zum Beispiel im Rahmen einer individuellen Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) in Papierform. Im ELSTER-Formular gibt es keine gesonderte Position. Hier sind die Abendkleider unter dem Sammelposten Arbeitsmittel zu subsumieren.

Du musst dann in einem zweiten Schritt darlegen, dass dieses hochklassige Kleidungsstück ausschließlich beruflichen Zwecken dient. Wie das gehen kann, ist nicht ganz klar, schließlich kannst du kein Fahrtenbuch für die Abendroben oder Fracks führen. Oder vielleicht eben doch! Du kannst zum einen aufzeichnen, wann du das entsprechende Kleidungsstück tatsächlich getragen hast und du kannst zum anderen nachweisen, dass ein derartiges Kleidungsstück normalerweise nicht zu deinem Lebensstil passt. Skizziere – auf Nachfrage vom Finanzamt – deinen Lebensstil und mache damit deutlich, was du normalerweise trägst. Klarwerden muss dabei, dass Abendroben oder Fracks nicht zu deinem privaten Kleidungsrepertoire gehören. Das sollte klappen.

Gehobene Alltagskleidung

Konzertkleidung, die, sagen wir, im Bereich der gehobenen alltäglichen Kleidung anzusiedeln ist, wie beispielsweise schwarze Hosen, T-Shirts, Blusen oder einfache festliche Kleidung, ist etwas anders zu beurteilen. Wie willst du hier nachweisen, dass du die schwarze Hose nicht auch mal abends auf der Party bei guten Freunden trägst? Schwierig. Hier kommt dir zugute, dass die Finanzbehörden zwischenzeitlich das sogenannte Aufteilungsverbot ziemlich weitgehend aufgegeben haben. Unter dem Aufteilungsverbot ist zu verstehen, dass Aufwendungen, bei denen eine teilweise private Mitveranlassung nicht völlig ausgeschlossen ist, gänzlich vom Betriebsausgabenabzug ausgeschlossen sind.

50% gehen immer: Das Urteil dazu

Der BFH hat in den vergangenen Jahren in Grundsatzurteilen entschieden, dass – immer dann, wenn keiner der Beteiligten einen anderen Aufteilungsmaßstab substanziell vortragen und nachweisen kann – keine Bedenken bestehen, wenn von einer hälftigen Aufteilung unbestreitbar auch betrieblich/beruflich veranlasster Kosten ausgegangen wird. Kurz gesagt: 50 % gehen immer. Die dazugehörigen BFH-Urteile sind BFH-Urteil vom 16.11.2011 – VI R 19/11 und BFH- Urteil vom 24.2.2011 – VI R 12/10.

Die konkrete Vorgehensweise bei den gehobenen alltäglichen Kleidungsstücken wäre dann: Du setzt die Kosten für diese Kleidungsstücke in deiner EÜR an und erklärst in einem Begleitschreiben an das Finanzamt, dass du diese Kleidungsstücke in den Konzerten XYZ getragen hast. Da eine private Mitbenutzung nicht gänzlich ausgeschlossen wäre, hast du nur 50 % der Kosten angesetzt. Im Anschluss verweist du auf die beiden genannten Urteile.

Reinigungskosten

Interessant kann auch der Ansatz von Reinigungskosten für die Konzertkleidung sein. Ohne Zweifel musst du für deine Auftritte ansprechend gekleidet sein. Dies bedingt häufige Reinigung, Waschen oder Bügeln der Kleidung. Kosten der Reinigung kannst du durch den entsprechenden Kassenbeleg nachweisen. Die Reinigung der Kleidung im Privathaushalt kann dagegen nur pauschal angesetzt werden. Die Kosten musst du als Musiker selbst ermitteln und plausibel machen. Das ist ein bisschen Kleinarbeit, kann sich aber auch aufsummieren.

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